Mars

Vierter Trojaner gesichtet

Von Günter Paul

Nachgewiesen: Dem Mars folgt ein vierter Trojaner

Nachgewiesen: Dem Mars folgt ein vierter Trojaner

26. Juli 2007 Dank der modernen Beobachtungstechniken und der besseren Überwachung des Nachthimmels sind in den vergangenen Jahren immer mehr kleine Objekte im Sonnensystem aufgespürt worden. Die Entdeckungen im Kuiper-Gürtel jenseits der Bahn des Neptuns haben dazu geführt, dass im vergangenen Jahr erstmals der Begriff „Planet“ definiert wurde. Die Zahl der bekannten Monde - insbesondere des Jupiters und des Saturns - ist nicht nur durch die Erkundung mit Raumsonden sprunghaft gestiegen. Aber auch die sogenannten Trojaner, die den Planeten in deren Bahnen folgen oder ihnen vorauseilen, sind nicht mehr die Exoten, die sie einst waren. Einen vierten Mars-Trojaner, der einen Durchmesser von nur etwa einen Kilometer hat, haben jetzt Astronomen des Observatorio de la Sagra in Andalusien gefunden, wie die Online-Ausgabe der Zeitschrift „New Scientist“ berichtet.

Der italienische Mathematiker Joseph-Louis Lagrange hatte im 18. Jahrhundert herausgefunden, dass es in einem System zweier großer, einander umkreisender Körper fünf Orte („Lagrange-Punkte“) gibt, an denen kleine Objekte, nehmen sie dort erst einmal Positionen ein, relativ zu den beiden großen Körpern in Ruhe sind. Für einen Planeten, der die Sonne umkreist, befinden sich zwei dieser Orte - die Lagrange-Punkte 4 und 5 - sechzig Grad vor und hinter dem Planeten in dessen Bahn.

Winziger Himmelskörper auf Fotos nachgewiesen

Anders als Neptun und Jupiter kann Mars seine Trojaner nicht eingefangen haben

Anders als Neptun und Jupiter kann Mars seine Trojaner nicht eingefangen haben

Im Jahr 1906 stieß der deutsche Astronom Max Wolf auf den ersten Trojaner, wie die in den Lagrange-Punkten des Jupiters gefangenen oder zumindest im Bereich dieser Punkte sich bewegenden Kleinplaneten später genannt wurden. Mittlerweile werden die entsprechenden „Begleiter“ anderer Planeten ebenfalls Trojaner genannt. Beim Jupiter hat man im Laufe der Zeit mehr als 2200 solcher Objekte gefunden. Diejenigen, die dem Jupiter vorauseilen, haben die Namen griechischer Kämpfer im Trojanischen Krieg erhalten, darunter Achilles, Odysseus, Hektor und Agamemnon. Die dem Jupiter folgenden Trojaner wie Priamus und Patroclus erinnern an die Krieger auf der trojanischen Seite.

Der Mars war der zweite Planet, bei dem Trojaner gefunden wurden. 1990 wurde ein ihm folgendes Objekt beobachtet, das den Namen Eureka erhielt. Drei Mars-Trojaner sind seitdem hinzugekommen einschließlich des jetzt aufgespürten Objekts 2007 NS2. Dieser winzige Himmelskörper ist nachträglich auch auf Fotos nachgewiesen worden, die seit 1998 bei zwei großen Himmelsüberwachungen - Loneos („Lowell Observatory Near Earth Object Search“) und Linear („Lincoln Near Earth Asteroid Research“) - gewonnen wurden.

Nur vorübergehende Begleiter der Erde

Über den Ursprung der Mars-Trojaner sind sich die Astronomen nicht vollständig im Klaren. Der Jupiter dürfte seine Trojaner, damals noch im Sonnensystem umherirrende Vagabunden, vor 3,8 Milliarden Jahren mit seiner Schwerkraft eingefangen haben. Die Schwerkraft des Mars reicht für einen solchen Vorgang wahrscheinlich nicht aus. Deshalb glauben einige Astronomen, der anfangs ebenfalls vagabundierende Mars habe vor etwa 4,5 Milliarden Jahren, als er seine jetzige Bahn erreichte, jene Objekte an sich gebunden, die damals in der Nähe der Lagrange-Punkte waren.

Seit 2001 wissen die Astronomen, dass auch der Planet Neptun Trojaner besitzt, die er wie Jupiter eingefangen haben dürfte. Fünf dieser Objekte sind mittlerweile beobachtet worden. Die Erde hat keinen Trojaner; sie wird stattdessen gelegentlich für einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte von eingefangenen Objekten begleitet, die ihr in dieser Zeit gelegentlich nahe kommen, bis sie sich wieder aus ihrem Schwerefeld entfernen.

Für den Saturn zeigen Rechnungen, dass dessen Lagrange-Punkte 4 und 5 instabil sind, unter anderem wegen Resonanzen zwischen Jupiter und Saturn. Allerdings haben zwei Monde des Saturns Trojaner: Tethys und Dione. Dem Mond Tethys eilt nämlich in der Bahn um den Saturn der Telesto voraus, während Calypso ihm folgt. Dione folgt Helene, und Polydeuces zieht hinterher. Wobei Polydeuces der undisziplinierteste Trojaner ist. Er hält keineswegs sechzig Grad Abstand zu Dione ein. Vielmehr schwankt seine Distanz zwischen 39 und 92 Grad.

Text: F.A.Z., 27.07.2007, Nr. 172 / Seite 34
Bildmaterial: dpa, Scott Sheppard/Carnegie Institution of Washington

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