Ironman

Doppelsieg für deutsche Triathleten

Von Michael Eder, Frankfurt

Die Eisenfrau: Sandra Wallenhorst

Die Eisenfrau: Sandra Wallenhorst

05. Juli 2009 Timo Bracht und Sandra Wallenhorst haben den deutschen Triathleten am Sonntag einen Doppelsieg beim Frankfurter Ironman beschert. Bracht gewann den bedeutendsten Ironman-Wettkampf jenseits von Hawaii und stellte mit 7:59:15 Stunden einen neuen Streckenrekord auf. Der 33 Jahre alte Profi aus Eberbach am Neckar verdiente sich seinen Sieg mit einem starken und taktisch perfekten Marathon-Lauf und ließ den Spanier Eneko Llanos (8:00:21) und den Australier Chris McCormack (8:03:05) bei brütender Hitze hinter sich. Auch Sandra Wallenhorst, eine 36 Jahre alte Juristin aus Hannover, sorgte beim abschließenden Marathon für die Entscheidung. Im Duell der beiden schnellsten Frauen auf der Langstrecke setzte sie sich in 8:58:08 Stunden gegen die Niederländerin Yvonne van Vlerken (9:03:17) durch. Dritte wurde, weitere drei Minuten zurück, Nicole Leder aus Darmstadt.

Es war ein langer, schweißtreibender Tag, zu dem sich am frühen Morgen neben den Profis rund 2300 Athleten aufgemacht hatten. Nach dem Schwimmen im Langener Waldsee war der Rostocker Andreas Raelert nach 44:40,09 Minuten als Erster aus dem Wasser gekommen. Der Olympia-Sechste über die Kurzstrecke in Athen setzte bei seinem zweiten Ironman - den ersten hatte er in Arizona gewonnen - bis zum Ende der Radstrecke Akzente. Nach 180 Kilometern auf der Rennmaschine war ihm nur Llanos voraus, der Spanier fuhr mit 2:20 Minuten Vorsprung zum Radwechsel am Mainufer vor. Raelert, der sich am Ende auf Rang vier rettete, hatte einen harten Lauf vor sich, Magen- und Wadenprobleme quälten ihn, schon bald musste er - bei einem Boxenstopp im mobilen Klo - McCormack und Bracht vorüberziehen lassen. In der Folge entwickelte sich ein spannendes Rennen. Drei Männer kamen als Sieger in Frage: Llanos, Zweiter auf Hawaii im vergangenen Jahr, McCormack, der Mister Smile des Triathlons und Hawaii-Champion 2007, und Bracht, der Vorläufer des Commerzbank-Triathlonteams.

„Nice to meet you!“ bei Kilometer 28

Es war ein aufregender Dreikampf, ein taktisches Hin und Her, das alle Facetten bot, alle Höhen und Tiefen, die Triathlon zu bieten hat. Alle drei, das wusste man, können an guten Tagen innerhalb eines Ironman-Wettkampfes den Marathon in rund 2:40 Stunden laufen. Doch der Grat ist schmal, ein Fehler, eine Verpflegungsstation verpasst, eine Schwächephase nicht weggesteckt, eine Phase der übertriebenen Anstrengung, und schon kann die Luft raus, das Rennen verloren sein. Während Bracht konzentriert ein Tempo lief, das ihn ganz allmählich näher an Llanos heranbringen sollte, hatte es McCormack eilig. Der Australier zog das Tempo bei Kilometer 15 an, ließ Bracht zurück, und rückte Llanos Meter für Meter näher. Bracht sah im Augenblick, als ihm McCormack enteilte, seine Chancen dahin, doch auch er wusste: Es gibt wenig, was unwägbarer ist als ein Marathon nach 3,8 Kilometern Schwimmen und 180 Kilometern Radfahren.

Nach 28 Kilometern hatte McCormack den Spanier gestellt, für Llanos eine ernüchternde Begegnung, denn der Australier pflegt seine Konkurrenten in solchen Momenten mit seinem strahlendsten Lächeln zu begrüßen: „Nice to meet you!“ Dann liefen sie ein paar Kilometer zusammen - bis Bracht kam. Bei Kilometer 34 hatte er nur noch 45 Sekunden Rückstand. Dann brach McCormack ein, sein allzu mutiges Solo hatte seinen Körper überfordert, er blieb bei Kilometer 37 förmlich stehen, Bracht stürmte vorbei, der Australier klopfte ihm noch auf die Schultern, und wenig später hatte Bracht auch Llanos erreicht, hängte ihn ab wie einen der vielen Amateure und hatte noch knapp fünf Kilometer vor sich - einen Triumphlauf bis zum Ziel am Römer.

Sandra Wallenhorst hielt sich an die Vorgaben

Wie Timo Bracht, so überzeugte auch Sandra Wallenhorst mit einer taktisch eindrucksvollen Leistung. Auch sie schien schon geschlagen, als ihr die Niederländerin van Vlerken nach wenigen Kilometern auf der Laufstrecke auf und davon gelaufen war. Doch die Deutsche ließ sich nicht locken, hielt sich streng an die Vorgabe ihres Lauftrainers Herbert Steffny und schlug ein vergleichsweise moderates Tempo an. Steffny hatte ihr das immer und wieder gepredigt, zu oft hatte Sandra Wallenhorst („Ich bin ein Hitzkopf und lasse es gern gleich ordentlich krachen“) einen Lauf allzu optimistisch und forsch begonnen.

Diesmal schonte sie ihre Kräfte und wartete auf ihre Chance. Die kam, als Yvonne van Vlerken, die bei Kilometer 20 noch rund eine Minute Vorsprung hatte, Probleme bekam. „In der zweiten Hälfte des Marathons habe ich alles rausgelassen, was noch im Körper war“, sagte Sandra Wallenhorst. Van Vlerken hatte sich übernommen, und bei Kilometer 25 waren ihre Siegchancen dahin. Sandra Wallenhorst kam allein auf dem Römerberg an, nach einem langen Tag konnte sie ihren Zieleinlauf ausgiebig genießen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z. - Anna Jockisch, F.A.Z. - Michael Kretzer, REUTERS

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Noch genug Kraft, um das Zielband hochzureißen: Timo Bracht nach knapp acht Stunden am Ziel180 Kilometer auf der Rennmaschine: Timo Bracht im Streckeabschnitt “The Hell“Starker Zweiter: Der Spanier Eneko LlanosAuch vom Eisernen Stag aus werden die Eisenmänner angefeuertReparatur am StraßenrandVorjahressieger Chris McCormack (l.) gratuliert dem Gewinner Timo Bracht3,8 Kilometer später: erste Station abgehakt Triumphzug ins Ziel: Sandra WallenhorstÜberholvorgang: Timo Bracht (l.) zieht an Chris McCormack vorbeiGlückliche Dritte: Nicole LederAusdauersport bei brütender HitzeImmer mit einem Lächeln: Sandra WallenhorstFrüh morgens am Langener Waldsee: Anstehen zum LosschwimmenNächster Halt: Ironman