FSV Frankfurt

Süchtig nach Aufstiegen

Von Jörg Daniels

27. April 2008 Womöglich entscheidet das Los über die Teilnahme. Am 11. Mai, also am Tag nach dem Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers, feiert der FSV Frankfurt den Aufstieg in die neue, dritte Profiliga. Laut Manager Bernd Reisig wird es ein „rauschendes Fest“ – auf dem Main. Zur Feier des Tages hat der Fußball-Regionalliga-Verein ein Schiff mit dem Namen „Nautilus“ angemietet, das am frühen Nachmittag für einige Stunden ablegt und rund 500 Gästen Platz bietet. Übersteigt die Zahl der angemeldeten Vereinsmitglieder die Kapazitätsgrenze, kommt es zum Losverfahren. Im Moment verfügt der Klub über knapp 1000 Mitglieder.

Letzte Niederlage vor über 150 Tagen

Nach dem Erreichen des großen Saisonziels dritte Profiliga wird der jetzt vom FSV angestrebte Aufstieg in die zweite Bundesliga nicht zum Lotteriespiel – wenn die Frankfurter so weiterspielen wie in den vergangenen Wochen. Die letzte Saisonniederlage, das 1:3 zu Hause gegen Jahn Regensburg, liegt über 150 Tage zurück. Seit fünf Spieltagen verbucht die Mannschaft von Trainer Tomas Oral nur Siege, dabei gestatteten die Hessen ihren Gegnern nicht einen Treffer.

In der Tabelle 2008 liegen die Bornheimer hinter Spitzenreiter Ingolstadt auf dem zweiten Platz. Insgesamt trennt den FSV im Augenblick nur die schlechtere Torbilanz von einem Aufstiegsplatz. Die Mannschaft habe eine „sensationelle Siegermentalität“ entwickelt, lobt Oral. Woher diese rührt, weiß Reisig. „Von unserem Trainer hat sich der Siegeswille total gut übertragen.“ Oral ist, wie er zugibt, süchtig nach Aufstiegen. „Dieses Gefühl habe ich versucht, dem Team zu vermitteln.“ Viele erfahrene Spieler seien schon überrascht gewesen, „dass sie in dieser Hinsicht etwas lernen können“, so der Trainer.

Paradebeispiel für sportlichen Erfolg

In der Tat ist der in dieser Woche 35 Jahre alt gewordene Oral ein Paradebeispiel für sportlichen Erfolg. Bezieht man die Beförderung des FSV in die dritte Profiliga mit ein, kann der frühere Oberliga-Spieler am Bornheimer Hang in seinen sechs Trainerjahren bereits fünf Aufstiege vorweisen. Gut möglich, dass es in dieser Saison sogar mit dem Doppelaufstieg klappt. Die siegeshungrigen FSV-Spieler jedenfalls möchten dem größtmöglichen Sprung nach oben nicht im Weg stehen. Die Mannschaft wolle den Aufstieg in die zweite Liga, hob Sead Mehic einen Tag vor dem Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr) gegen den TSV 1860 München II hervor. „Ich denke eher, wir legen noch eine Schippe drauf. Wir fühlen uns befreit und sind clever genug, die kommenden Spiele genauso konzentriert anzugehen wie in den zurückliegenden Wochen.“

Eine Entwicklung wie in der abgelaufenen Spielzeit befürchtet Oral ohnehin nicht. Als sich damals in der Oberliga Hessen der Aufstieg der Frankfurter in die Regionalliga Süd abzeichnete, büßte die Mannschaft ihre gezeigte Souveränität ein bisschen ein. In diesem Spieljahr habe man jedoch eine „andere Qualität von Spielern“, betont Oral. Dennoch werden sich die Bornheimer für die neue Runde verstärken. Mit Spielern, so Reisig, die sowohl in die Kategorie „interessante Nachwuchsspieler“ als auch in die Kategorie „Profis“ einzuordnen seien. Man habe bereits „vorsichtige Kontakte“ zu potentiellen Kandidaten aufgenommen, teilte der Manager mit. Womöglich wird auch ein Akteur aus München an den Bornheimer Hang wechseln. Soweit er wisse, stelle 1860 die meisten Jugendnationalspieler in der Regionalliga, sagt Oral. Vor Spielern wie Eberlein, Wittek, Jungwirth, Baumgartlinger oder den Bender-Brüdern hat der FSV-Trainer großen Respekt, die Begegnung gegen den „Löwen“-Nachwuchs betrachtet er folgerichtig als „Riesenherausforderung“ für die Hessen. „Klar wird es einige Abgänge bei uns geben. Sei es wegen des Alters wie bei Bernd Winter oder wegen mangelnder Spielpraxis bei dem einen oder anderen.“

„Ich fühle mich beim FSV wohl“

Doch die neuen Spieler müssten schon ein gewisses Potential mitbringen, um sich hier einen Platz zu verdienen, sagte Oral über die angedachte Personalpolitik. Sead Mehic und sein Berater Klaus Gerster wollen sich unterdessen in der kommenden Woche mit dem FSV zusammensetzen und Gespräche über eine Vertragsverlängerung führen. Dem Offensivspieler soll auch die eine oder andere Anfrage aus der zweiten Liga vorliegen, „ich fühle mich aber beim FSV wohl“, sagt Mehic.

Mit Blick auf die zukünftigen, namhaften FSV-Gegner, die in der dritten Profiliga oder in der zweiten Liga warten, freut sich Oral auch für das Umfeld des FSV. „Das heilt vielleicht alle Wunden, die mit den Dolchstößen in den vergangenen Jahren entstanden sind.“ Was die Unterstützung des Publikums angeht, sieht der Trainer noch Verbesserungsbedarf. „Den 12. Mann hatten wir in den vergangenen Jahren nicht“, so Oral.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Christian Klein

 

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