Von Hermann-Michael Hahn
10. Oktober 2007 Der Sternhaufen NGC 3603 im Sternbild Schiffskiel, der rund 20.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, enthält einige der massereichsten Sterne der Milchstraße. Die im ultravioletten Spektralbereich strahlenden Objekte sind in der Mitte dieser Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops zu sehen und von dichten Gas- und Staubwolken umgeben.
Zwar hat man viele Details dieser extrem leuchtkräftigen blauen Überriesen mittlerweile ans Licht befördern können. Trotz ihrer Schärfe können die Aufnahmen aber offenbar nicht alle Geheimnisse über die Region lüften, in der die Sterne entstanden sind. Wie eine Gruppe von Astronomen um Jesús Maíz Apellániz vom Instituto de Astrofísica de Andalucía in Granada herausgefunden hat, strahlen drei der Sterne so viel Energie ab, dass diese eigentlich massereicher sein müssten, als es die gängigen theoretischen Modelle der Sternentwicklung erlauben.
Kein Stern, sondern ein Mehrfachsystem
Forscher von der Universität Montreal konnten anhand von Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Chile zumindest zeigen, dass es sich bei zwei der Objekte nicht um einzelne Sterne handelt, sondern in Wirklichkeit um Mehrfachsysteme. Deren massereichster Partner enthält nicht mehr als 115 Sonnenmassen, was sich letztlich doch mit der Theorie deckt.
Am Rande von NGC 3603 - leicht links versetzt - leuchtet außerdem ein bereits stark gealterter heller Riesenstern, der möglicherweise kurz vor dem finalen Ausbruch als Supernova steht. Er hat offenbar schon mehrere Materieringe abgeschleudert, wie man sie nachträglich auch in der Umgebung der bekannten Supernova 1987A in der Großen Magellanschen Wolke gefunden hat. Wenn solche Gasringe wirklich die letzten Vorzeichen einer Sternexplosion darstellen, hat dieser Stern mit der Bezeichnung Sher 25 bestenfalls noch einige tausend Jahre vor sich.
Text: F.A.Z., 10.10.2007, Nr. 235 / Seite N1
Bildmaterial: AP