20. Januar 2006 Seti@home ist ein riesiger Erfolg. Auf der ganzen Welt stellen Computer-Nutzer ihre Rechner zur Verfügung, um die Universität von Kalifornien in Berkeley bei der Suche nach einer außerirdischen Intelligenz zu unterstützten. Die enorme versammelte Rechenkapazität der zahllosen privat und beruflich genutzten Computer soll helfen, aus einer Flut aufgefangener Signale aus dem All jenes herauszufiltern, das eine fremde Zivilisation verrät. Nach einem ähnlichen Prinzip soll nun jeder, der mag, auch in jenen Partikeln forschern, die der Kometenstaub-Sammler Stardust in der vergangenen Woche zur Erde gebracht hat (Stardust: Interaktive Informationen der Nasa)
Stardust@home - ebenfalls betrieben von der Universität von Kalifornien - funktioniert wie ein virtuelles Mikroskop. Jeder User kann sich Bilder von den Stardust-Proben aus dem Internet laden und sich auf die Suche nach den winzigen interstellaren Staubkörnchen aus dem Schweif des Kometen Wild 2 machen, den die Sonde der Nasa durchflogen hat. Derjenige, dessen Rechner schließlich fündig wird, darf sich über eine ganz spezielle Belohnung freuen: Das entdeckte Körnchen erhält den Namen des Finders. 1,5 Millionen Bilder sollen im Internet bereitgestellt werden.
Suche nach Staub ferner Sterne
Den Wissenschaftlern der Nasa geht es bei dem Projekt vor allem darum, jene kleinen Körnchen in dem Material aus dem Wild-2-Schweif ausfindig zu machen, die vielleicht von fernen Sternen stammen und in Supernovae ins All geschleudert wurden. Die Forscher gehen davon aus, daß in dem Material des Kometen auch solche Teilchen vorhanden sind. Diese könnten Neues über die Entwicklung des Weltraums und die Sternentstehung berichten.
Schon jetzt ist die Nasa überzeugt, daß die Stardust-Mission ein enormer wissenschaftlicher Erfolg ist und zahlreiche neue Erkenntnisse bringen wird. Die Erwartungen wurden angeblich sogar übertroffen. Don Brownlee, Astronomie-Professor an der Universität Washington und einer der federführenden Wissenschaftler bei Stardust, zeigte den ersten, in der Auffangsubstanz gefundenen Kometenpartikel der Öffentlichkeit. Dieser ist im Durchmesser ein Zehntel Millimeter groß und völlig schwarz. Das ist ein großer Fisch, sagte er. Wir sind völlig überwältigt. Der größte Einschlag in der Auffangsubstanz mißt nach Angaben des Wissenschaftlers fast einen halben Zentimeter, und man kann einen kleinen Finger hineinstecken. Wir sind vor Freude auf- und abgesprungen, sagte Brownlee.
Die Staubpartikel sind in einer Auffangsubstanz eingeschlagen, die Aerogel heißt. Diese ist nach Angaben der Nasa so durchsichtig wie Glas, hat aber eine geringe Dichte. Dadurch wurden die Teilchen beim Auftreffen auf das Aerogel nicht zerstört. Die Staubkörner hatten beim Einschlag nach Angaben der Nasa die zehnfache Geschwindigkeit einer Pistolenkugel. Auf den Bildern, die die Nasa von den Gelkissen bereitstellt, sind die großen Einschläge deutlich zu sehen. Nun beginnt die Suche nach den kleinsten Spuren interstellarer Materie.
Anmeldung zum Projekt im Internet: Stardust@home
Text: @dho, mit Material von dpa
Bildmaterial: Nasa, REUTERS