Deutsches Turnfest in Frankfurt

Nicht bloß ein Event

Von Rainer Brechtken

Balanceakt: Breitensportler und Spitzenkräfte wie Fabian Hambüchen (Bild) sollen gleichermaßen auf ihre Kosten kommen

Balanceakt: Breitensportler und Spitzenkräfte wie Fabian Hambüchen (Bild) sollen gleichermaßen auf ihre Kosten kommen

27. Mai 2008 Noch zwölf Monate Vorbereitung – dann startet am 30. Mai 2009 das Internationale Deutsche Turnfest in Frankfurt am Main. „Ein Turnfest in einer internationalen Großstadt wie Berlin oder Frankfurt verbindet den Charme, die Dynamik und die Athletik einer wunderbaren Sportart mit der Urbanität einer Metropole – das erzeugt eine ganz einzigartige Stimmung und öffnet diesen Sport für weite Kreise der Gesellschaft“, rief Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth unter dem Eindruck der imposanten Stimmung bei der Stadiongala 2005 im Berliner Olympiastadion auf, die Brücke zu schlagen von Berlin nach Frankfurt am Main 2009.

Die Einschätzung der Frankfurter Oberbürgermeisterin bringt es auf den Punkt: Ein Internationales Deutsches Turnfest ist nicht vergleichbar mit einem „Event“ wie ein Fan-Fest mit Public Viewing beim Fußball. Ein Turnfest ist in der Lage, mit seinen 80.000 und mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine ganze Stadt oder Region in Begeisterung und Ausgelassenheit mitzureißen. Im Gegensatz zu dem „passiven“ Konsumcharakter eines Fan-Festes zeichnet sich ein Turnfest aus durch Aktivität, Bewegung und Mitmachen.

Unvergessliches Gemeinschaftserlebnis

Inhaltlich-programmatisch wollen wir diesem spezifischen Charakter des Turnfestes auch 2009 gerecht werden und für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis ermöglichen. Die Voraussetzungen dafür sind in Frankfurt bestens gegeben. Ein „Fest der Turnkultur“ wollen wir bieten, darauf haben wir uns früh in der Vorbereitung mit den Führungskräften des Hessischen Landesturnverbandes verständigt.

Unter „Turnkultur“ verstehen wir dabei die gesamte Vielfalt der Angebote und Leistungen unserer über 20.000 Turnvereine und Turnabteilungen, die wir in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rücken wollen. Dazu gehört auch der immense soziale und gesundheitspolitische Beitrag, der durch bürgerliches Engagement in unseren Vereinen für die Gesellschaft insgesamt geleistet wird. Das Turnfest in Frankfurt soll somit zur Demonstration einer aktiven Lebensweise in unserer Gesellschaft werden.

Im Mittelpunkt werden die Marken der Turnbewegung stehen: „Kinderturnen“, „Turnen“ und „Gymwelt“. Mit diesen Marken wollen wir öffentlich deutlich machen, wo wir unsere Kerngeschäftsfelder und unsere fachliche Kompetenz im organisierten Sport sehen. Sie werden in allen Programmangeboten des Turnfestes sichtbar werden: beim Fest für Kinder aus der Region, bei den Meisterschaften und Wettkämpfen, bei den Shows und Vorführungen, der Turnfest-Akademie als größter Fortbildungseinrichtung sowie bei der Präsentation in den Messehallen.

Motto des Turnfestes: „Wir schlagen Brücken“

Wir freuen uns, mit unseren nationalen und internationalen Gästen des Turnfestes in einen Dialog über unsere Auffassung von einer aktiven Lebensweise eintreten zu können. Nicht zuletzt heißt das Motto des Turnfestes vieldeutig „Wir schlagen Brücken“. Zum einen als turnerisches Übungsgut, im übertragenen Sinn zur Bevölkerung in Frankfurt, zu unseren ausländischen Gästen, von der Stadt in die Region und natürlich auch vielfach über den Main.

Jedes Turnfest bietet als Gemeinschaftserlebnis in der jeweiligen Turnfeststadt sein eigenes Profil. Kennzeichnend für Leipzig 2002 beispielsweise war die familiäre Atmosphäre des Turnfestes durch die herzliche Anteilnahme der gesamten Stadt und die Nutzung der attraktiven Leipziger Innenstadt für Turnfest-Veranstaltungen. Die Attraktivität von Berlin 2005 ergab sich durch das Flair der Hauptstadt, die Entwicklung der Stadt in den vergangenen Jahren sowie die Vielfalt der Lebenskultur in der Stadt.

Welches Profil wird Frankfurt 2009 bieten? Die Stadt zeichnet sich aus durch einen attraktiven, überschaubaren Stadtkern und einen nahtlosen Übergang ins Umland, die Rhein-Main-Region. Frankfurt präsentiert sich als geschäftige Metropole der Finanzwelt mit vielen Nationalitäten im täglichen Stadtbild, aber auch überraschend vielen Oasen mit Ruhe und Natur mitten in der Stadt.

Turnfest der kurzen Wege

Und es mag für manchen überraschend klingen: Frankfurt bietet uns ein Turnfest der kurzen Wege. Die Messe mit der Festhalle als zentraler Veranstaltungsort ist fußläufig vom Hauptbahnhof erreichbar, das Rebstockgelände ist in der Nachbarschaft, und von der Messe zur Innenstadt mit den Einkaufsstraßen, der Paulskirche, Römerberg und dem Mainufer ist es ebenfalls nicht weit.

In Frankfurt wurde 1983 als Premiere die „Festmeile“ als Öffnung des Turnfestes für die Bevölkerung eingeführt. Sie wurde aus dem Stand zu einem Erfolg, nicht zuletzt dank der örtlichen Bedingungen der kurzen Wege. „Die ganze Stadt ist ein Turnfest“, berichtete die Presse seinerzeit mit leichtem Staunen.

So bietet auch Frankfurt 2009 wieder Gelegenheit für ein familiäres Turnfest in der Innenstadt mit dem attraktiven Mainufer vor der imposanten Kulisse der Bankentürme. „Ein Fest für alle, ein Fest für jeden Einzelnen“, resümierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 4. Juli 1983 über das letzte Frankfurter Turnfest. Ein solch positives Fazit stelle ich mir auch für Frankfurt am Main 2009 vor.

Der Autor dieses Beitrags ist Präsident des Deutschen Turner-Bundes.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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