Sport

FSV-Stadion wird Volksbank-Arena

Von Jörg Daniels

07. Juni 2006 Wider Erwarten ist der FSV Frankfurt in der Fußball-Oberliga Hessen zum bedauernswerten Nichtaufsteiger geworden. Am Himmelfahrtstag verspielten die Bornheimer im Endspiel gegen Hessen Kassel durch die unglückliche 0:1-Heimniederlage die lange sicher geglaubte sportliche Beförderung in die Regionalliga Süd. Beinahe hätten sie deshalb auch wirtschaftlich einen schlimmen Tiefschlag hinnehmen müssen. Wäre nicht die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth gewesen. Sie habe „uns bekniet, die Partnerschaft mit dem FSV trotz des Verbleibs in der Oberliga doch einzugehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, Hans-Joachim Tonnellier, und fügte - ganz Gentleman - hinzu: „Wer kann das schon ablehnen bei so viel Charme der Oberbürgermeisterin.“

Vom ersten Juli an hat die Bank vorerst für drei Jahre die Namensrechte am FSV-Stadion vom Verein erworben. Die traditionsreiche Spielstätte heißt in Zukunft nicht mehr Stadion am Bornheimer Hang, sondern Frankfurter Volksbank-Stadion. Seit 1997 hat der FSV einen sogenannten Betreuungs- und Nutzungsvertrag mit der Stadt Frankfurt über das Stadion. Im Jahr läßt sich die Volksbank die Kooperation mit dem Klub eine sechsstellige Summe kosten. Das Geld investiert der Dauer-Regionalligaanwärter ausschließlich in die Personalkosten (etwa 550.000 Euro) der ersten und zweiten Fußballmannschaft. Ziel des Oberligateams ist die Rückkehr in die Regionalliga - nachdem die Bornheimer ihr Vorhaben in den vergangenen sechs Jahren aus unterschiedlichen Gründen verfehlt hatten.

Unterstützung für die „Pechmarie“

Mit ihrem Engagement befindet sich die Volksbank in Frankfurt in guter Gesellschaft. Bei der Unterstützung des Sports durch die Wirtschaft sind die Geldinstitute in der Mainmetropole immer mehr zur Bank für die namhaften Klubs der Stadt geworden. Das Waldstadion heißt heute Commerzbank-Arena. Zugleich ist die Bank Trikotsponsor der erfolgreichen FFC-Fußballfrauen. Seit 2005 unterstützt die Deutsche Bank den Basketballklub Skyliners Frankfurt als Haupt- und Namenssponsor. Wollte die Volksbank an exponierter Stelle bei der finanziellen Förderung eines Traditionsvereins etwa nachziehen - wenn auch sportlich ein paar Klassen tiefer? Angeblich nicht.

„Vielleicht haben wir ein Robin-Hood-Syndrom“, sagte Tonnellier bei der Präsentation der Partnerschaft. „Der FSV ist die Pechmarie der vergangenen Jahre. Und in der Not braucht man Freunde.“ Seit vielen Jahren zählt die Volksbank zu den Hausbanken der Bornheimer. In der Umbenennung der Spielstätte sehen die Beteiligten einen weiteren Meilenstein in der länger bestehenden Kooperation zwischen Bank und Verein. Die neue Grundlage der Zusammenarbeit sei nicht das Ergebnis einer „fußballerischen Laune“ vor der Fußball-Weltmeisterschaft, erklärte der Vorstandsvorsitzende. „Der FSV ist Mittelstand pur im Fußball.“

Für Tonnellier ist der Oberligaklub im hiesigen Geschäft eingedenk der vielen, nicht immer vom Verein zu verantwortenden Rückschläge der „am meisten benachteiligte Klub. Wir stellen uns an die Seite des Schwächeren“, betonte er. Dabei dürfen sich die Bornheimer ihren Partner im Aufstiegskampf durchaus zum Vorbild nehmen. „Wir wären nicht so erfolgreich, wenn wir nicht ein so großes Kämpferherz hätten.“ Im Wettbewerb der Banken habe man gezeigt, daß man auch als David gewinnen könne, stellte der Vorstandsvorsitzende selbstbewußt fest.

Neue Gegentribüne geplant

Der neue Stadionname hätte kaum treffender sein können. Findet Petra Roth. „Es ist ein Volksstadion, eine alte Traditionseinrichtung“, sagte die Oberbürgermeisterin. Sie ist Vereinsmitglied und Ehrenvorsitzende des FSV-Verwaltungsrats. Das Bornheimer Fußballstadion mit dem Hauptnutzer FSV Frankfurt soll in Zukunft gewissermaßen den gesunden Unterbau im Regionalsport beziehungsweise regionalen Fußball verkörpern. Um eine zweite moderne Spielstätte in Frankfurt zu bekommen, investiert die Stadt rund 4,5 Millionen Euro in den Ausbau des Bornheimer Hangs zum regionalligatauglichen Stadion. So wird die Laufbahn um das Spielfeld wegfallen und der Rasen um etwa vier Meter an die Haupttribüne heran verlegt. Auf der anderen Seite entsteht eine neue Gegentribüne.

Von höheren finanziellen Aufwendungen als ursprünglich geplant hat die Oberbürgermeisterin eigenem Bekunden nach bisher nichts gehört. Sollten die Kosten jedoch höher werden, sei das „bedauerlich“. Die Arbeiten würden aber zu Ende geführt werden, kündigte Roth an. Den FSV sieht der Bornheimer Vereinsvorsitzende Michael Görner jetzt „noch mehr in der Bringschuld, den Aufstieg in die Regionalliga zu schaffen“. Die Frankfurter Spiele verfolgt Tonnellier zwar oft als FSV-Anhänger an Ort und Stelle. Einen Posten im Verein will er jedoch nicht übernehmen.

„Ich bin der erste Fan der Frankfurter Volksbank und möchte es bleiben“, sagte er. Von seinem führenden Kollegen der Commerzbank bekam der Vorstandsvorsitzende viel Zuspruch für das neue finanzielle Engagement bei den Bornheimern. Klaus-Peter Müller habe ihn zu diesem Schritt ermuntert, berichtete Tonnellier.



Text: F.A.Z., 08.06.2006
Bildmaterial: F.A.Z. - Bergmann

 

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