03. November 2005 Natürlich spielen sie zur Not auch im Regen Fußball. Doch am liebsten haben es die Profis der Frankfurter Eintracht, wenn sie ein Dach über dem Kopf haben. Eines also, das verschlossen ist und dicht hält. So wie zuletzt die Konstruktion in der Commerzbank-Arena. Zwanzig Millionen Euro hat sie gekostet, so manche Panne im Confederations-Cup-Finale und im Liga-Alltag gegen Schalke erlebt. Und gegen Arminia Bielefeld soll sie wieder zum Einsatz kommen.
Was sich nach einer Selbstverständlichkeit anhört, hat so seine Tücken. Wie schon berichtet, darf das Dach vom 1. November bis zum 1. April nicht geschlossen werden. Der Grund ist einfach und plausibel: Es liegt keine Betriebserlaubnis vor. Weil aber die Eintracht, bestärkt durch die jüngsten spektakulären Heimerfolge gegen Köln (6:3) und Schalke (6:0) - allesamt unter Dach herausgeschossen - auf keinen Fall auf dieses Erlebnis verzichten will, hat sie eine Sondergenehmigung beantragt. "Die Sache ist ganz klar", sagt Trainer Friedhelm Funkel. "Mir ist ein geschlossenes Dach natürlich viel lieber. Gerade zu Hause müssen wir jeden Vorteil nutzen." Vorteil Dach gleich Vorteil Eintracht? Dieser Formel kann Funkel etwas abgewinnen, nicht nur der beiden letzten Heimsiege wegen. Seine Beobachtung während des Pokaltriumphs gegen Schalke: "Das war eine gigantische Stimmung, als wären 60 000 im Stadion." Tatsächlich aber waren es nur 33 000 Zeugen des phänomenalen 6:0.
Die Mannschaft ist heiß
Kein Zweifel: Wenn die Eintracht ein Dach über dem Kopf hat, herrscht dichtere, intensivere Atmosphäre in der Fußball-Arena. Und genau auf diesen Stimmungseinfluß setzt Funkel. Schließlich gilt es, am Samstag (15.30 Uhr) einem Gegner zumindest auf Augenhöhe zu begegnen, der zuletzt durch vier Pflichtspielsiege in fünf Begegnungen für reichlich Aufsehen gesorgt hat. "Das ist eine gute Mannschaft", urteilt Funkel. "Die wollen genauso wie wir in der Bundesliga bleiben und den Klassenerhalt schaffen." Daß die Arminia, gestählt durch die beiden Siege gegen Hertha BSC und Hannover 96 und den damit verbundenen Gewinn von bislang fünfzehn Punkten, irgendwie abheben könnte, hält der Frankfurter Trainer für ausgeschlossen. "Mein Kollege Thomas von Heesen schätzt die aktuelle Situation genauso realistisch ein, wie ich es hier in Frankfurt tue." Daß die Ostwestfalen "auf jeden Fall einen Lauf haben und von der Geschlossenheit leben", ist Funkel nicht verborgen geblieben. Gleichwohl sagt er auch, "daß wir alles tun werden, um dieses Spiel zu gewinnen. Die Mannschaft ist heiß."
Für entsprechende Wärmegrade soll also auch und vor allem ein geschlossenes Dach sorgen. Ob das Begehren der Eintracht Widerhall findet, wird sich an diesem Freitag weisen. Um zehn Uhr ist ein entsprechendes Treffen in der Commerzbank-Arena geplant. Funkels Hoffnung: "Man sollte die Bürokratie Bürokratie sein lassen und situationsbedingt entscheiden."
Der Schlüssel zum Erfolg
Stichwort Bürokratie: Eben weil für das zwanzig Millionen Euro teure Dach für die kommenden fünf Wintermonate bis zum April keine Betriebserlaubnis vorliegt, mußte vor wenigen Tagen der Schlüssel für die Computersteuerung des Schließmechanismus abgegeben werden. Seitdem liegt er sicher in einem Safe. Die von Finanzvorstand Thomas Pröckl angeführte Eintracht-Gruppe hofft, daß dieser kleine Schlüssel wieder zum Einsatz kommt. Für das wichtige und schwere Heimspiel gegen Bielefeld soll dies der Schlüssel zum Erfolg sein.