Kollidierende Sternsysteme

Gefräßige Galaxien

Von Günter Paul

30. April 2008 Kollisionen von Galaxien sind im Universum wesentlich häufiger, als die Astronomen lange Zeit vermutet hatten. Das haben schon in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Rechnungen der estnischen Brüder Alar und Juri Toomre gezeigt. Insbesondere in der Frühzeit, als der Kosmos noch wesentlich kleiner als heute war, stießen immer wieder Sternsysteme zusammen, wobei die Sterne selbst allerdings selten Schäden erlitten. Denn zwischen ihnen ist so viel „leerer“ Raum, dass sie unbehelligt aneinander vorbeigleiten können. Die Bahnen der Sterne jedoch ändern sich erheblich, und durch Schwerkrafteffekte bilden sich Gezeiten, die zu einer Neuordnung der Sternsysteme führen. Außerdem wird das interstellare Gas zu dichten Wolken zusammengepresst, so dass ganze Schübe neuer Sterne entstehen.

Im Archiv der Bilder des Hubble-Weltraumteleskops, das jetzt seit 18 Jahren die Erde umkreist, haben Astronomen nach Fotos gesucht, die solche Kollisionen eindrucksvoll belegen, und dabei eine Sammlung mit 59 Beispielen zusammengestellt. Auf den meisten sind ganze Nester junger Sterne zu sehen, die durch ihre bläuliche Farbe auffallen, aber auch Quellen intensiver Infrarotstrahlung und Materiebrücken zwischen den Galaxien, über die Gas- und Staubmassen ausgetauscht werden.

Auch die Milchstraße wird selbst verschlungen werden

Nicht zuletzt durch die Farben zeichnet sich die Bildserie aus. In Schwarzweiß gab es bisher schon den „Atlas of Peculiar Galaxies“ mit 338 ungewöhnlich geformten Galaxien, den der amerikanische Astronom Halton Arp in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zusammengestellt hat. Arp wusste noch nicht, dass es sich in all diesen Fällen – und nicht nur in einigen – um Beispiele von Kollisionen handelte.

Auch unsere Milchstraße hat sich dem Prozess der Kollisionen nicht entziehen können. Sie hat bereits mehrere kleine Sternsysteme verschlungen und verspeist zurzeit eine weitere Zwerggalaxie, die im Sternbild Sagittarius steht. Ihrem Schicksal, selbst verschlungen zu werden, kann sie nicht entgehen. In ungefähr zwei Milliarden Jahren wird sie im Andromedanebel aufgegangen sein. Die beiden Galaxien rasen momentan mit einer Geschwindigkeit von 500.000 Kilometern pro Stunde aufeinander zu.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: NASA, ESA, the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration and A. Evans (University of Virginia, Charlottesville/NRAO/Stony Brook University), NASA, ESA, the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration and A. Evans (University of Virginia, Charlottesville/NRAO/Stony Brook University), K. Noll (STScI), and J. Westphal (Caltech), NASA, ESA, the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration and B. Whitmore (STScI), NASA, ESA, the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration and W. Keel (University of Alabama, Tuscaloosa)

 
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