Von Günter Paul
09. Mai 2008 Was sich dem Betrachter beim Blick in das Universum darbietet, ist nur einer von vielen Aspekten des Kosmos. Selbst die normale Materie, die aus Protonen, Neutronen und Elektronen besteht, verbirgt sich weitgehend dem Blick. Nur knapp die Hälfte ist in den Galaxien vereint.
Seit einigen Jahren glauben die Astronomen, dass der Rest in heißem, extrem dünnem Gas - Gas mit geringer Dichte - zwischen den Sternsystemen zu finden ist. Messungen mit dem europäischen Röntgenobservatorium XMM-Newton haben jetzt Gas, das die rechnerisch ermittelten Eigenschaften hat, in einer Materiebrücke zwischen zwei Galaxienhaufen entdeckt.
Normale Materie ist selten
Dass es im Universum nicht nur normale Materie gibt, erkennt man schon an der Rotation der Galaxien. Die speziellen Drehgeschwindigkeiten lassen sich nur erklären, wenn diese Sternsysteme auch Materie enthalten, die nicht sichtbar ist. Tatsächlich besteht der Kosmos zu etwa 23 Prozent aus Dunkler Materie. Die Dunkle Energie, die für die beschleunigte Expansion des Universums verantwortlich ist, macht sogar 72 Prozent aus. Für die normale Materie bleiben nur etwa fünf Prozent übrig.
Die bislang unentdeckt gebliebene und im Kosmos fein verteilte Hälfte der normalen Materie ist trotz ihrer hohen Temperatur, die sich vor allem durch Röntgenstrahlung bemerkbar machen sollte, außerordentlich schwer aufzuspüren.
Gasbrücke in 2,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung
Eine internationale Forschergruppe, an der auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik beteiligt waren, wurde fündig, als sie eine unter anderem mit Spektren nachgewiesene Gasbrücke zwischen den 2,3 Milliarden Lichtjahre von uns entfernten Galaxienhaufen Abell 222 und 223 studierte. Die Filamente erstrecken sich senkrecht zur Blickrichtung, so dass man mit dem Röntgenobservatorium gleichsam in sie hineinschauen konnte.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Foto Esa
