Reitsport

Mit dem Renn-Verein zurück in die Zukunft

Von Richard Becker

Galopprennbahn Niederrad: Neustart in diesem Jahr

Galopprennbahn Niederrad: Neustart in diesem Jahr

07. Januar 2009 Der alte geht, der neue kommt: Während der Renn-Klub Frankfurt sich wegen fehlender finanzieller Mittel selbst unter das Insolvenzrecht gestellt hat, haben andere gehandelt, um den Fortbestand der Pferderennen auf der Galopprennbahn in Niederrad abzusichern. Mitte Dezember hat sich in einer Frankfurter Kanzlei ein neuer Verein konstituiert und sich den Namen „Renn-Verein Frankfurt am Main“ gegeben. Sieben Leute verlangt das Vereinsrecht, um einen neuen Klub gründen zu können. Bei dieser Sitzung sind es sogar elf Personen gewesen, denen die Rennen in Frankfurt derart am Herzen liegen, dass sie ihren Fortbestand umgehend in einer Satzung verankert und die dafür nötigen Spitzenposten verteilt haben.

An die Spitze des neuen Vereins wurde Peter Schwierz berufen, der als Besitzer selbst an einem Rennstall beteiligt ist. Zu seinen Stellvertretern wurden der Veterinärmediziner, Besitzer und Züchter Stephan Eversfield (Gestüt Am Schlossgarten) und Bruno Faust (Gestüt Karlshof) gewählt. Als Schatzmeister fungiert Klaus Bert, Christiane Weil-Daßbach (Gestüt Etzean) und Enno Reepen stehen in der Funktion des Beisitzers.

Notwendige Renovierungen

Als eigentlicher Initiator der Neugründung gilt Manfred Hellwig, der in Frankfurt und Bad Homburg seine Geschäfte betreibt. Hellwig ist darüber hinaus Eigner des Gestüts Höny-Hof im nordhessischen Oberaula. Ein Notar ist beauftragt, den Renn-Verein im Registergericht eintragen zu lassen. Gespräche unter Leitung von Hellwig mit den Vertretern der Stadt, der Eigentümerin des Geländes zwischen Schwarzwaldstraße und Kennedyallee, stehen unmittelbar bevor. Ebenso die Termine mit der Insolvenzverwalterin Hildegard Hövel, die das Insolvenzverfahren des alten Renn-Klubs Ende Januar eröffnen wird. Die Termine für sieben Renntage hatte der alte Klub vorsichtshalber noch beim Dachverband in Köln beantragt, bevor er sich in die Insolvenz verabschiedete. Politische Rückendeckung erhält der neue Klub vor allem von den FDP-Politikern Franz Zimmermann und Dirk Pfeil. Geschäftsführer des neuen Vereins wird Günter Gudert, der in selber Funktion jahrelang beim Veranstalter des Deutschen Derbys, des Hamburger Renn-Clubs, aktiv gewesen war, bevor er sich mit wichtigen Personen des Hamburger Clubs überwarf.

Mit der Gründung des nun bar aller Schulden startenden neuen Vereins hat sich vor allem Oberbürgermeisterin Petra Roth durchgesetzt. Sie hatte sich dem Ansinnen von Renn-Klub-Präsident Günter Paul widersetzt, von den vom chinesischen Investor des Rennbahnhotels für die Sanierung des Geländes bereitgestellten drei Millionen Euro 300.000 Euro zur kurzfristigen Überwindung der schlimmsten Not abzuzweigen. Über die drei Millionen darf nun der neue Klub verfügen, um dringend notwendige Renovierungen an Bahn und Bauten vorzunehmen. Die Absage an Paul gipfelte in dem ausdrücklichen Bekenntnis von Petra Roth zu den seit immerhin 1863 ausgetragenen Pferderennen in Frankfurt – was einer anderen Gruppe, die beim Wegfall der Rennen den Golfplatz großzügig erweitern wollte, gar nicht gefiel. Pikant an der Personalie Hellwig ist zudem die Fehde Hellwigs mit Paul, die noch aus Zeiten gemeinsamer Arbeit in der deutschen Besitzervereinigung stammt.

Angespannten Lage

Als Paul und seine Mitstreiter vor rund zehn Jahren ihre Ämter in Niederrad antraten, standen sie vor einem Berg von Schulden. Nur dank der Unterstützung der Stadt und der Frankfurter Sparkasse, die Pachteinnahmen und Tilgung über Jahre hin stundeten, konnten Rennen veranstaltet werden, darunter etliche auf hohem europäischen Niveau. Paul und sein Vizepräsident Reinhold Wolfermann erreichten in den Verhandlungen mit dem chinesischen Hotel-Investor, dass dieser vier Millionen Euro bereitstellte, um die Altschulden des Klubs abzutragen und zusätzlich drei Millionen lockermachte. „Deswegen hat uns die Entscheidung der Stadt, die so lange Geduld mit uns hatte, gerade zu diesem Zeitpunkt sehr überrascht“, sagt Paul, der anschließend keine Wahl mehr hatte und den Klub unter das Insolvenzrecht stellen ließ. Der neue Verein wird zwar schuldenfrei beginnen, doch angesichts der angespannten Lage, in der sich der gesamte deutsche Galopprennsport befindet und der seit Jahren heftig um eine Strukturreform ringt, wird es nicht gerade leicht werden, von der Rennbahn wieder positive Signale auszusenden. Immerhin lockt ein Ziel: In vier Jahren könnte das Jubiläum 150 Jahre Pferderennen in Frankfurt gefeiert werden. Die Zeit bis dahin ist kurz, aber der Weg ungemein lang.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann

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