Fußball-Weltmeisterin Renate Lingor

„Definitiv mein letztes Pokalendspiel in Berlin“

21. April 2008 Auf dem Pokalpodest im Berliner Olympiastadion konnte die 32 Jahre alte Frankfurterin Renate Lingor noch stehen. Nach der Saison beendet die Fußballspielerin ihre Karriere, wie sie im folgenden Interview sagt.

Frau Lingor, wie geht es Ihnen?

Nicht so toll. Die Schmerzen sind gerade nicht so schlimm, ich muss abwarten, wie das nach der Operation in dieser Woche sein wird. Aber ich sorge mich um meine Fitness, hoffe, durch die Verletzung nicht den Anschluss zu verlieren.

Sie haben beim DFB-Pokalendspiel in Berlin eine Schultereckgelenksprengung erlitten, vorher einen Elfmeter verschossen. Haben Sie so einen schlechten Tag vorher schon mal erlebt?

Noch nie. Mit verschossenen Elfmetern habe ich nicht so viel Erfahrung. Aber der Brasilianerin Marta passiert das ja auch. Aber viel schlimmer ist für mich natürlich die Verletzung.

Konnten Sie sich trotzdem freuen über den Erfolg?

Ich habe mir diese Feier anders vorgestellt. Immerhin war die Verletzung nicht so schlimm, dass ich direkt in das Krankenhaus musste. Ich konnte mit den anderen auf dem Podest stehen – das war wichtig für mich. Es war ja definitiv mein letztes Pokalendspiel in Berlin. Da will man natürlich bei der Siegerehrung dabei sein.

Sie beenden am Ende der Saison Ihre Karriere?

Ja.

Wann haben Sie sich dazu entschlossen?

Für mich stand diese Entscheidung bereits länger fest, ich wollte es nur nicht so hinausposaunen. In mir war der Gedanke schon lange da. Es war einfach keine leichte Saison für mich. Direkt nach der WM habe ich mich verletzt, danach hatte ich einen sehr schweren Stand im Verein, da wurde nicht mehr immer auf mich gebaut. Das war frustrierend. Eigentlich ist das die katastrophalste Saison, die sich eine Spielerin in ihrer Abschiedstournee vorstellen kann.

Aber Sie haben trotzdem immer wieder von den Olympischen Spielen geträumt. Haben Sie jetzt Angst, das Turnier zu verpassen?

Ja, auf jeden Fall. Aber es gibt derzeit viele Leute, die mir Hoffnung machen. Ich habe viele Anrufe bekommen. Wir werden schon die richtige Therapie finden, damit ich bei Olympia spielen kann. Aber es wird ein hartes Stück Arbeit.

Haben Sie schon mit Bundestrainerin Silvia Neid gesprochen?

Natürlich. Sie soll wissen, wie es mir geht. Silvia hat mir gesagt, dass es sehr schwer wird. Es fliegen nur sechzehn Spielerinnen mit nach China – und deshalb hat die Bundestrainerin noch mal betont, dass sie niemanden mitnehmen möchte, der nicht richtig fit ist.

Was wünschen Sie sich gerade?

Ich wünsche mir, dass die Verletzung schnell heilt. Und ich will zu Olympia. Aber ich möchte nicht einfach nur dabei sein – ich will mein bestes Turnier spielen.

Die Fragen stellte Michael Wittershagen



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa, Hagmann; Roger

 
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