Von Jörg Daniels
05. April 2008 In einigen Monaten wird Thorsten Leibenath vielleicht sagen, dass es in seiner ersten Bundesliga-Saison als Basketballcheftrainer kaum schlimmer hätte kommen können. Noch kommt beim jungen Headcoach der Gießen 46ers aber der unerschütterliche Berufsoptimist zum Vorschein – trotz der vielen schlechten Nachrichten in dieser Runde. Wobei der Traditionsverein aus Mittelhessen das Schlimmste womöglich schon überstanden hat.
Denn wirtschaftlich soll die Zukunft des fünfmaligen deutschen Meisters gesichert sein. Eine weitaus solidere Spielzeit als diese“ stellt Geschäftsführer Dirk Schäfer für die kommende Saison in Aussicht. Noch vor kurzem drohte den Gießenern, die an diesem Sonntag (15 Uhr) zum Hessenderby bei den Frankfurt Skyliners antreten, der finanzielle Kollaps. Erst durch den Einstieg eines neuen Namens- und Hauptsponsors konnte die prekäre Situation gemeistert werden. Er soll das Bundesliga-Gründungsmitglied mit einer Summe im unteren sechsstelligen Bereich unterstützen. Dazu kamen weitere Rettungsaktionen. So stockten andere Sponsoren ihre Zuwendungen auf. Insgesamt seien etwa 200.000 Euro zusammengekommen, sagt Schäfer.
Vertrauensfrage positiv beantwortet
Trainer Leibenath behielt so gut es ging die Ruhe. Die Arbeit macht mir Spaß“, sagte er selbst, als die Lage auch sportlich immer ernster wurde. Nach einer Misserfolgsserie und dem 67:78 in Köln versicherte er sich des Rückhalts bei der Mannschaft. Ihm war wichtig, ein Meinungsbild von den Spielern zu bekommen, ob sie noch Vertrauen in mich und meine Arbeit hatten“. Im Anschluss an die Mannschaftssitzung wurde Leibenath von Kapitän Florian Hartenstein darüber informiert, dass das Team geschlossen hinter ihm stehe.
Derzeit haben die Gießener einen kleinen Vorsprung auf die beiden Abstiegsplätze. Am vergangenen Wochenende gewannen sie in Paderborn ihr erstes Auswärtsspiel in dieser Runde. Am Erreichen des Klassenverbleibs hegt Leibenath keine Zweifel. Das Team sei gut genug für die erste Liga, sagt er. Und mit der nervlichen Belastung müsste die Mannschaft ebenfalls umgehen können. Als sich die wirtschaftliche Situation zwischenzeitlich dramatisch verschlechtert hatte, hätten die Spieler schon die ganzen Störfeuer im Hintergrund sehr gut weggesteckt“, sagt der Trainer und fügt hinzu: Die Geschäftsleitung ist mit uns sehr fair umgegangen.“
Roessler hat Nationalmannschaft im Visier
Noch zwei bis drei Jahre, schätzt Schäfer, wird es dauern, bis der Traditionsverein seine finanziellen Altlasten abgetragen hat. Dennoch planen die Gießener im Moment mit dem gleichen Erstliga-Etat für die kommende Spielzeit. Zu den ersten Ansprechpartnern, was eine Vertragsverlängerung angeht, gehört Rouven Roessler. Der wurfstarke Profi, der auf dem Sprung in die Nationalmannschaft ist, wisse, dass wir Interesse haben, ihn hier zu behalten“, sagt Leibenath.
An diesem Sonntag in der Ballsporthalle wird Roessler aber nicht zum Einsatz kommen. Nach seiner Achillessehnenoperation ist er nicht rechtzeitig fit geworden. Einmal haben die Gießener die Skyliners durch einen Dreipunktewurf Roesslers in letzter Sekunde besiegt. Daraus wird diesmal nichts. Erst in der kommenden Woche soll Roessler wieder mit dem Mannschaftstraining beginnen. Es wäre eine besonders gute Nachricht für die Gießener, denn mit seiner Treffsicherheit wird er im Abstiegskampf dringend gebraucht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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