Test: Girokonten

Immer öfter kostenlos

Gratiskonten sind meist an Bedingungen geknüpft

Gratiskonten sind meist an Bedingungen geknüpft

12. Juni 2007 Immer mehr Girokonten kosten nichts. Über zwei Drittel der 64 von Finanztest untersuchten Banken und Sparkassen haben ein Girokonto zum Nulltarif. Die besten Angebote haben regionale Institute. Die meisten deutschlandweit vertretenen Bankhäuser knüpfen aber Bedingungen an ihr Gratiskonto. Der Kontowechsel kann sich lohnen. Kündigt der gewählte Modellkunde sein Filialkonto bei der Citibank und geht zu einem kostenlosen Anbieter, spart er über 200 Euro im Jahr. Wer wechseln will, sollte darauf achten, möglichst an vielen Geldautomaten kostenlos Bargeld zu erhalten.

Gratiskonto mit Bedingungen

Neue kostenlose Konten bieten seit der letzten Finanztest-Untersuchung vor einem Jahr etwa die Commerzbank, die MBS in Potsdam und die Direktbanken ING-Diba, 1822 direkt und DAB Bank an. Auch immer mehr Sparkassen und Volksbanken kommen mit neuen gebührenfreien Gratisangeboten heraus. Viele Institute haben ihre Gratiskonten aber mit Bedingungen versehen, die nicht jeder erfüllen kann. Mal gibt es das Konto zum Nulltarif nur für Onlinekunden oder nur für Kunden in bestimmten Regionen. Andere Banken verlangen einen regelmäßigen Gehalts- oder Renteneingang zwischen 750 und 1 250 Euro oder ein Durchschnittsguthaben. Kein überregionales Bankhaus bietet ein Gratiskonto inklusive ec- und Kreditkarte sowohl für Filial- als auch für Onlinekunden ohne Wenn und Aber an.

Spitzenreiter sind Regionalbanken

Die besten Angebote aus 140 untersuchten Kontomodellen haben die PSD Banken Berlin und Nord sowie die Sparda-Banken Berlin, Hamburg, Hannover und Hessen. Sie bieten Gratiskonten ohne Bedingungen und mit ec- sowie Kreditkarte(n) an. Einige Sparda-Banken verlangen vom Kunden zwar den Kauf eines Genossenschaftsanteils. Darauf zahlen die Banken aber auch Dividende. Bei den überregionalen Banken sticht die BBBank mit ihrem kostenlosen Girokonto ohne Bedingungen hervor. Wer mag, kann dazu für 30 Euro ein Kreditkartendoppel ordern.

Kostenlos Bargeld abheben

Das beste Gratiskonto nützt nichts, wenn der Kunde nur an wenigen Automaten kostenfrei Bargeld ziehen kann. Denn die gesparten Kontogebühren werden schnell von Gebühren für das Abheben an fremden Automaten oder weite Fahrwege aufgezehrt. Kostenlos Bargeld gibt es immer an den Automaten der kontoführenden Bank und an den Automaten von Banken, die sich zu diesem Zweck zu Verbünden zusammengetan haben. Kunden der Sparkassen bekommen an 21 000 Automaten deutschlandweit ihr Bargeld zum Nulltarif. Kontoinhaber der Volks- und Raiffeisenbanken und der PSD Banken haben diese Möglichkeit an 18 000 Automaten. Gut haben es die Kunden der Volkswagen Bank direct. Selbst hat die Bank zwar nur 22 Geldautomaten. Mit der Visa-Karte können sie aber innerhalb Eurolands kostenfrei an allen Automaten mit Visa-Zeichen Geld ziehen (mindestens 250 Euro pro Abhebung).

Dispozinsen steigen

Wer mehr Geld braucht, als sein Konto Guthaben aufweist, kann sich bei entsprechender Zahlungsfähigkeit kurzfristig Geld per Dispositionskredit bei seiner Bank borgen. Daran wollen die Banken kräftig verdienen. Seit letztem Jahr haben zwei Drittel der getesteten Banken den Dispozins erhöht, in der Spitze um 2,1 Prozentpunkte. Durchschnittlich verlangen die Banken derzeit 12 Prozent Dispozinsen. Ein guter Zins liegt unter 10 Prozent.

Tipps

Wechsel. Wie viel Sie für Ihr Konto bezahlen, steht auf der Quartalsabrechnung auf dem Kontoauszug. Ein Kontowechsel lohnt sich, wenn Sie mehr als 80 Euro im Jahr für ein Filialkonto bezahlen oder mehr als 40 Euro im Jahr für ein Onlinekonto. Fragen Sie zuerst bei der bisherigen Bank, ob ein anderes Kontomodell Ersparnis für Sie bringt. Andernfalls wagen Sie den Wechsel! Sie bekommen bei den Formalitäten häufig Unterstützung von der neuen Bank.

Zusatzkosten. Nutzen Sie Kontoauszugsdrucker und Selbstbedienungsterminals. Denn jeder Handschlag, den ein Bankmitarbeiter für Sie erledigt, erhöht die Kontokosten. Die Zusendung von Kontoauszügen oder eine Überweisung per Beleg können bis zu 3 Euro kosten.

Guthabenzins. Wenn Sie eine Bank mit der Verzinsung des Guthabens auf dem Girokonto werben will, springen Sie nicht an. Ein Auswahlkriterium für ein Girokonto ist es nicht, denn die höchste Verzinsung von 3 Prozent ist eher die Ausnahme. Für ein Tagesgeldkonto sind mittlerweile 3,5 Prozent ab dem ersten Euro möglich (siehe Infodokument Tagesgeldkonten und Festgelder). Legen Sie Ihr überzähliges Geld lieber dort an.

Selbstständige. Freiberufler und andere Selbstständige haben wenig Chancen auf ein kostenloses Konto. Daran ändern auch regelmäßige Einnahmen nichts. Die Konten für diese Berufsgruppen kosten zwischen 2,50 und 19 Euro im Monat. Einzelne Buchungen müssen Sie extra bezahlen.

Der Text und die Tabelle wurden von unserem Kooperationspartner „Stiftung Warentest“ erstellt. Die vollständigen Informationen sind kostenpflichtig auch unter www.test.de abzurufen.



Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb, Stiftung Warentest

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