Marsrover Spirit

Sechs Räder im Sand

Von Günter Paul

Schubsen gilt natürlich nicht: Das Rover-Double im Jet Propulsion Laboratory in Pasadena

Schubsen gilt natürlich nicht: Das Rover-Double im Jet Propulsion Laboratory in Pasadena

20. November 2009 Für die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa ist es ein Sandkastenspiel und eine Generalprobe zugleich - die Aktion zur Befreiung des Marsrovers Spirit aus dem Marssand, in dem er am 23. April steckengeblieben ist. Seitdem hat sich Spirit nicht mehr von der Stelle gerührt. Dass der Rover noch ein Bewegungspotential hat, scheint ein kleines Rucken vor ein paar Tagen, das von der Bodenstation initiiert wurde, zu belegen.

Jetzt läuft der lange vorbereitete Versuch an, Spirit wieder in Fahrt zu bringen. Was allerdings nicht heißt, dass das Gefährt schon in den kommenden Tagen wieder rollen kann. Wenn überhaupt, dürfte sich der Rettungsversuch bis in das kommende Jahr hinein erstrecken. Im Übrigen besteht eine nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit dafür, dass alle Bemühungen erfolglos sind.

Einbruch am Kraterrand

In einem ersten Schritt, mit dem die Nasa Anfang dieser Woche begonnen hat, geht es zunächst nur darum, die fünf noch funktionierenden Räder des Fahrzeugs wieder in Gang zu setzen. Jedes der Räder soll sich sechsmal um seine Achse drehen, wobei von vornherein wahrscheinlich war, dass die Räder durchdrehen würden. Das sechste Rad - rechts vorne - klemmt schon seit dem Jahr 2006.

Spirit hängt am Rande eines etwa acht Meter großen Kraters fest. Dieser Krater ist mit mehreren Schichten Sand gefüllt, die von einer härteren Kruste bedeckt sind. In diese Kruste sind die Räder des Rovers eingebrochen. Der brüchige Boden befindet sich im Wesentlichen auf der linken Seite des Rovers. Die Ingenieure hoffen nun, das Fahrzeug zur rechten Seite hin zu befreien.

Ein Veteran

Monatelang haben die Ingenieure im Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifornien) mit zwei Rovern, die Spirit in wesentlichen Merkmalen gleichen, unter verschiedenen Bedingungen geprobt. Unter anderem ging es darum, Sand mit der richtigen Konsistenz zu simulieren. Dabei war man sich darüber im Klaren, dass man sich den Verhältnisen auf dem Mars bestenfalls annähern kann.

Der Rover Spirit war im Januar 2004 auf dem Mars gelandet. Seine eigentliche Mission war auf 90 Tage angesetzt worden. Dass er einschließlich der Winterzeiten, in denen die Versorgung mit Solarenergie schwierig ist, fünf Jahre überdauern würde, hatte damals niemand erwartet.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Foto Nasa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben

10.02.2010 00:00

Neue Weichenstellung im Weltraum

09.02.2010 00:00

Was genau ist Gendoping?

10.02.2010 10:59

Arme Schweine

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche