Eintracht Frankfurt

Laufen, laufen, laufen - und dann ins Trainingslager

Von Ralf Weitbrecht

01. Juli 2005  Laufen, laufen, laufen. Bei der Frankfurter Eintracht fließt in diesen Tagen der Schweiß in Strömen. Das verwundert natürlich nicht, denn Trainer Friedhelm Funkel ist bemüht, seine neue Mannschaft so schnell wie möglich auf ein erstklassiges Niveau zu bringen. Konditionell, aber auch spielerisch. Am Tag nach der ersten Übungseinheit vor gut 800 Fans auf dem Areal der Commerzbank-Arena ist der Eintracht-Troß vormittags umgezogen. Riederwald statt Waldstadion, Laktattests statt Kleinfeldspielchen. In drei Gruppen zu jeweils acht Spielern mußten die Eintracht-Profis fünfundvierzig Minuten lang die Kunststoffbahn umrunden, ehe anschließend Blut abgenommen wurde. Ein Procedere, das sich alljährlich wiederholt, geben die kurze Zeit später vorliegenden Laktatwerte dem Trainerstab doch exakte und unbestechliche Rückschlüsse über den Trainingszustand der Profis.

Schon "vom optischen Auge her", wie Funkel am Freitag vormittag sagte, "sind wir weiter als im letzten Jahr". Damals war Funkel neu in Frankfurt, "da war mein Vorgänger Willi Reimann zuständig, der Urlaub war länger und die Spieler hatten keine Hausaufgaben mitbekommen". Den jüngsten fünfwöchigen Urlaub scheint die Mannschaft nach Funkels Einschätzung und Hausaufgabenvorgabe gut überstanden zu haben, "diesmal brauchen wir nicht von unten anzufangen".

Laufen, was das Zeug hält? Natürlich nicht, denn wie schon im Vorjahr wird bei der Eintracht mit System gearbeitet und die Vorbereitungsphase geplant. Deshalb mußten die Spieler nachmittags, jeder individuell nach Puls, eine dreiviertel Stunde im Stadtwald ihre Runden drehen. Für diesen Samstag hat Funkel seinen Leuten eine fünfzigminütige Laufeinheit auferlegt, ehe es am Sonntag nach dem Vormittagstraining mit dem Bus in das erste Trainingslager geht. Ziel wird wie schon im Vorjahr der kleine Ort Zell am Ziller sein. 23 Spieler will Funkel in diese als Lauftrainingslager konzipierte Woche in den österreichischen Bergen mitnehmen. Fehlen werden definitiv der am Kreuzband operierte Kapitän Alexander Schur, der für die Amateurmannschaft vorgesehene Torwart Jan Zimmermann sowie Marco Russ. Der Abwehrspieler muß vom kommenden Montag an die sechwöchige Grundausbildung bei der Bundeswehr absolvieren.

Die Grundausbildung bei der Eintracht wird anders aussehen, und das Ziel, das Cheftrainer Friedhelm Funkel vor Augen hat, ist fest umrissen. "Wir wollen alle Vorkehrungen treffen, um zum Saisonstart fit zu sein." Die Art und Weise, wie sich die neue Eintracht des Jahrgangs 2005/2006 bei den ersten Übungseinheiten präsentiert, behagt dem Aufstiegstrainer. "Das ist schon ganz ordentlich, was wir hier machen." Funkel hat keine Bedenken, seine Mannschaft zum Saisonstart am ersten August-Wochenende punktgenau fit zu bekommen. Funkel ist darüber hinaus aber der Auffassung, daß er selber auch mehr als zuletzt tun muß. "Auch ich muß mich wieder fit machen, denn im Urlaub habe ich rein gar nichts gemacht."

Beim Blick auf die laufenden Achtergruppen ist Funkel für die Zukunft nicht bange. Das zum Trainingsstart ausgegebene Saisonziel Klassenverbleib hält der Eintracht-Coach für machbar, und mit den bisherigen Zugängen - vielleicht stößt ja noch der von Vorstandschef Heribert Bruchhagen heftigst umworbene Kaiserslauterer Stürmer Ioannis Amanatidis zurück zur Eintracht - ist er mehr als einverstanden. "Mit dem, was bisher geholt werden konnte, bin ich zufrieden", sagte er am zweiten Arbeitstag der neuen Spielzeit. "Die Voraussetzungen sind gut, die Klasse zu halten."

Natürlich ist auch Funkel nicht entgangen, daß in seinem prallen Kader mit 31 Spielern "der Konkurrenzkampf größer geworden" ist. Doch Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und sollte dazu führen, daß sich am Ende der Vorbereitungsphase nach den beiden Trainingslageraufenthalten in Zell (3. bis 10. Juli) und in Oberstaufen (18. bis 25. Juli) eine wirklich erstklassige Eintracht-Mannschaft gefunden hat, die gegen Bayer Leverkusen bestehen kann.

Daß der Aufstieg Appetit macht, wird vor allem in Wirtschaftskreisen deutlich. Mit der Firma Aero Flight ist nun ein weiterer Partner auf den Erstligazug Eintracht aufgesprungen. Kernpunkt der Zusammenarbeit: Ein Airbus A 320 wird mit dem Logo und dem Schriftzug der Eintracht lackiert und wird den Profis in den kommenden zwei Jahren als Airline-Partner vor allem bei weiter entfernten Auswärtsspielen zur Verfügung stehen.

Laufen, um abzuheben: Noch ehe der Ball so richtig ins Rollen gekommen ist, zieht die Marke Eintracht.

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