
Allein die dreijährige Inhaftierung des bekanntesten chinesischen Bürgerrechtlers Hu Jia zu Beginn dieses Jahres, hätte für den Start der Spiele in Peking einen mindestens zeitweiligen Stop bedeuten müssen. Der Buergerrechtler hatte sich Ende 2007 kritisch über die Austragung der Spiele vor dem europäischen Parlament geäußert. Anstatt Hu Jia wieder freizupressen, haben Rogge/Samaranch nur aufs Geld geachtet und sich das Leben einfach gemacht. Hätte man Herrn Hu Jia freibekommen, wäre dies auch im chinesischen Volk bekannt geworden und man wäre den Unterstützern dankbar gewesen. So aber hinterlassen die Olympischen Spiele einen negativen Beigeschmack auch im chinesischen Volk. Faire Sportler mit ihren Medallien sind olympische Helden. Aber die Helden, die es noch viel mehr braucht in unserer heutigen Welt und die ihr Leben für andere riskieren werden bedroht, sitzen nun (auch wegen Olympia) im chinesischen Gefängnis oder "verschwinden" einfach. Dies dürfen wir nicht übersehen und auch niemals akzeptieren.

Obwohl manche ausländische Medien einige Tatsachen hinsichtlich Olympiade in Peking angegeben haben und sie versuchen alle gesellschaftliche und politische Probleme Chinas nach ihren eigenen Vorstellungen zu lösen, täuschen sie sich. Die chinesische Besonderheiten und Traditionen dürfen nicht ignoriert werden. Man kann sich gut vorstellen, was ein westliches Land mit 1,3 Milliarden Bevölkerungen tut, wenn es eine sichere und friedliche Olympische Spiele veranstaltet? Wahrscheinlich haben fast alle emotionale westliche Medien diesen Gedanken schon längst in den Abseits geschoben. China befindet sich in der Umgestaltungsphase und hat große Anstrengungen unternommen, sich weiter demokratisch und wirtschaftlich zu entwicklen. Während dieser Phase sind wir selbstversändlich mit vielen Herausforderungen und Problemen (Demokratie, Umweltschutz...) konfrontiert. Allerdings könnten alle solche Probleme nicht gelöst werden ohne die Einsicht des wirschaftlichen Entwicklungsniveaus. Nicht einmal war ein kapitalistisches Land im Westen in der Entwicklungsphase sich bewusst, die Menschenrechte und der Umweltschutz in den Vordergrund zu stellen. Mein Fazit ist: China braucht objektive Kritik aber nicht überemotionale Verachtung.

Für die meisten Chinesen unfassbar, wurde China anlässlich der Olympiade in einer konzertierten Aktion westlicher Politiker und Medien an den Pranger gestellt. Die westlichen PR-Profis waren den Chinesen im Medienkrieg weit überlege. Sie ließen die Grenzen zwischen Täuschung und Verhüllung stetig zerfließen, und sie kreierte eine neue Wirklichkeit von China, die sich einfach nicht mehr fassen lassen will. Die westlichen Medien, früher ein Sinnbild für Freiheit, Fairness und Demokratie, haben mit ihrer stets fühlbaren Feindseligkeit und ihrer einseitigen Berichterstattung ihr Ansehen in der chinesischen Öffentlichkeit verspielt. Dieser Auftritt war letztlich wirksamer als jede patriotische Schulung der kommunistischen Partei. Die Kampagne hat nachhaltige Spuren in den Köpfen und Herzen der Menschen hinterlassen, im Westen und in China. Statt getreu der olympischen Idee die Annäherung zu fördern, wurde einer neuen Blockbildung Vorschub geleistet. Die Verantwortung hierfür tragen die westlichen Medien und Politiker, die sich dadurch selbst disqualifiziert haben.

Mit diesen olympischen Spielen in China verloren die Spiele, wenn nicht sogar der Leistungssport im allgemeinen, die Unschuld. Nicht aus Rücksicht auf den Sport oder die Sportler übersahen die Funktionäre Themen wie Zensur, Nichtbeachtung der Menschenrechte, Einschränkung der Freiheit der persönlichen Meinungsäußerung, Leistungssteigerung durch Doping? etc, etc. Es ging um Macht und Kommerz. Wenn ein alter Menschenverächter wie Sammaranch seinen Verbündeten im Geiste noch vor Ende der Spiele ein überragendes Zeugnis ausstellt, dann spricht das einfach für sich. Sicher, die Organisation der Spiele war perfekt - zumindest wenn man den Berichterstattern Glauben schenken darf. Nur wenn alles vorhersehbar ist, wenn selbst die Sieger vorhersehbar sind, dann hat die Magie des Augenblicks keine Chance. Wenn alles dem Sieg und damit dem Ruhm des Landes - oder besser der Partei - untergeordnet wird und wenn der Rest der Welt sich aus überwiegend pekuniären Interessen dieser Willkür beugt, dann bleibt für Sport kein Platz mehr. Persönlich habe ich, obwohl sehr sportinteressiert und selbst Sport treibend, diesen Circus ignoriert und mir fehlt nichts. Diese Spiele haben zumindest mir, China und das chinesische Volk nicht näher gebracht.

Von den Spielen hab ich eigentlich so gut wie nichts mitbekommen. Außer das Gold für Sabine Spitz beim Mountainbike. Wer diesen Sport kennt, weiß wie fit man als Amateur dafür sein muss und wieviel Können und Mut er abfordert. Und wer selbst mal mit Sabine im Startblock stand oder am Abend vorher mit ihrem Team bei einer Nudelparty war, der weiß welche Ausstrahlung diese Frau hat und wie sie einen mitreisst, welche Herzlichkeit sie ausstrahlt. Über ihre Goldmedaille freue ich mich noch am meisten, denn gerade diesen Sport habe selbst als saubersten erlebt. Es entscheidet da nicht allein die reine Konditionsbolzerei wie auf der Straße, sondern auch Geschick und Können - und Sabine Spitz ist eine Göttin auf Stollenreifen ! Über die Chinesen habe ich meine Meinung nicht geändert. Für jede Diktatur ist es ein Klacks, reibungslose Show abzuliefern. Wer weiß, welche Sauereien neben der Verurteilung zum Umerziehungslager für zwei Seniorinnen und der Deportation systemkritischer Uiguren publik geworden wären, hätte es eine freie Berichterstattung gegeben. Olympia ist nicht politisch ? Das war die größte Täuschung von allen...

Schon die gesamten Tage zieht sich die Berichterstattung der Presse fast ausschließlich am politischen roten Faden durch das Geschehen. Mein Fazit für den Sport, und auch für den Deutschen Sport, sieht anders aus. In 31 Sportarten sind die Sportler der Welt zum Leistungsvergleich angetreten. In 14 Sportarten sind Athleten aus Deutschland auf den ersten 5 Plätzen gelandet. In 4 von 31 Sportarten, im Hockey, im Kanusport, im Modernen Fünfkampf und im Reiten belegt Deutschland in der Nationenwertung den 1. Platz. Bei Licht betrachtet, eher Sportarten die man zu den sogenannten "elitären" Sportarten zählen kann. In sogenannten Breitensportarten sind wir fast gar nicht vertreten. Zum Beispiel in der Leichtathletik belegen die Deutschen Platz 37. Ist es ein Spiegel unserer Gesellschaft in der gerade noch Randsportarten neben dem "Kapitalsport" eine Chance haben? Mein Fazit ist die Feststellung, dass die Sportvereine, Verbände und Verantwortliche für den Breitensport einen ungenügenden Job tun. Offensichtlich bringen sie es nicht fertig unsere Kinder und Jugendlichen zu motivieren sich für den sauberen Sport und Leistung zu begeistern! Unsere Gesellschaft hat wohl andere Leitbilder entwickelt die den Sport ins Abseits gestellt haben.

Diese Spiele haben leider wieder gezeigt, dass es nicht nur die Radfahrer als Sportart sind, wie vor Olympia so gerne dargestellt, die betrügen. Auch das Theater um Pressefreiheit und freier Zugang zu den Medien war eigentlich geheuchelt, oder hat jemand gedacht, dass China sich ändern wird? Haben wir schon 1989 und die Geschehnisse auf dem Platz des himmlischen Friedens vergessen? Aber das ist Politik, da mischt sich das IOC ja nicht ein. Freuen wir uns also auf die nächsten Spiele in einem freien Land, Sotschi 2014 wir kommen oder London wir kommen. Hier haben die Journalisten dann wahrscheinlich bis dahin, 2012, sogar Zugang zu allen Daten der Bürger.