Phoenix auf dem Mars

Mit Schaufel und Sieb

Von Günter Paul

18. Juni 2008 Seit Tagen hoffen die Marsforscher, jetzt endlich nähere Auskunft über den Boden in der arktischen Region des Roten Planeten zu erhalten, in der die amerikanische Raumsonde Phoenix Ende Mai gelandet ist. Es ist das erste Mal seit 1976, dass an Ort und Stelle Marsmaterial in einem Labor analysiert wird. Damals haben die Wissenschaftler mit den beiden Viking-Labors vergeblich nach Hinweisen auf Leben gesucht. Phoenix hat mittlerweile zumindest vorläufige Ergebnisse über die optische Erkundung des Bodens geliefert.

Die Vorbereitung der Experimente im hohen Norden des Planeten Mars hat sich als recht kompliziert herausgestellt. Sie begann vor zwei Wochen, als die Forscher mit der Schaufel des Landeroboters zwei dicht nebeneinanderliegende Gräben mit je etwa neun Zentimeter Breite in den Boden zogen.

Dabei stießen sie unter dem lockeren Bodenbelag aus Staub, der vom Wind verbreitet wird und daher wohl überall auf dem Planeten fast gleich ist, rasch auf härteres Material. Die Staubteilchen „klebten“ stärker zusammen, als man erwartet hatte. Es fand sich auch weißes Material, von dem in dieser Woche geklärt werden soll, ob es sich um Eis handelt. Das ließe sich an Änderungen in seiner Konsistenz erkennen.

Ergebnis der Heizanalyse mit Spannung erwartet

Schwierigkeiten bereitete es, das Zusammenhaften der kleinen Körner zu überwinden. Das war notwendig, weil die Konglomerate nicht durch die Siebe über den acht Heizöfen des Gasanalyse-Geräts Tega (“Thermal and Evolved-Gas Analyzer“) passten, mit dem unter anderem nach flüchtigen Elementen gesucht werden soll. Mehrfach wurden die Bodenproben in der Schaufel und auf den Sieben geschüttelt. Außerdem hielt man die Schaufel schräg über einen der Öfen, um die kleineren Körner einzubringen.

Die Siebe sollen bei späteren Analysen eventuell vorhandene Eisbrocken zurückhalten und die Öfen so vor dem Verstopfen bewahren. Am Dienstag vergangener Woche schließlich wurde der Ofen Nummer vier gefüllt - entweder weil das Schütteln doch noch geholfen hat oder weil sich die Konsistenz in der Marsluft veränderte. Das Ergebnis der Heizanalyse wird mit Spannung erwartet.

Bislang vier verschiedene Mineralien beobachtet

Ein wenig Material von derselben Bodenprobe ist auch vorsichtig auf eine blaue Siliziumscheibe mit drei Millimeter Durchmesser geschüttet worden - so, dass die Körner nebeneinander lagen und keine Häufchen bildeten. Mit dem Mikroskop von Phoenix haben die Forscher Partikeln entdeckt, von denen die kleinsten einen Durchmesser von einem Zehntel der Dicke des menschlichen Haares haben. Viele pappen wie die größeren Körner zusammen. Es sind größere schwarze Glaspartikeln zu erkennen, außerdem kleinere, rötliche Teilchen - möglicherweise verwittertes und mit Eisen angereichertes Vulkanglas. Bislang haben die Forscher vier verschiedene Mineralien beobachtet.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: NASA

 
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