Astronomie

Astronom entdeckt tausendsten Soho-Kometen

Entdeckt: Soho-Kometen 999 und 1000

Entdeckt: Soho-Kometen 999 und 1000

19. August 2005 Tausend vorher unbekannte Kometen mit einem einzigen Observatorium aufzuspüren, das ist den Astronomen - unter ihnen viele Amateurastronomen - jetzt erstmals gelungen. Damit hat sich die Zahl der beobachteten Schweifsterne innerhalb von knapp zehn Jahren insgesamt verdoppelt.

Seit ungefähr zwei Wochen haben die Kometenjäger mit Spannung darauf gewartet, daß die Entdeckung des tausendsten Objekts durch das europäisch-amerikanische Sonnenobservatorium Soho („Solar and Heliospheric Observatory“) bekanntgegeben würde. Nun steht der erfolgreiche Amateur, dem der Fund gelungen ist, fest: Toni Scarmato, ein Hochschullehrer aus San Constantino di Briatico in der süditalienischen Provinz Kalabrien, der an der Universität Bologna studiert hat, bemerkte am 5. August auf einem Foto der Sonnenumgebung im Internet, das von dem Weltraumobservatorium aufgenommen worden war, die Soho-Kometen Nummer 999 und 1000. Er will sie seiner Frau Rosy und seinem Sohn Kevin widmen - als Ausgleich für die Zeit, die er mit der Suche nach Kometen auf Soho-Fotos beschäftigt war.

Fragmente aus der Kreutz-Gruppe

Für die beiden Kometen mußte zunächst sichergestellt werden, daß sie tatsächlich vorher unbekannt waren, wodurch sich die zwei Wochen Verzögerung in der Bekanntgabe erklären. Sie gehören zur sogenannten Kreutz-Gruppe - kleinen, aus Staub und Eis bestehenden Himmelskörpern, deren Bahnen bis auf 800.000 Kilometer an die Sonne herankommen. Die meisten dieser Objekte haben nur wenige Dutzend Meter Durchmesser und sind deshalb normalerweise gar nicht zu sehen. Mit Soho erkennt man sie, weil sie in der Nähe der Sonne und somit im Blickfeld des Observatoriums Gas und Staub verlieren und die daraus entstehende Wolke hell leuchtet.

Daß es sich bei den vielen Objekten um die Fragmente eines einzigen besonders großen Kometen handelt, hat im 19. Jahrhundert der Kieler Astronom Heinrich Carl Friedrich Kreutz herausgefunden, nach dem sie benannt worden sind. Zu den größeren Fragmenten dieses Himmelskörpers gehören unter anderen die sogenannten Großen Kometen, die 1843 und 1882 die Aufmerksamkeit der Menschen erregten, und der Komet Ikeya-Seki, der 1965 hell am Nachthimmel leuchtete. Die Astronomen schätzen, daß der Mutterkörper hundert Kilometer Durchmesser gehabt haben könnte.

Text: G.P. / F.A.Z., 19.08.2005, Nr. 192 / Seite 8
Bildmaterial: Nasa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Vergleichen Sie jetzt online die Leistungen verschiedener privater Krankenversicherungen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche