Reiseberichte

www.community

Von Jakob Strobel y Serra

„Do not mess with little old ladies”

„Do not mess with little old ladies”

21. Februar 2007 Eine Community ist im Internet eine Art virtueller Großfamilie, die Vorlieben und Schwächen miteinander teilt und sich in Foren und Chatrooms darüber austauscht. Besonders mitteilsam sind die Mitglieder der Travel Communitys, die ihre schönsten Reiseerfahrungen nicht für sich behalten, sondern die Adresse eines besonders idyllischen Hotels oder versteckten Restaurants unvorsichtigerweise in die weite Netzwelt hinausposaunen. Auf den deutschen Travel-Community-Seiten geschieht das allerdings selten - denn es herrscht dort meist Schweigen im Walde.

Die Website www.globosapiens.de etwa ist zwar hübsch gemacht, aber nicht viel mehr als Verpackung. Vieles von dem wenigen ist Monate alt und oft auch noch falsch; nicht Montevideo, sondern Wellington ist die südlichste Hauptstadt der Welt. Ähnliches gilt für die Seite www.reiseforum.trendtown.info, auf der ein einsamer ratloser Reisender um Hilfe bittet: „Hallo! Ich bin Spanisch. Ich habe eine Frage. Ich gehe Deutschland am November. Wo können gehen uns was kann ich gehen? Vielen Dank“ - ein einziger User hat sich seiner erbarmt und ihm die Web-Adresse der Deutschen Zentrale für Tourismus gegeben.

Wann wird der Tourist zum Rassisten?

Kaum weniger trostlos ist die Lage bei www.travel-friends.com, bei der auch die Novizen unter den Weltentdeckern von ihren Abenteuern berichten dürfen, etwa in Kuala Lumpur: „Abends sind wir dann in eine riesige Shopping Mall, ich war noch nie in einer Shopping Mall und diese war so was von riesig, drin hatte es noch eine Achterbahn mit Vergnügungspark - unglaublich!“ Relativ neu und vergleichsweise belebt ist die Community von Spiegel onlineCommunity von Spiegel online, auf der man sich per Video, Audio-Fotostrecke oder Pop-up-Fenster Reiseanregungen holen kann.

Wie ein Bienenkorb summen hingegen die riesigen Reiseforen in englischer Sprache, etwa www.travellerspoint.com oder www.virtualtourist.com. Hier wird lebhaft darüber diskutiert, ob man Einheimischen Geschenke machen soll, wann der Tourist zum Rassisten wird und wie man flüchtige Reisebekanntschaften wiedertrifft. Außerdem gibt es Blogs von Weltreisenden, Fotogalerien und ethnologische Warnhinweise unter anderem für Berlin. Dort ist eine grundlegende Überlebensregel unbedingt zu beachten: „Do not mess with the little old ladies.“

Text: F.A.Z., 15.02.2007, Nr. 39 / Seite R4
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

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