Von Lukas Bay
04. Oktober 2007 Der innere Schweinehund mag keine weiten Wege. Wer nach acht Stunden Arbeit erschöpft nach Hause kommt, geht nur dann trainieren, wenn das Studio direkt um die Ecke liegt. Das meint zumindest die Mehrzahl aller Befragten in einer Studie der Wirtschaftsprüfer Deloitte. Demnach ist die Nähe zur eigenen Wohnung das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines Fitnessstudios.
Doch selbst ein Übungsraum in der Nähe macht keinen Spaß, wenn die Sportgeräte veraltet und die Trainer inkompetent sind. Es sind vor allem Details wie Trainingszeiten, Ausstattung und Service, die Einfluss auf die Zufriedenheit haben.
Kieser Training: Unter fachlicher Aufsicht
Wer sich auf dem Markt umsieht, muss zunächst einmal entscheiden, ob er bei einer Kette oder einem Einzelstudio trainieren möchte. Ketten lohnen sich vor allem für Menschen, die viel unterwegs sind und in jeder Stadt ihr Fitnessstudio nutzen möchten. Die Angebote sind meist standardisiert. Einzelstudios sind auf dem Land verbreiteter und haben meist eine deutlich privatere Atmosphäre. Dann stellt sich die Frage nach der Kategorie.
Vom einfacheren Discount-Fitnessstudio bis zum Fünf-Sterne-Wellnesstempel ist auch in Frankfurt alles möglich, aber nicht immer alles nötig. Entscheidend ist, was der Sportler will. Reicht eine knappe Einweisung, oder wünscht er eine individuelle Betreuung? Möchte er Kurse und Wellness? Und wenn ja, welche Kurse? Zu bedenken gibt es auch dies: Wer seinen Bierbauch wegtrainieren will, braucht Stepper und Laufband. Wer Wert auf einen prallen Bizeps legt, ist mit Zugmaschinen besser bedient.
Kieser Training zum Beispiel legt Wert auf das medizinische Krafttraining – individuell ausgearbeitet und unter fachlicher Aufsicht. In den drei Studios in Frankfurt gibt es keinen Fernseher, keine Hintergrundmusik, keine Ausdauergeräte, keine Saftbar und Sauna. Nichts soll vom Wesentlichen, dem Krafttraining, ablenken. Einige der zertifizierten Trainingseinheiten werden sogar von privaten Krankenkassen übernommen. Preislich liegt Kieser im Mittelfeld. Kunden – sie sind im Durchschnitt 46 Jahre alt – zahlen in der Regel rund 37,50 Euro im Monat.
Fitness Company: Kraftsport und Wellness
Als Allrounder mit verschiedenen Kategorien (Business, Premium, Ladies, Lifestyle) möchte die Fitness Company punkten. Mit demnächst neun Studios in Frankfurt ist die Kette der größte Anbieter in der Stadt. Die Tochter des Weltmarktführers Fitness First setzt auf eine Mischung aus Fitness und Wellness. In zwei Studios in Frankfurt (Zeil, Karl-von-Drais-Straße) gibt es ein Schwimmbad. Und wer an die Hand genommen werden möchte, kann für 30 bis 80 Euro pro Stunde einen persönlichen Trainer buchen.
Das Frankfurter Unternehmen Mainhattan Sports bietet unter dem Namen Amiga in fünf seiner sechs Anlagen spezielles Training für Frauen an. Außer einer überdurchschnittlichen Anzahl von 30 Kursen wie Pilates und Yoga je Studio gibt es Kosmetik- und Massageangebote. Vom eingeschränkten Vormittagstraining bis zum All-inclusive-Paket schwanken die Monatspreise zwischen 19 und 74 Euro.
Auf einen niedrigen Preis und auf die junge Zielgruppe konzentriert sich der Discounter McFit. Für rund 17 Euro im Monat dürfen alle Studios deutschlandweit mitbenutzt werden – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Das Studio in Frankfurt-Griesheim liegt etwas abseits, bietet aber alle Geräte, die für Ausdauer- und Krafttraining nötig sind. Auf Wellness wird komplett verzichtet. Trainer gibt es nur wenige, dafür können die Kunden an speziellen Terminals ihren individuellen Trainingsplan zusammenstellen.
Turnen im Verein
Der Personal Trainer ist Vergangenheit“, sagt Rainer Schaller, Geschäftsführer von McFit. Das Terminal-Programm haben Physiotherapeuten, Sportmedizinern und Ökotrophologen entwickelt. Es nimmt auch Rücksicht auf körperliche Schwächen. Die Trainer helfen nur noch dabei, dass die angegebenen Übungen korrekt ausgeführt werden.
Um die richtige Wahl zu treffen, ist es in jedem Fall ratsam, sich das Studio vor einem Vertragsabschluss genau anzusehen und eine Checkliste von Fragen abzuarbeiten: Ist das Studio auch zu den Zeiten geöffnet, an denen ich trainieren will und kann? Wie lange läuft ein Vertrag, und kann ich ihn jederzeit kündigen? Wie viel kostet die Mitgliedschaft inklusive Gebühren wirklich? Und: Ist das Publikum nach meinem Geschmack? In aller Regel bieten Studios ein Probetraining gratis an. Das reicht aber meistens nicht aus, um alle Fragen beantworten zu können. In vielen Studios ist es daher möglich, das Angebot gegen einen geringen Betrag für einige Wochen zu testen und sich hinterher zu entscheiden. Wer sichergehen will, sollte mehrere Studios unter die Lupe nehmen.
Als Alternative zu den großen Ketten bieten viele Vereine inzwischen Fitnessstudios an. So auch die Turngemeinschaft Bornheim. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft im Verein. Sie kostet neun Euro im Monat. Schon für diesen Betrag kann das Vereinsmitglied aus rund 120 Sportkursen auswählen. Mitglieder, die zudem die zwei Fitnessstudios des Vereins nutzen möchten, zahlen einen Aufpreis von 30 Euro im Monat. Grundsätzlich gilt: Wer günstig trainieren will, sollte vor allem in den Sommermonaten verhandeln. Fitnessstudios leiden dann unter chronischer Mitgliederschwäche und lassen beim Preis mit sich handeln.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Michael Kretzer