24. März 2005 Wer in der Karwoche spanische Städte besucht, kann sich der merkwürdigen Faszination kaum entziehen. Vermummte Gestalten leiten unter dumpfen Trommelschlägen Prozessionen durch die Straßen; freiwillige Träger brechen unter der Last oft tonnenschwerer Heiligenfiguren schier zusammen. Die Schaulustigen verfolgen das Schauspiel schweigend, ja staunend. Eine andächtige Ruhe macht sich in den Straßen breit. Dann wieder ein Trommelschlag, Kettenrasseln, kurze Kommandos.
Die spanischen Christen tun Buße in der Semana santa, der heiligen Woche. Sie tun dies mit Inbrunst und in ungezählten Prozessionen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die sogenannten Costaleros. In ihren langen Kapuzenmänteln bestimmen die Mitglieder der Bruderschaften (Cofradia) das Bild der Umzüge in diesen Tagen. Jede Cofrodia hat ihr eigenes Gewand mit bestimmten Farben und Emblemen.
Sühne mit langer Tradition
Die spitzen Mützen der Mäntel (Capirote), die das Gesicht der Büßer bis auf zwei Augenschlitze vermummen, waren eine Reaktion der Gläubigen auf ein Verbot des Papstes im 14. Jahrhundert. Das katholische Oberhaupt hatte damals die öffentliche Sühne verboten. Mit der Vermummung versuchte man dies zu umgehen.
Die Prozessionen in der Semana santa haben eine lange Tradition. Im 16. Jahrhundert entschloß sich die katholische Kirche dazu, ihre Missionierung mit Hilfe von Prozessionen fortzusetzen. Mit dieser Predigt durch Bilder sollten die Massen, die nicht lesen und schreiben konnten, belehrt werden.
Noch bis Ostersonntag ziehen sich vor allem im Süden Spaniens hunderte Bußprozessionen durch die Städte. Höhepunkt und Publikumsmagnet ist der Umzug zu Ehren der Macarena, der Mutter Gottes, in Sevilla. Nach Ende der oft kilometerlangen Märsche ist es übrigens oft vorbei mit Reue und Buße. Dann wird in den Straßen getanzt, gelacht und gefeiert.
Text: @dho @stjo
Bildmaterial: dpa/dpaweb, REUTERS
