Die Studentenproteste erfassten 1989 ganz Peking und weitere Städte

Die Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Frühjahr 1989 wurden in den meist offen sympathisierenden westlichen Medien als antikommunistische Demokratiebewegung präsentiert, die politische Forderungen der breiten Bevölkerung artikulierte. Diese Deutung muss bezweifelt werden. Von Sebastian Heilmann

Lesermeinungen zum Beitrag

04. Juni 2008 20:13
Aufstand also?! - hört, hört.  
Gabor von Zoltan (Putinras)

Dann sollte es sich doch umso mehr lohnen, früh genug etwas zu tun, dass es nicht zu Aufständen kommt. Unterdrückung hat sich bis jetzt ausschliesslich als bestes Mittel zum Anheizen des nächsten Aufstandes erwiesen. Eine offene Lösung des Problems, bzw. der Probleme, dagegen gilt als bestes Mittel dagegen. Aber das klappt eben nur, wenn man einen Dialog überhaupt zulässt. Denn sonst läuft es ins Paradox, dass die Befehlskette, in der die Dinge schief laufen, zugleich die Informationskette ist, die der Zentrale logischerweise immer nur melden kann, dass alles in bester Ordnung ist. Ganz wie in China eben. Eingesperrte Menschen, die einfach nur in der Verfassung Verankertes einfordern, ebenso verleugnend wie Minderheiten, denen man auch mal schell einen 6jährigen entführen kann. Und immer alle Kritiker als China-Basher beschimpfend. Und zwar selbst in Momenten, während Eltern auf dem Platz des himmlischen Friedens verhaftet werden, die etwas zu laut fragen, wieso die Schulgebäude, in denen ihre Kinder starben, Wände aus Puding zu haben schienen. - Wie die 68er (die ich durchaus nicht in den Himmel loben will) muss man den 89er Demonstranten in China zu Gute halten, dass sie genau das einforderten, was weiter fehlt: Kritikfähigkeit!

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04. Juni 2008 19:19
Es fallen so einige Parallelen auf  
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)

zur Bewegung 1968 ff, speziell in Deutschland: Der antiautoritäre Ansatz, der auch in Deutschland - und insoweit auch darüber hinaus - verschiedene Gruppierungen zusammen führte. Anlaß waren damals die Notstandsgesetze, die 67/68 dikutiert und schließlich erlassen wurden. Außerdem gab es in beiden Fällen die elitäre Selbsteinschätzung. Die einfachen Massen spielten nur in einigen Diskussionen eine Rolle. Die von einigen gehegte Hoffnung auf Blutvergießen hat sich hier wie dort realisiert, auch wenn es Unterschiede gibt. Viele hofften mit den Marsch durch die Institutionen individuell Veränderungen bewirken zu können. Und nicht wenige haben sich den Realitäten erfolgreich angepaßt. Eines jedoch ist vermutlich allen gemein: sie fühlten sich anfänglich - wenn auch vielleicht nur für eine kurze Zeit - veranlaßt, gegenüber dem Staat etwas zu unternehmen. Und wenn es nur dies ist, so zeichnet es sie doch mindestens dafür aus.

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04. Juni 2008 18:19
Aufwachen?  
Hede Zhou (SunWukong)

Ich war am besagten Datum und vorher am Ort des Geschehens. Angeischts der Mneschenmassen, ist es/ war es schwierig eine Einschaetzunge abzugeben. Meiner Einschazetzung nach hatte es die Regierung versaeumt, mit den Studenten im Vorfeld zu reden. Am besagten Tag hatten sich leider auch wenig zu begruessende der "bEwegung" angeschlossen: Pluenderungen im ganzen Land, anzuenden von Bussen, Taxis, was ich selbst erlebt habe auf meiner Flucht aus Beijing . .Ist euch Westlern eigentlich klar: nahezu 1 Mill am Platz. ?? Millionen im Aufstand? Was wuerde Merkel tun bei 1 Mill am Brandenburgetor und x= Mill im Lande von Harzt-4 Empfaengern auf Konfrontationskurs? Manchmal ist es fein, mit etwas nicht konfrontiert zu sein . Demonstranten verfechten nicht immer ein gutes Ziel!!!!!!!!!!!!!

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04. Juni 2008 17:46
Sulla und Cromwell als Vorbilder…  
Harry LeRoy (Cimon)

Zwar kann man den Versuch der Studenten, eine Diktatur durch Sitzblockaden und Hungerstreiks zu stürzen, loben, aber solange Armee und Polizei auf deren Seite stehen ist dies vergebliches Heldentum; wenn man sich dazu noch die Sympathien des gemeinen Volkes, für dessen Wohlergehen und Freiheit man sich ja eigentlich erhoben hat, zumindest wenn man es mit der Forderung nach Demokratie ernst meint, durch elitäres Gehabe verscherzt, ist ein Fehlschlag schon fast unvermeidlich. Dennoch kann ein materiell und geistig intaktes Herrschaftsgebilde, welches den Willen zur unbedingten Selbstbehauptung hat, was zweifelsohne auf die chinesische KP-Regierung zutrifft (sonst wäre sie nicht mit Panzern und Maschinengewehren gegen das eigene Volk vorgegangen), kann nur auf die Weise besiegt werden wie Sulla und Cromwell sich ihrer Regierungen zu entledigen pflegten: Durch Schaffung eigener militärischer Machtmittel und dem Sieg im folgenden Bürgerkrieg mit den legalen Inhabern der Macht. Allerdings erlauben es die Verhältnisse des modernen Staates, mit seinem stehenden Beamten- und Soldatenheer, kaum noch unter den Augen der Regierung ein Heer gegen diese aufzustellen, wie dies früher möglich war.

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