11. Januar 2005 Die Spitzenverbände der Krankenkassen, Ärzte, Kliniken und Apotheker haben am Dienstag in Berlin den Vertrag zur Gründung einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft zur Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte unterzeichnet. Die Einführung der Karte, die laut Gesetz von 2006 an für alle Krankenversicherten ausgegeben werden soll, liege "im Plan", sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Der neue Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, relativierte dies mit dem Hinweis, die Einführung werde wohl 2006 beginnen, aber erst "in einigen Jahren abgeschlossen" sein. Die Vorsitzende der Ersatzkassenverbände, Doris Pfeiffer, sagte, man werde noch 2005 mit den Tests beginnen. Nach ursprünglichen Planungen des Ministeriums hätten die ersten Test bereits zum Jahreswechsel abgeschlossen sein sollen. Jetzt hoffen die Interessengruppen, daß die technischen Vorgaben bis Ende Februar vorliegen. Dazu hat das Ministerium ein Entwicklungsprojekt an das Fraunhofer-Institut unter Mitwirkung der Industrie vergeben.
Vorteil der Betriebsorganisation soll sein, daß Beschlüsse künftig mit Mehrheit gefällt und nicht von einzelnen blockiert werden können. Künftig dürfte eine Mehrheit von Kassen und Kassenärzten reichen. Da auch die private Krankenversicherung die elektronische Karte nutzen will, beteiligt sie sich an der Organisation, zu deren Kosten keine Angaben gemacht wurden. Die Industrie wird über einen vorschlagsberechtigten Beirat eingebunden.
Die Karte soll Bürokratie abbauen, Doppeluntersuchungen vermeiden und Falschmedikationen verhindern, indem Verordnungen auf der Karte gespeichert werden. Die Kosten für das Gesamtprojekt werden auf 1,4 Milliarden Euro veranschlagt, wobei die technische Ausrüstung der Praxen und Kliniken nur zum Teil erfaßt ist. Betroffen sind 80 Millionen Patienten, 120 000 Arztpraxen, 21 500 Apotheken und 2200 Kliniken sowie rund 300 Kassen mit mehr als 150 000 Beschäftigten. (ami.)
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2005, Nr. 9 / Seite 13
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