04. Mai 2007 Jürgen Emig, der frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks, soll auch beim Radklassiker Rund um den Henninger-Turm“ illegale Nebengeschäfte getätigt haben. Der Vorwurf ist Teil der vorgestellten Anklage gegen den 61 Jahre alten Journalisten. Insgesamt rund 225.000 Euro habe er in den Jahren 2001 bis 2004 allein dafür erhalten, dass er Sponsoren bei den meist von ihm moderierten Fernsehübertragungen auf der Strecke zwischen Sachsenhausen und dem Taunus besonders zur Geltung habe kommen lassen.
Auf rund 615.000 Euro beziffert die Staatsanwaltschaft die Gesamtsumme der inkriminierten Nebeneinkünfte des vor allem als Radsportexperte bekannt gewordenen Fernsehjournalisten, der von 1987 bis zu seiner Suspendierung im März 2004 die Sportredaktion des HR leitete.
Absprachen für Rund um den Henninger-Turm
Wie berichtet, wird Emig, der über eine Marketingagentur seiner Frau stark an den Zuschüssen für die Übertragungen mitverdient haben soll, unter anderem der Untreue zu Lasten seines Senders, des Betruges zum Nachteil von Sportveranstaltern und der Bestechlichkeit beschuldigt. Aufgelistet werden rund 60 Sendungen aus den Jahren 2000 bis 2004.
Mitangeklagt ist der frühere Präsident des Deutschen Tanzsportverbandes, Harald Frahm, der durch die Straftaten rund 300.000 Euro erlangt habe. Er hatte Anfang 2000 zusammen mit Emigs Ehefrau die Agentur gegründet. Sie war laut Staatsanwalt Michael Loer auch bei den Absprachen für Rund um den Henninger-Turm“ zwischengeschaltet. Derzeit wird noch darüber verhandelt, ob das Ermittlungsverfahren gegen Emigs Frau per Strafbefehl beendet werden kann. Auf Vermittlung Emigs sei Frahm 2002 in Kontakt mit dem damaligen Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks, Wilfried Mohren, gekommen. Gegen Schmiergeldzahlungen von insgesamt rund 30.000 Euro habe Mohren von der Agentur produzierte Sendungen ins Programm genommen.
Die Strafverfolger haben mehr als zwei Jahre lang das auch beim HR Ende der neunziger Jahre eingeführte System der Beistellungen“ durchforstet. Dabei muss, wer seine Randsportart“ ins Fernsehen bringen will, Sponsoren zur Mitfinanzierung finden. Emigs Bemühungen, den knappen Etat der Sportredaktion dergestalt anzureichern, galten an der Bertramswiese einige Jahre als vorbildlich. Jedoch gibt es laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise darauf, dass die Verantwortlichen des Senders von den illegalen Machenschaften Emigs gewusst haben.
HR will eine Million Euro Regress fordern
Der Vorwurf gegen Emig und Frahm lautet, sie hätten den Sportveranstaltern suggeriert, der Weg ins Fernsehen führe nur über die Agentur. Tatsächlich wären auch Verträge unmittelbar mit dem HR möglich gewesen, die Zahlungen hätten inklusive der abgezweigten Provision allein diesem zugestanden.
Den Schaden für die Veranstalter schätzen die Ermittler auf insgesamt 290.000 Euro, für den HR auf 235.000 Euro. Der Sender hat im Arbeitsprozess um die fristlose Kündigung Emigs angekündigt, er werde von seinem früheren Sportchef eine Million Euro Regress fordern. Die Diskrepanz erklärt sich laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu, womöglich dadurch, dass die Anklage aus prozessökonomischen Gründen nicht alle Fälle der möglichen illegalen Co-Finanzierung einbezieht.
Text: F.A.Z.
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