30. August 2007 Das Bild eines fast kreisrunden schwarzen Flecks auf der Oberfläche des Planeten Mars, der keinerlei erkennbare Strukturen aufweist und einen Durchmesser von ungefähr hundertfünfzig Metern hat, führte im Frühjahr zu langen und heftigen Diskussionen. Nur in einem Punkt waren sich die Fachleute einig: Um einen Einschlagskrater konnte es sich bei dem Gebilde, das mit der hochauflösenden Kamera der amerikanischen Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter aufgenommen worden war, nicht handeln.
Sonst müsste ein Kraterwall zu sehen sein, der die Umgebung überragt, und das beim Einschlag hochgeschleuderte Auswurfmaterial müsste ebenfalls seine Spuren hinterlassen haben. Ein neues, von derselben Raumsonde Anfang August zur Erde übertragenes Bild hat jetzt weitgehend Klarheit geschaffen.
Das Jeanne genannte Loch stellt, wie viele Wissenschaftler schon vermutet hatten, einen senkrecht in den Boden reichenden natürlichen Schacht dar. Solche Gebilde findet man in vulkanischen Gegenden wie auf den Inseln von Hawaii.
Kein Sonnenstrahl gelangt bis zum Grund
Die Nasa hatte Jeanne in beiden Fällen gezielt fotografieren lassen. Das Phänomen war nämlich schon auf den Bildern der Sonde Mars Odyssey aufgefallen, die für ein Detailstudium allerdings zu grob waren.
Sieben solche fast kreisrunden schwarzen Flecke hatte Mars Odyssey beobachtet, die sofort auch Namen erhielten: Dena und Chloe, Wendy und Annie, Abbey, Nikki und Jeanne. Sie alle befinden sich im Gebiet des großen Vulkans Arsia Mons. Die regionale Häufung deutet auf ein Phänomen hin, das irgendwie mit Vulkanismus zu tun hat.
Gleichwohl war wegen der Strukturlosigkeit gelegentlich von schwarzen Seen die Rede. Denn bei einem Loch im Boden hätte die Kamera des Mars Reconnaissance Orbiter, die auch in den dunkelsten Schatten Strukturen auflösen kann, den Untergrund erkennen müssen. Es sei denn, es handelte sich um einen Schacht, der so tief reicht, dass wie auf dem Anfang Mai senkrecht von oben aufgenommenen Bild kein Sonnenstrahl mehr zum Grund vordringt. Woraus sich einige hundert Meter Tiefe ergäben.
Kein Vulkanschlot
Nun nahm sich die Nasa vor, dasselbe Loch auch aus schräger Sicht aufzunehmen, damit man eine mögliche Schachtwand erkennen könnte, die aus der Senkrechten natürlich nicht sichtbar ist. Tatsächlich ist die von der Sonne beschienene Schachtwand auf dem neuen Foto deutlich zu sehen - und zwar so weit nach unten, dass daraus eine Schachttiefe von mindestens 78 Metern folgt.
Damit dürfte sicher sein, dass das Gebilde ein Schacht ist - ein Einbruch des Bodens über porösem vulkanischem Gestein in der Tiefe, das die Last über sich nicht mehr tragen konnte. Mit Vulkanschloten, durch die Magma nach oben gelangt, haben solche Schächte nichts gemein.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Nasa