Exoplaneten

„Cousin der Erde“ umkreist Stern Gliese 876

Heiß, steinig, geologisch aktiv: Eine Vorstellung vom neuen Exoplaneten

Heiß, steinig, geologisch aktiv: Eine Vorstellung vom neuen Exoplaneten

14. Juni 2005 Erstmals haben Astronomen einen erdähnlichen Planeten bei einem normalen Stern außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Der Begleiter des Sterns Gliese 876 im Sternbild Wassermann mute an „wie der große Cousin der Erde“, berichteten die Forscher am Montag (Ortszeit) auf einer Pressekonferenz in Arlington im amerikanischen Bundesstaat Virginia.

Der Planet hat etwa den doppelten Durchmesser und die siebeneinhalbfache Masse der Erde. Damit ist er der kleinste sogenannte Exoplanet, der bislang gefunden worden ist. Leben kann auf dem Erden-Cousin allerdings nicht existieren. Dafür ist es dort zu heiß.

Antwort auf eine uralte Frage

Die Entdeckung beantworte eine seit der Antike offene Frage, meinte Teamleiter Geoffrey Marcy von der Universität von Kalifornien in Berkeley, einer der renommiertesten „Planetenjäger“. „Schon vor mehr als 2000 Jahren haben die griechischen Philosophen Aristoteles und Epikur diskutiert, ob es andere, erdähnliche Planeten gibt. Jetzt haben wir erstmals einen Beleg für einen Gesteinsplaneten bei einem normalen Stern gefunden.“

Alle bisherigen Beobachtungen legten nahe, daß es sich bei der neuen Entdeckung um einen Gesteinsplaneten mit einem Eisenkern handele. Alle rund 150 bisher bei normalen Sternen gefundenen Planeten seien dagegen größer als der Gasriese Uranus in unserem Sonnensystem. Drei andere vermutliche Gesteinsplaneten kreisten um den Überrest eines ausgebrannten, explodierten Sterns, einen sogenannten Pulsar.

Teile eines Planetensystems nachgewiesen

Dank der verfeinerten Beobachtungstechnik am Keck-Observatorium auf Hawaii, die die Entdeckung möglich machte, hoffen die Forscher, auch in der lebensfreundlichen Zone in der Nähe von normalen Sternen erdähnliche Planeten aufspüren zu können. Der Planet verriet sich durch seine Schwerkraft, die den Stern leicht hin und her bewegt.

Bei der Heimatsonne des kleinen Exoplaneten hatten Forscher bereits zwei große Planeten nachgewiesen. Der nun entdeckte Begleiter umkreist Gliese 876 in knapp zwei Tagen und ist nur etwa ein Fünfzigstel so weit von ihm entfernt wie die Erde von der Sonne. Auf seiner Oberfläche dürfte es daher 200 bis 400 Grad Celsius heiß sein, was Leben in uns bekannten Formen ausschließe.

Einer unserer Nachbarsterne

Gliese 876 gehört zur Klasse der häufigsten Sterne in der Milchstraße. Mit 15 Lichtjahren Entfernung ist er einer unserer Nachbarsterne und nur wenig weiter entfernt als der nächste Nachbar der Sonne, der rund vier Lichtjahre entfernte Proxima centauri im Sternbild Zentaur. Zum Vergleich: Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, hat einen Durchmesser von etwa 100.000 Lichtjahren. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

Die Forscher stellen den Planenten in einer der kommenden Ausgabe des Fachblatts „The Astrophysical Journal“ vor.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: REUTERS

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