Honorarreform

Mehr Geld für den Doktor

Von Andreas Mihm

22. Oktober 2007 Die seit Jahren für höhere Honorare kämpfenden niedergelassenen Ärzte können 2009 fest mit einer starken Steigerung rechnen. „Die Ärzte können sich ab 2009 auf mindestens 10 Prozent mehr einstellen“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler. Da die KBV über weitere wichtige Bestandteile des künftigen Honorars noch mit den Krankenkassen verhandelt, sind auch höhere Zuwächse möglich - wenn auch nicht entfernt jene bis zu 80 Prozent, die die Ärzte ins Gespräch gebracht hatten. Die Kassen erklärten, eine Steigerung der zuletzt 26 Milliarden Euro für die ambulante Vergütung sei programmiert. Beide Seiten standen unter Einigungsdruck, da das Gesundheitsministerium eine „Ersatzvornahme“ angedroht hatte.

Die jetzt von KBV und Kassen beschlossene Neubewertung der kalkulierten ärztlichen Leistung ist ein erster Schritt zu der vom Gesetzgeber für 2009 versprochenen Honorarreform. Köhler sprach von einem „wichtigen Meilenstein“. Demnach steigt das kalkulierte Arztgehalt bei einer 51-Stunden-Woche um 10.000 auf 105.000 Euro, was etwa dem Gehalt eines Oberarztes im Krankenhaus entspreche.

Abrechnungsaufwand soll weniger werden

Das kalkulierte Gehalt ist aber nur eine Rechengrundlage, auf dessen Basis die Ärzte im kommenden Jahr für ihre Arbeit 10 Prozent mehr Punkte, aber noch nicht mehr Geld bekommen. Denn bis Ende 2008 gilt das Budget. Das wird unabhängig davon, wie viele Leistungen die Ärzte erbringen, um die Höhe der Grundlohnsteigerung der Arbeiter und Angestellten angehoben und soll den Kostenzuwachs im Gesundheitswesen dämpfen.

Erst 2009 soll das Budget teils aufgehoben und die Honorierung der 148.000 niedergelassenen Allgemein-, Fachärzte und Psychotherapeuten von Punktwerten auf feste Euro und Cent umgestellt werden. Die Politik hatte in der Gesundheitsreform zugesichert, diese langgehegte Forderung der Ärzte zu erfüllen. Mit einer stärkeren Pauschalierung von Leistungen vor allem der Hausärzte soll auch der Abrechnungsaufwand weniger werden.

Innerärztliche „Schieflage“ für 2008 nicht relevant

Innerhalb der Ärzteschaft wird der neue „Einheitliche Bewertungsmaßstab“ zu einer Umverteilung der Honorare führen. So können Hausärzte nach Berechnungen der KBV künftig für einen „durchschnittlichen Patienten“ 21 Prozent mehr Punkte abrechnen. Unter den Facharztgruppen schneiden die psychotherapeutischen Richtungen mit bis zu 16 Prozent und Radiologen mit 10 Prozent am besten ab, während Orthopäden ihr Honorar kaum verändern, dagegen Pathologen - von denen es nur wenige gibt - fast 14 Prozent weniger Punkte bekommen. Unter dem Strich erhalten Fachärzte im Schnitt 5,38 Prozent mehr, also etwa ein Viertel dessen, was die Hausärzte erhalten.

Für die Honorare 2008 ist diese innerärztliche „Schieflage“ nicht relevant, weil Haus- und Fachärzte aus je einem eigenen Finanztopf bezahlt werden. Das ändert sich 2009 und könnte damit zu Verschiebungen zwischen Fach- und Hausärzte führen. Auch vor dem Hintergrund ist der Hinweis von KBV-Chef Köhler zu verstehen, dass für die Berechnung der Honorare 2009 weitere Fragen geklärt werden müssten.

So haben sich Ärzte und Kassen darauf geeinigt, die für die Honorierung zugrunde liegenden Kosten in den Praxen aktuell zu bewerten. „Das kann nochmals zu erheblichen Neubewertungen führen“, sagte Köhler. Er geht wohl davon aus, dass in vielen Facharztpraxen die Kosten heute zu niedrig, bei Allgemeinmedizinern dagegen zu hoch bewertet werden. Auch sollen regionale Besonderheiten in der Honorierung berücksichtigt werden.

Ein langer Weg

Bis das Geld vom Beitragszahler auf das Arztkonto gelangt, hat es einen langen Weg hinter sich. Jede Kasse zahlt für jedes Mitglied (nicht für jeden Versicherten) eine Quartalspauschale an die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung (KV), egal ob der Versicherte krank oder gesund ist. Die KV verteilt das Geld unter den Ärzten. Das Gesamtvolumen ist gedeckelt: Sind die Leute häufiger krank, bekommt der Arzt für jede Behandlung weniger Geld. Auch das soll sich 2009 ändern. Dann sollen die Kassen den Ärzten dieses Risiko abnehmen.



Text: F.A.Z., 23.10.2007, Nr. 246 / Seite 15
Bildmaterial: dpa

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