15. August 2006 Die Planeten waren für die Menschen, die ihren Blick zum Himmel wandten, schon früh etwas Besonderes. Es waren am unveränderlich erscheinenden Fundament die einzigen Lichter, die - wie der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff besagt - am Himmel entlang wanderten. In den alten Hochkulturen des Mittelmeerraums und Vorderasiens kannte man sieben von ihnen: die Sonne und den Mond sowie Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.
Mit der Kopernikanischen Wende, als man die Natur der Planeten erkannte, wurden Sonne und Mond aus dieser illustren Schar gestrichen, dafür kam die Erde hinzu. Später wurde die Liste durch die erst mit dem Fernrohr zu beobachtenden Objekte Uranus, Neptun und Pluto auf neun ergänzt. Dabei ist es bis in die jüngste Zeit geblieben; denn den unzähligen Kleinplaneten, von denen der erste am 1. Januar 1801 entdeckt wurde, maß man wegen ihrer Winzigkeit eine geringere Bedeutung bei. An der Aufteilung änderte sich auch nichts, als in jüngerer Zeit Pluto als ein Ausreißer aus dem Kuiper-Gürtel und somit als eigentlich nur größter Kleinplanet erkannt wurde.
System nur noch mit Mühe haltbar
Doch mittlerweile ist das System ins Wanken geraten und nur mit Mühe noch haltbar. Im Jahr 2003 nämlich spürten die Astronomen im Kuiper-Gürtel einen Kleinplaneten auf, der nach neueren Messungen größer als Pluto ist. Inoffiziell hat man ihn Xena genannt - nach der Heldin einer in Neuseeland gedrehten Fernsehserie. Es läge nahe, die Liste der eigentlichen Planeten jetzt noch einmal - um dieses eine Objekt - zu erweitern. Die Astronomen befürchten jedoch, daß damit ein Faß ohne Boden entstehen würde; denn möglicherweise befinden sich weitere ähnlich große Himmelskörper am Rande des Sonnensystems, die, nach und nach entdeckt, immer wieder Ergänzungen erforderlich machten. Die liebgewonnene Zahl der Planeten, neun, würde damit zu einer ungeliebten Variablen werden.
Auch wenn man sich statt dessen vom "Kleinplaneten" Pluto als Planet trennte und die Zahl der Planeten auf acht senkte, um Ruhe zu haben, müßte man eine vertraute Vorstellung über Bord werfen. Was also tun? Die für Benennungen im Sonnensystem zuständige Internationale Astronomische Union will auf einer Tagung, die in dieser und der kommenden Woche in Prag veranstaltet wird, endlich eine akzeptable Lösung finden - die vor allem deshalb bislang nicht möglich war, weil der Begriff Planet in seiner aktuellen Bedeutung nie definiert worden ist.
Schon jetzt ist abzusehen, daß nicht alle Astronomen mit der Lösung zufrieden sein werden. Längst haben sich nämlich zwei Lager gebildet, und es ist schwer vorstellbar, wie sich der Gordische Knoten lösen läßt. Aber vielleicht irrt sich die Gemeinde, und es findet sich ein moderner Alexander. Ihm würde ein Platz im Kosmos gebühren. Vielleicht als endgültiger Namenspatron für Xena, vorausgesetzt, dieses Objekt würde nicht in den Status eines Planeten am Himmel erhoben. Deren Namenspatrone können nur Götter sein.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP