Im Test: Die Berufsberatung

Berater müssen nachsitzen

63 Schüler und Auszubildende waren als Tester unterwegs

63 Schüler und Auszubildende waren als Tester unterwegs

09. Oktober 2007 Drum prüfe, wer sich lange bindet. Das gilt vor allem auch für die Berufswahl. Wer in jungen Jahren falsch entscheidet, wird es schwer haben, den Fehler später wieder zu korrigieren. Um so wichtiger ist gründliche Berufsberatung. Wichtige Anlaufstelle sind die Arbeitsagenturen. Finanztest hat die Qualität der Berufsberatung dort untersucht. Das traurige Ergebnis: Jugendliche sind nach dem Gespräch oft ratloser als vorher.

63 Tester im Einsatz

63 Schüler und Auszubildende waren im Auftrag der Stiftung Warentest unterwegs. Nach jeder Beratung füllten sie ausführliche Fragebögen aus. Das Ergebnis nach der Auswertung: Die Hälfte der Jugendlichen war nicht zufrieden. Meist gingen die Berater zu wenig auf die Wünsche der Schüler ein und machten kaum praktische Vorschläge. Nicht nur inhaltlich, auch organisatorisch ließ die Beratung zu wünschen übrig. Mancher Berater wollte keinen Termin nach Schulschluss anbieten. Ein Tester musste zehn Wochen auf einen Termin warten. Drei weitere wurden sogar ganz abgewiesen oder vertröstet, obwohl sie ein Recht auf die Beratung haben.

Schlechter Rat

Beispiel für eine Beratung mit zweifelhaftem Wert: Die Mitarbeiterin einer Berliner Arbeitsagentur versuchte Realschulabsolvent Sebastian Fischer auszureden, sich um eine Ausbildungsstelle als Chemielaborant zu bewerben. Ihr Rat: Er solle besser Abitur machen. Die meisten Firmen und auch die Freie Universität verlangten das für angehende Chemielaboranten ohnehin, erklärte sie. Sebastian bewarb sich dennoch sofort. Zwei Wochen später hatte er seinen Ausbildungsplatz bei der Freien Universität.

Zwiespältiges Bild

Doch auch jenseits der Arbeitsagenturen fällt die Berufsberatung oft enttäuschend aus. Schlechte Kritiken bekamen vor allem auch die Berater der Handwerkskammern. Möglicher Hintergrund: Die Berater dort sind eher auf Probleme während der Ausbildung vorbereitet als auf klassische Berufsberatung. Besser kam die Ausbildungsberatung der Industrie- und Handelskammern an. Zwei der drei jugendlichen Tester fanden die Ratschläge der Berater dort nützlich. Im Grunde gute Noten bekamen auch Studienberatungsstellen. Die Mitarbeiter dort beantworteten alle Fragen zur Zufriedenheit der Tester. Allerdings: Die Beratung war eher unfreundlich und schlecht organisiert, notierten sie.

Kommunalberatung ganz stark

Am besten schnitten kommunale Beratungsstellen ab. Bei vier von fünf Testern erkundigten sich die Berater genau nach persönlichen Vorlieben und Stärken. Alle fünf lobten die konkreten Auskünfte und Ratschläge der kommunalen Berater. Auch drei private Beratungsstellen gaben ein gutes Bild ab. Eine der Beratungsstellen stellte für die Vorbereitung aufs Gespräch einen umfangreichen Fragebogen zur Verfügung. Das Gespräch anschließend lief nach Ansicht des Testers prima: Er weiß jetzt, wo er sich bewerben will. Allerdings: Die Privatberatung ist teuer. 150 bis 1000 Euro Honorar waren fällig.

Tipps

Vorbereitung Vor dem Gespräch mit einem Berufsberater sollten Sie sich über Ihre Stärken und Schwächen klar werden. Tests zur Selbsteinschätzung im Internet helfen dabei.

Beratungspflicht. Akzeptieren Sie keine Ablehnung. Sie haben ein Recht auf die Berufsberatung der Arbeitsagentur. Sie müssen dazu nicht als arbeitssuchend gemeldet sein.

Fordern Fordern Sie eine Begründung, wenn der Berater nicht auf Ihre Berufswünsche eingeht. Verlangen Sie, dass er Ihnen Alternativen nennt, Informationsmaterial aushändigt und eventuell mehrere Bewerbungsadressen vermittelt. Haben Sie von einem guten Berater gehört, können sie verlangen, dass er sie berät.

Kontrolle Bleiben Sie gegenüber den Empfehlungen eines Beraters stets kritisch. Die Qualität der Beratungen schwankt stark. Wenn Sie mit einem Gespräch nicht zufrieden waren und noch viele Fragen offen sind, holen Sie unbedingt eine zweite Meinung ein. Versuchen Sie es zum Beispiel bei der Beratungsstelle eines öffentlichen oder gemeinnützigen Trägers. Das können Städte sein, Kirchen oder auch Vereine. Für Mädchen gibts zuweilen bei Frauenberatungsstellen spezielle Angebote. Auch private Beratung kann sich trotz der zuweilen hoher Kosten lohnen.

Der Text und die Tabelle wurden von unserem Kooperationspartner „Stiftung Warentest“ erstellt. Die vollständigen Informationen sind kostenpflichtig unter www.test.de abzurufen.



Bildmaterial: picture-alliance / dpa, Stiftung Warentest

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