Von Hendrik Markgraf
21. Dezember 2006 Das unter französischer Federführung entwickelte europäische Weltraumteleskop Corot soll kommende Woche mit einer Sojus-Fregat-Rakete vom russischen Weltraumbahnhof in Baikonur auf eine Umlaufbahn in rund 900 Kilometer Höhe gebracht werden.
Verläuft alles nach Plan, wird der Starttermin am 27. Dezember sein. Zu den Aufgaben des Teleskops - hier in einer künstlerischen Darstellung - zählt die Untersuchung von anderen Sternen. Dazu sollen die Rotationsgeschwindigkeiten und die Konvektionsströmungen in den oberflächennahen Schichten dieser Objekte gemessen werden.
Zu kleinen Planetensystemen vordringen
Darüber hinaus will man nach sogenannten Transits suchen, bei denen dunkle Begleiter (Planeten) vor den Sternen vorbeiziehen. Herzstück von Corot - der Name steht für Convection Rotation and planetary Transits - ist ein 30-Zentimeter-Spiegelteleskop, mit dem die Bahnen von mehr als 100.000 Sternen in zwei ausgewählten Himmelsregionen mehrere Monate lang verfolgt werden sollen.
Das gesammelte Licht wird von einer Kamera erfaßt, die Helligkeitsänderungen von einem tausendstel Prozent registrieren kann. Damit ließe sich auch der Vorbeiflug eines kleinen Gesteinsplaneten vor einem fernen Stern erkennen. Entsprechend erwarten die Forscher, mit dem Teleskop erstmals auch in den Bereich kleiner Planetensysteme vorzudringen.
Bisher genutzte Meßverfahren haben nämlich nur den Nachweis großer, jupiterähnlicher Planeten ermöglicht. Dabei sind in der Vergangenheit auffallend viele sogenannte heiße Gasriesen entdeckt worden, die ihre Zentralsterne in extrem geringem Abstand umrunden und damit die bisherigen Theorien zur Entstehung von Planetensystemen in Frage gestellt haben. Falls die Erwartungen erfüllt werden und Corot tatsächlich eine große Zahl kleinerer Gesteinsplaneten nachweist, könnte sich der Stellenwert der heißen Gasriesen in den Modellen nachhaltig relativieren.
Text: F.A.Z., 22.12.2006, Nr. 298 / Seite 34
Bildmaterial: dpa, ESA