Von Günter Paul
29. März 2008 Auf dem Planeten Mars mag es einst, als es dort wärmer war als heute, auch Wasser in flüssigem Zustand gegeben haben. Charakteristischer für den Himmelskörper aber sind seine Vulkane einschließlich des Olympus Mons, des höchsten Vulkans im Sonnensystem, und die von Magmafluss geprägten Ebenen. Zu ihnen gehört auch die auf diesem Foto der europäischen Raumsonde Mars Express abgebildete Landschaft namens Daedalia Planum, die sich rund tausend Kilometer südlich der von hohen Vulkanen überragten Tharsis-Region befindet.
Je mehr Spuren vulkanischer Tätigkeiten die Forscher auf dem Roten Planeten entdeckten, desto intensiver stellten sie sich die Frage, in welchem zeitlichen Rahmen die Prozesse stattgefunden haben. Auf der Erde hat es Vulkanismus mehr oder weniger stetig in allen Epochen gegeben. Auf dem Mars dagegen, so stellte sich bald heraus, gab es vulkanisch dominierte Epochen, die von Zeiten der relativen Ruhe abgelöst wurden.
Der Versuch, die Epochen zeitlich einzuordnen, hat sich als recht schwierig herausgestellt. Voraussetzung ist nämlich, dass man die verschiedenen vulkanisch entstandenen Formationen verlässlich datieren kann. Ein übliches Hilfsmittel dafür ist die jeweilige Kraterrate: Je mehr Krater eine Region aufweist, desto älter ist die Landschaft. Denn wenn diese beispielsweise durch Lavaflüsse neu geformt wird, werden älter Krater überdeckt.
Eine Forschergruppe um Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin hat nun die vom Mars Express aufgenommenen Fotos unter diesem Gesichtspunkt ausgewertet. Dabei sind sie zu dem Ergebnis gekommen, dass es nach der warmen und feuchten Frühzeit des Planeten, die vor etwa 3,8 Millionen Jahre endete, fünf diskrete vulkanische Epochen gegeben hat. Diese Epochen waren vor rund 3,5 Milliarden Jahren, vor 1,5 Milliarden Jahren und vor 400 bis 800 Millionen Jahren sowie vor 200 Millionen Jahren und vor 100 Millionen Jahren zu verzeichnen.
Text: F.A.Z., 26.03.2008, Nr. 71 / Seite N1
Bildmaterial: Esa