Weltraummüll

Schrott, so weit das Auge reicht

Von Günter Paul

Vollgemüllt: Die Schrott-Situation in niedrigen Erdumlaufbahnen

Vollgemüllt: Die Schrott-Situation in niedrigen Erdumlaufbahnen

19. April 2008 Seit im Herbst 1957 der erste Satellit in den Weltraum geschickt wurde, hat sich die unmittelbare Umgebung der Erde immer mehr mit solchen Trabanten, aber auch mit Weltraumschrott angefüllt. Zwar gibt es immer noch viele Höhenbereiche, in denen dieser Schrott – ausgediente Satelliten, entsorgte Handschuhe und Bolzen oder Explosionstrümmer – bislang kaum Auswirkungen hat. In anderen Höhen dagegen ist die Kollisionsgefahr nicht mehr ganz zu vernachlässigen. Die hier abgebildete Grafik beispielsweise zeigt die Schrott-Situation in niedrigen Erdumlaufbahnen.

Zur Zeit befinden sich etwa 6000 Satelliten und Raumsonden im Weltraum, darunter rund 400 jenseits der geostationären Bahn. Aber nur noch ungefähr 800 sind aktiv. Viel größer ist die Zahl der Schrottteilchen, die die Erde umkreisen. Von den mit Teleskopen sichtbaren Teilchen dürfte etwa die Hälfte bei rund 200 Explosionen erzeugt worden sein, die hauptsächlich durch Treibstoffreste verursacht wurden – und bei Kollisionen, deren Anzahl auf bislang allerdings höchstens zehn geschätzt wird.

Drei Kollisionen sind belegt

Momentan werden von der Erde aus ungefähr 12.000 mindestens fünf bis zehn Zentimeter große Schrottteilchen beobachtet, darunter etwa 2000, die von dem Abschuss eines chinesischen Satelliten im Januar 2007 stammen. Weil dieser knapp 900 Kilometer hoch flog, wird es Jahre dauern, bis sich die Teilchen der Erde durch Abbremsung in der Restatmosphäre so weit genähert haben, dass sie verglühen. Der Schrott vom Abschuss des amerikanischen Aufklärungssatelliten im Februar 2008, der sich nur noch in knapp 250 Kilometer Höhe befand, ist dagegen jetzt schon verschwunden.

Zu den beobachteten Schrottteilchen kommen derzeit bis zu 400.000 Teilchen mit mindestens einem Zentimeter Durchmesser, die man von der Erde aus nicht mehr erkennt, die bei Kollisionen aber dennoch größere Schäden anrichten können. Im Laufe der Zeit wird das Kollisionsrisiko deutlich steigen. Jetzt schon werden die Internationale Raumstation und einige größere Satelliten „zur Seite“ gelenkt, wenn eine Kollision droht. Allerdings sind erst drei Kollisionen tatsächlich zu belegen. 1991 schlug ein Trümmerteil auf einen ausrangierten russischen Kosmos-Satelliten. 1996 wurde der noch in Betrieb befindliche französische Satellit Cerise vom Fragment einer Ariane-1-Rakete getroffen. 2005 schließlich traf ein bei der Explosion einer chinesischen Raketenoberstufe im Jahr 2000 erzeugtes Trümmerstück eine ausrangierte amerikanische Raketenoberstufe.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Esa

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