Olympia

Treten, kratzen und ziehen für Peking

Von Bernd Steinle

02. Mai 2008 Klar ist das ein Traum. Eine olympische Medaille. Lange Zeit schien dieser Traum für Angela Maurer unerreichbar. Nicht weil sie, wie wohl die meisten Menschen, als Schwimmerin nicht schnell genug gewesen wäre. Angela Maurer war Weltmeisterin über 25 Kilometer, in der vergangenen Saison gewann sie den Weltcup der Freiwasserschwimmer schon zum dritten Mal. Olympia blieb trotzdem in weiter Ferne. Denn für die Freiwasserschwimmer galt bisher stets: Wir müssen draußen bleiben.

Jetzt, in diesem August, wird alles anders. Bei den Olympischen Spielen in Peking wird es auf der 10-Kilometer-Strecke erstmals um olympische Medaillen gehen. Und für Angela Maurer, 32 Jahre alt, geboren in Wiesbaden und aktiv für die SG Rheinhessen-Mainz, könnte ein sportlicher Traum in Erfüllung gehen.

„Einen Schritt nach dem anderen“

Doch solchen Gedanken will sich Angela Maurer im Moment noch gar nicht hingeben. „Einen Schritt nach dem anderen“ will sie auf dem Weg nach Peking tun, und der nächste steht nun erst mal an diesem Samstag in Sevilla (Spanien) an. Dort steigt bei der Freiwasser-WM auf dem Rio Guadalquivir das Rennen über die olympische Distanz, die 10 Kilometer. Die ersten zehn, die in Sevilla das Ziel erreichen, dürfen sicher zu den Spielen nach Peking reisen.

„Hauptziel ist die Qualifikation“, sagt Angela Maurer, „das zählt. Mit einer Medaille will ich mich da nicht zusätzlich unter Druck setzen.“ Zumal die Sache mit den Top Ten schon „schwer genug wird“. Angesichts der neuen Perspektive Peking versuchen zahlreiche Beckenschwimmer ihr Olympia-Glück auf der langen Strecke. Viele der neuen Gesichter sind bei den Freiwasserschwimmern bisher kaum in Erscheinung getreten und daher in ihrer Leistungsstärke schwer einzuschätzen.Sicher ist nur eins: Es wird eng werden in Sevilla. In jeder Hinsicht. Eng, weil es jede Menge Anwärterinnen auf die zehn Olympia-Plätze gibt, Russinnen, Amerikanerinnen, Australierinnen, Britinnen. Und natürlich die Dauergegnerin aus dem eigenen Team, die Rostockerin Britta Kamrau-Corestein, mit der sie, so Angela Maurer, eine „gesunde Rivalität“ verbinde. „Wir pushen uns gegenseitig“, sagt sie, auf diese Weise profitierten sie beide von der Konkurrenzsituation.

Eng wird es aber auch, weil auf der Ruderstrecke in Sevilla mehr als fünfzig Schwimmerinnen an den Start gehen werden. „Das wird ein richtiges Gewühl“, sagt Angela Maurer. Mit allen negativen Begleiterscheinungen: hauen, schlagen, kratzen, ziehen. Angesichts der Bedeutung des Rennens, glaubt Angela Maurer, könnte manche Widersacherin versucht sein, sich mit unfairen Mitteln einen Vorteil zu verschaffen. Erfahrungen damit hat sie zur Genüge gemacht. Bei der WM 2007 in Melbourne wurde geknüppelt und gekniffen wie noch nie. Im 25-Kilometer-Rennen seien damals kurz vor Schluss erst eine Amerikanerin und dann eine Russin „einfach über mich drübergeschwommen. Die haben mich richtig versenkt.“ Angela Maurer landete am Ende auf Platz vier.

„Will mich sportlich durchsetzen und nicht die Leute verprügeln“

In Sevilla setzt sie nun darauf, dass die Schiedsrichter wie angekündigt mehr Wachsamkeit zeigen werden. „Aber es ist natürlich schwer, in einem Pulk zu sehen, was sich unter dem Wasser abspielt.“ Wenn es hart auf hart geht, will sie sich wehren, zugleich aber kein Risiko eingehen, disqualifiziert zu werden. „Ich will ein faires Rennen machen“, sagt Angela Maurer, „ich will mich ja sportlich durchsetzen und nicht die Leute verprügeln.“

So oder so: Angela Maurer hat an diesem Samstag in Sevilla ein aufregendes Rennen vor sich. „Diese WM wird schwieriger als das Rennen bei den Olympischen Spielen“, sagt sie. Vor allem wegen des großen Starterfelds: In Peking werden mit 25 Langstrecklerinnen weniger als halb so viele Athletinnen ins Wasser gehen wie in Sevilla. Das schafft mehr Platz für die Schwimmerinnen und macht die Sache übersichtlicher für die Schiedsrichter. Anders als am Samstag in Sevilla. Dort erwarten Angela Maurer intensive 10 Kilometer. „Das wird der Hammer werden.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

Kultusminister Banzer korrigiert den Kurs seiner Vorgängerin Wolff - was ist davon zu halten?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche