Planetenbegriff

Flexibler Mond

Von Günter Paul

Der Mond: Auf dem Weg, ein Planet zu werden?

Der Mond: Auf dem Weg, ein Planet zu werden?

22. August 2006 An diesem Donnerstag will die Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union in Prag erstmals den Begriff „Planet“ definieren. Bislang verstand man darunter intuitiv - zumindest, was unser Sonnensystem angeht - eine überschaubare Anzahl von Objekten. Etwa die Hälfte von ihnen ist sogar mit bloßem Auge zu sehen, die Venus gelegentlich sogar gleißend hell. Dadurch ist diese Gruppe von Himmelskörpern nicht nur den Astronomen, sondern fast allen Menschen vertraut.

Mit dem Entwurf für die neue Definition, der in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, könnte sich da einiges ändern. Denn jetzt soll alles, was rund ist und die Sonne umkreist, zu den Planeten gerechnet werden, für den Rest der Sonnenbegleiter bleibt nur noch die Bezeichnung „Kleine Objekte im Sonnensystem“.

Kleinkarierte Ordnung

Wenn der Entwurf akzeptiert wird, muß man sich damit abfinden, daß demnächst die meisten Planeten selbst mit großen Fernrohren kaum noch zu sehen sein werden. Bei Objekten, die schon seit rund zweihundert Jahren bekannt sind, ist noch nicht einmal klar, ob sie die Planeten-Kriterien erfüllen. Offenbar soll kleinkarierte Ordnung die Fantasie ersetzen. Wem macht es eigentlich Spaß, einen Kometen, der leuchtend hell seinen Schweif über den Himmel zieht, nur noch als Kleines Objekt im Sonnensystem anzusprechen? Und werden Kometen künftig nach denselben Regeln wie Kleinplaneten benannt?

Auch der Plutomond Charon soll demnächst ein Planet sein, dem viel größeren Trabanten der Erde gönnt man diesen Status dagegen nicht. Offiziell, weil der Schwerpunkt des Erde/Mond-Systems innerhalb eines der beiden Himmelskörper - der Erde - liegt. Doch aufgepaßt! Gemäß dieser glorreichen Definition, die auf Unterschieden beruht, wird sich unser Mond, wenngleich erst in ferner Zukunft, von sich aus zu einem Planeten mausern.

Mond driftet von der Erde weg

Bei der Auswertung antiker Finsternisberichte haben die Astronomen entdeckt, daß die irdische Tageslänge nicht konstant ist. Vielmehr rotiert die Erde als Folge der Anziehungskräfte von Sonne und Mond und der Reibung, die mit den damit verbundenen Gezeiten einhergeht, immer langsamer. Dadurch entfernt sich der Mond - weil der Gesamtdrehimpuls des Systems erhalten bleiben muß - um einige Zentimeter pro Jahr von der Erde. Mit Lasermessungen ist das bestätigt worden.

Der Prozeß wird beendet sein, wenn die Erde gebunden rotiert, dem Mond also nur noch ein und dieselbe Seite zuweist. Der Mond ist dann so weit von der Erde entfernt, daß er für einen Umlauf etwa 47 Tage braucht - und der Schwerpunkt des Systems zwischen Erde und Mond liegt. Es wird zwar noch sehr lange dauern, bis dieser Zustand erreicht ist, und die Menschheit wird dann schon längst nicht mehr existieren. Aber dem Mond wird es eine späte Genugtuung sein, den Astronomen ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Text: G.P.
Bildmaterial: ddp

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