08. Oktober 2005 Die Europäische Raumfahrtagentur ESA ist mit ihrem Satellitenprojekt zur Erforschung der Erderwärmung gescheitert.
Kurz vor Erreichen der anvisierten Umlaufbahn um die Erde stürzte die russische Rockot-Trägerrakete ab, der 140 Millionen Euro teure Forschungssatellit CryoSat fiel nahe des Nordpols ins Meer, wie die ESA und die russische Raumfahrtagentur am Samstag abend mitteilten.
Kontakt abgebrochen
Der ESA-Satellit war um 17.02 Uhr (MESZ) vom nordrussischen Weltraumbahnhof Plesezk ins All gestartet, kurz darauf brach der Kontakt ab. Ersten Erkenntnissen zufolge habe es bei der Zündung der letzten Raketenstufe eine Panne gegeben, sagte der Sprecher der russischen Raumfahrtagentur, Wjatscheslaw Dawidenko. Alle Missionen der Trägerraketen vom Typ Rockot seien ausgesetzt worden, bis die Untersuchung des Unfalls mit CryoSat ein Ergebnis hervorbringe.
Der Konstrukteur der Rakete, das russische Raumfahrtzentrum Chrunitschew, habe sich bereits bei der ESA entschuldigt, sagte Dawidenko. Bei den Rockot-Raketen handelt es sich um umgerüstete SS-19-Marschflugkörper sowjetischer Bauart. Ein ESA-Sprecher in Paris bestätigte, daß der Satellit verloren gegeben wurde. Die russische Agentur habe die ESA vom Scheitern der Mission unterrichtet.
CryoSat sollte Folgen der Klimaerwärmung belegen
Mit der CryoSat-Mission wollten Wissenschaftler das Abschmelzen der Polkappen mit bislang nie dagewesener Genauigkeit dokumentieren. Mindestens drei Jahre lang sollte der Radar-Satellit aus 720 Kilometern Höhe Präzisionsbilder von den schwer zugänglichen Polarregionen zur Erde schicken. Der 650 schwere Flugkörper CryoSat wurde vom Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gebaut. Die Wissenschaftler wollten mit Hilfe des neuartigen Satelliten verfolgen, wie schnell das Eis an den Polkappen schmilzt.
Experten der Gruppe Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) gehen davon aus, daß sich die durchschnittliche Oberflächentemperatur auf der Erde im 20. Jahrhundert um 0,6 Grad Celsius erhöht hat. Modelle sagen eine weitere Erwärmung zwischen 1,4 und 5,8 Grad in den kommenden hundert Jahren voraus. Damit ist über kurz oder lang ein Abschmelzen der Polkappen und Gletscher wahrscheinlich, was zu einem Anstieg des Meeresspiegels von mehr als einem Meter führen könnte.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP
Bildmaterial: Esa, Esa/K. Büchler