
"Locker und lustig wird es nicht werden", schreibt Petra Kolonko. Doch warum eigentlich sollte man bei dieser Olympiade nicht seinen Spaß haben? Man kann die Entscheidung des IOC kritisieren, die Olympischen Spiele an China zu vergeben. Andererseits ist dies nicht das erste Mal, dass das IOC die Olympiade an ein diktatorisches Regime vergibt. So hatte man schon 1981 keinerlei Skrupel, ausgerechnet die südkoreanische Hauptstadt Seoul zum Austragungsort für die Olympischen Spiele von 1988 zu wählen, obwohl in Südkorea zu jenem Zeitpunkt noch der Diktator Park Chung-Hee herrschte, der 1980 in Gwangju gar ein Massaker unter Demokratiebefürwortern anrichten ließ, bei dem schätzungsweise 207 Zivilisten ihr Leben verloren. Die Politik ist in China so wie sie ist. In den letzten Jahren hat es in China vor allem eine wirtschaftliche Öffnung gegeben - die politische Öffnung wird wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen. Abgesehen davon ist China ein Land mit einer faszinierenden Kultur und mit tollen Menschen. Allein schon die schiere Größe des Landes ist atemberaubend. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Stadt Peking flächenmäßig so groß ist wie das gesamte Belgien?

Ausgerechnet das IOC, dessen Ursprünge letztendlich in der "Wiege der Demokratie" zu finden sind katzenbuckelt vor einem Land, in dem Menschenrechte einen geringen Stellenwert haben. Es ist traurig zu sehen wie unsere Ideale zugunsten des Sports verraten werden. Die westlichen Demokratien haben an Glaubwürdigkeit verloren.

Obwohl ich ein Fussballnarre bin werde ich während dieser Olympiade wegbleiben. Das heißt, nicht nach China reisen und auch den Fernseher nicht drauf einstellen. Hauptschuld an dem ganzen Mist haben die Sponsoren und die sich selbst verkaufenden IOC Politiker. Das chinesische Volk selbst ist schuldlos an dieser Persiflage.

Westliche Wirtschaftsunternehmen machen ja auch schon seit geraumer Zeit ihre Erfahrungen damit, dass Chinesen Verträge offenbar anders interpretieren als wir das gewohnt sind. Trotzdem meint man wohl, dass die Vorteile der Kooperation überwiegen. Ähnlich argumentiert ja auch das IOC. Man sollte dann aber ehrlicherweise diese "Versprechen" nicht als solche präsentieren, weil ansonsten nämlich passiert, was jetzt passiert ist: alle Welt pocht auf die Buchstaben der Zusagen des IOC, die es aber gar nicht einhalten kann, weil es bei der Umsetzung (z.B. zensurfreier Internetzugang für Journalisten) auf die Gastgeber angewiesen ist. Es kann gut sein, dass das am Ende dem IOC mehr schadet als den Chinesen. Es steht ja nirgendwo geschrieben, dass es bis in alle Ewigkeit Olympiaden geben muss...