Von Hermann-Michael Hahn
31. Oktober 2007 Seit vielen Jahren vermuten die Astronomen, dass zahlreiche, wenn nicht alle großen Galaxien im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte eine besonders aktive Phase durchlaufen haben, die dem Erscheinungsbild der Quasare – extrem leuchtkräftiger Strahlungsquellen – entspricht. Die Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass sich in deren Zentren äußerst massereiche Schwarze Löcher befinden, die die Gravitationsenergie einströmender Materie freisetzen und abstrahlen.
Starke Infrarotstrahlung
Vor allem in größeren Entfernungen haben die Wissenschaftler allerdings weit weniger Quasare nachweisen können, als man erwarten sollte, wenn die Mehrzahl der heute existierenden großen Galaxien eine solche aktive Phase durchlebt haben sollten. Beobachtungen mit dem Spitzer-Infrarotteleskop und dem Chandra-Röntgenobservatorium scheinen diese Kluft zwischen Theorie und Beobachtung nun zu schließen.
In einem kleinen Himmelsareal im Sternbild Chemischer Ofen hat eine internationale Forschergruppe, wie sie in der nächsten Ausgabe des Astrophysical Journal“ berichtet, mit diesen Weltraumteleskopen rund 200 Galaxien gefunden, die durch verstärkte Infrarotstrahlung auffielen. Bei einem Vergleich mit den Messdaten des Röntgensatelliten Chandra von derselben Gegend sind diese Galaxien als Objekte mit einem quasartypischem Erscheinungsbild identifiziert worden.
Hungrige Schwarze Löcher
Ergänzenden Entfernungsmessungen zufolge befinden sich die Objekte in einer Distanz von etwa neun bis elf Milliarden Lichtjahren – wir beobachten sie also in einem Entwicklungszustand, den sie etwa 2,5 bis 4,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall durchlebten. Sieht man die Zahl der in dem kleinen Areal neu gefundenen Quasare als typisch für den gesamten Himmel an, so steigt die Zahl der bekannten“ Quasare und damit der im frühen Kosmos vorhandenen massereichen Schwarzen Löcher um einige hundert Millionen Exemplare und wird dadurch mehr als verdoppelt.
Zugleich gerät die Annahme in Bedrängnis, für die Quasaraktivitäten seien in erster Linie enge Galaxienbegegnungen oder gar kollisionen verantwortlich, durch die große Materiemengen in Richtung der zentralen Schwarzen Löcher umgelenkt würden. Offenbar konnten die Schwarzen Löcher in den Zentren der jungen Galaxien auch so große Mengen einfallender Materie verschlingen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: miha. Medien