Altersvorsorge

Private Rentenversicherung: Policen für Sie und Ihn

20. September 2006 Jeder kann sich schon heute eine Rente fürs Alter kaufen. Finanztest hat 110 Angebote privater Rentenversicherer, jeweils 55 für Frauen und Männer, geprüft. Ergebnis: Die Unterschiede sind immens. Jeweils fünf Tarife schnitten mit „sehr gut“ ab und acht mit „gut“.

CosmosDirekt, Interrisk und WGV bieten die besten Policen für Frauen und Männer. Auffällig: Gerade große Versicherer liegen in der Bewertung ganz hinten und haben sich für ihre Tarife ein „ausreichend“ abgeholt. Der überwiegende Teil der Angebote landete bei „befriedigend“.

Steuervorteil gegenüber „Riester“

Die private Rentenversicherung in ihrer klassischen Form bietet einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Fließt die erste Auszahlung mit 65 Jahren, müssen nur 18 Prozent der lebenslang garantierten Rente versteuert werden. Riester- und Betriebsrenten sind dagegen voll steuerpflichtig. Deshalb wird die private Rentenversicherung auch für Leute mit regelmäßigem Einkommen zur Alternative.

Sicherheitsorientierten Sparern kommt die garantierte lebenslange Altersrente entgegen. Allerdings fehlt es allen angebotenen Verträgen an Flexibilität. Wer einmal unterschrieben hat, ist über Jahrzehnte gebunden. Vorübergehend mal nicht zu zahlen, ist zwar möglich. Kunden müssen Beitragslücken aber schnell wieder ausgleichen. Der Ausstieg in den ersten Jahren ist nur mit schmerzhaften finanziellen Verlusten möglich, denn die Abschlußkosten werden dem Versicherten zu Vertragsbeginn in Rechnung gestellt. Und auch die Garantierendite ist mager: Die Tester haben im Schnitt gerade mal 2 Prozent auf die eingezahlten Beiträge errechnet.

Keine staatliche Förderung: Nachteil gegenüber „Riester“

Das Sparen fürs Alter wird bei der privaten Rentenversicherung im Gegensatz zum Riester-Vertrag aber nicht staatlich gefördert. Diese Förderung macht das Riestersparen noch attraktiver für die private Altersvorsorge. Nur wird die gesetzliche Rente zusammen mit dem Riester-Vertrag nicht ausreichen, um die Grundversorgung im Alter zu sichern. Deshalb sollte jeder nach einer dritten Säule Ausschau halten. Das kann auch die Betriebsrente sein. Auch sie wird staatlich gefördert. Die private Rentenversicherung ist für Arbeitnehmer dann sinnvoll, wenn sie keine Betriebsrente abschließen können, keine wollen oder sich damit nicht ausreichend versorgt fühlen.

Anders als bei der gesetzlichen garantiert die private Rentenversicherung eine bestimmte Rentenhöhe. So wird der 35jährigen Finanztest Modellfrau, die 30 Jahre lang 1.200 Euro pro Jahr einzahlt, ab ihrem 65. Geburtstag je nach Anbieter zwischen 182 Euro und 212 Euro monatlicher Rente garantiert. Dieses Kriterium geht mit 50 Prozent ins Qualitätsurteil ein. Mit gutem Grund: Macht doch der Unterschied zum Beispiel bei der Modellkundin zwischen bester und schlechtester Garantierente 7.200 Euro aus, wenn die Seniorin ihren 85. feiert.

Anlegerglück des Versicherers ist goldwert

Auf die Garantierente drauf legt der Versicherer Überschüsse aus den Kundenguthaben. Dieser Rentenanteil ist vom Anlegerglück des Versicherers am Kapitalmarkt abhängig. Für den künftigen Rentner ist diese Überschußentwicklung goldwert. Um sich von dieser Größe ein Bild zu machen, haben die Tester den Anlageerfolg der Versicherer über die letzten drei Jahre gewichtet und in das Qualitätsurteil mit 30 Prozent einfließen lassen.

In die Zukunft geblickt heißt das: Wenn die Anlagestrategie eines Versicherers weiter aufgeht, kann sich ein Sparer am Ende über einen Zuschlag von 80 Prozent auf die garantierte Rente freuen. Beim erfolgsarmen Anbieter muß sich der Kunde mit weniger als 20 Prozent Aufschlag begnügen. Er bekäme dann statt einer Garantierente von 200 Euro von einem Anbieter mit großem Anlageerfolg 360 Euro, von dem erfolgsarmen aber nur 240 Euro Rente.

Prüfpunkt Nummer drei ist die Transparenz des Angebots, der mit 20 Prozent beim Qualitätsurteil ins Gewicht fällt. Hier geht es besonders darum, wie gut Kunden anhand der vor Vertragsschluß ausgehändigten Unterlagen erkennen können, welche Leistung ihnen in welcher Situation zusteht.

Tips: Was zu beachten ist

Vorsorge. Mit der gesetzlichen Rente allein werden Sie Ihr Leben im Alter nicht absichern können. Riestervertrag und Betriebsrente werden staatlich gefördert, müssen aber bei der Auszahlung versteuert werden. Als dritte Säule Ihrer Altersvorsorge zahlt Ihnen die private Rentenversicherung einen festen monatlichen Betrag. Bei ihr sind die Auszahlungen größtenteils steuerfrei.

Alter. Sind Sie noch sehr jung, sollten Sie vorerst die Ertragschancen am Aktienmarkt durch Fondsinvestments nutzen, bevor Sie sich langfristig finanziell mit einer Rentenversicherung binden.

Tarifname. Prüfen Sie bei einem Angebot, das Ihnen ein Versicherer vorlegt oder zuschickt, ob es sich wirklich um das von uns untersuchte handelt. Vergleichen Sie den Tarifnamen mit dem in der Tabelle.

Zahlungsweise. Zahlen Sie Ihren Beitrag jährlich, nicht monatlich oder einmal im Vierteljahr. Das erspart Ihnen Ratenzahlungszuschläge, die sich negativ auf Ihre Rendite auswirken würden.

Rentenauszahlung. Achten Sie auf die richtige Überschußzuteilung während der Rentenauszahlung. Empfehlenswert ist nur die volldynamische Variante. Hier sind Sie vor Rentenkürzungen sicher.

Angehörige. Sie können Ihre Familie mit einer privaten Rentenversicherung kaum absichern. Wenn Sie wollen, daß Ihre Angehörigen im Fall ihres Todes gut versorgt sind, schließen Sie eine preiswerte Risikolebens-Versicherung in angemessener Höhe ab.

Volldynamische Auszahlung. Diese Auszahlungsform sollten Sie im Vertrag wählen. Der Versicherer zahlt anfangs eine geringere Rente, die im Laufe der Jahre meist steigt. Großer Vorteil dieser Variante ist, Ihre Rente fällt nie. Bei allen anderen Formen ist eine Rentenkürzung möglich, wenn die Erträge des Versicherers einbrechen.

Dynamik. Lassen Sie die Finger vom dynamischen Rentenversicherungsvertrag! Sie steigen niedrig ein und der Beitrag steigt dafür langsam. Dieser dynamische jährlich steigende Beitrag kostet Sie unnötig Geld. Denn bei jeder Dynamikstufe werden Sie zur Kasse gebeten. Der Versicherer macht neue Abschlußkosten geltend. Zugleich erschwert der steigende Beitrag Ihnen den Überblick über die zu erwartende Leistung.

Rentengarantiezeit. Sofern Sie jemanden versorgen möchten, wählen Sie eine Rentengarantiezeit bis zehn Jahre. Sie kostet wenig und rettet Ihre Rente bei frühem Tod ein paar Jahre lang für die Familie.

Der Beitrag wurde erstellt von unserem Kooperationspartner Stiftung Warentest. Weitere Tests und Informationen kostenpflichtig unter www.test.de.



Text: Stiftung Warentest
Bildmaterial: Stiftung Warentest

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