03. Juli 2007 Zu Beginn jeder Feriensaison hebt zuverlässig das Klagelied über das Raubritterunwesen auf Europas Straßen an, über schändliche Gebühren- und Vignettenpflicht und heulende Kinder im Fond, die kein Eis kriegen, weil Papa den Péage zahlen muss. Dabei leben wir heute in einer fortschrittlichen Welt, denn früher war alles viel schlimmer, damals in den Zeiten der Kleinstaaterei und Zollschranken, als der ganze Kontinent vor barrières de péage nur so wimmelte.
Wie zivilisiert es heute im grenzüberschreitenden Verkehr zugeht, zeigt die Seite www.kfz-auskunft.de, die eine gute Übersicht über alle gebührenpflichtigen Straßen in Europa bietet. Sie weiss, dass man auf kostenfreien Stadtautobahnen in Zaragoza, Valencia oder Tarragona Geld sparen kann, dass der automobile Eintrittspreis nach Bulgarien pauschal 8,70 Euro beträgt oder dass die Serben nur Euro nehmen, und zwar ausschließlich in bar. Intime Kenntnisse des europäischen Mautwesens besitzt auch die Website www.sellpage.de/saar_htm/autobg.htm, die aber teilweise veraltet ist.
Erst essen, dann fahren
Unschlagbar und immer brandaktuell ist dagegen der Routenplaner www.viamichelin.com, der nicht nur zu den besten seiter Art zählt, sondern auch als einer der wenigen die anfallenden Autobahngebühren der gewählten Strecke exakt ausrechnet. Die komplette Europadurchquerung von Lissabon nach Moskau ist für 70,70 Euro zu haben, die so viel kürzere Route von München nach Neapel kostet dennoch 52,50 Euro.
Auf den Homepages der Autobahnbetreiber in den großen Urlaubsländern kann man seine Fahrt noch detaillierter planen. Bei den Spaniern (www.aseta.es) gibt es interaktive Karten mit erschöpfenden Auskünften über die Maut vom Moped bis zum Schwerlaster; allerdings sind Spanischkenntnisse unablässig. Die Italiener (www.autostrade.it) haben zwar eine englische Version, doch ist bei weitem nicht die ganze Seite übersetzt; immerhin gibt es leicht verständliche Verhaltenshinweise für Führerscheinneulinge: Was ist an der Zahlstelle zu tun? Zahlen! Die Franzosen schließlich (www.autoroutes.fr) setzen - freilich nur Voltaire-Originalleser - selbst über das Wetter und die aktuellen Staus in Kenntnis und garnieren ihre Internetseite mit Webcams oder wohlmeinenden Hinweisen für sicheres Fahren, die man gerne beherzigt: Ne partez pas l'estomac vide. Bon Appétit.
Text: F.A.Z., 28.06.2007, Nr. 147 / Seite R4
Bildmaterial: AP