„Die Chinesen haben mich bislang nicht von den Vorzügen ihres Systems überzeugt”

Innenminister Schäuble im Gespräch

„Wir sollten Respekt haben vor Chinas Entwicklung“

Mit ihrem Drang nach Kontrolle scheint die chinesische Regierung eine Woche vor den Spielen schlimmste Befürchtungen zu bestätigen. Im Interview spricht Innenminister Schäuble (CDU) über Olympia 1936 und 2008, Menschenrechte und seine Begeisterung für Leichtathletik.

Lesermeinungen zum Beitrag

05. August 2008 00:48

Ist das nicht schön, Frau Steer,

Michael Menzel (Galenos)

daß wir hier im Lande noch so eine grobe Kritik äußern dürfen ohne erschossen zu werden oder in Arbeitslager zur Verrottung "verbracht" zu werden? Ich meine das ganz ernst und gebe Ihnen völlig recht zu dem, was Sie über Schäuble schrieben. Es hätte von mir stammen können. Ich habe Schäuble bis gestern immer hoch geschätzt und konnte garnicht glauben, was er da in dem Interview von sich gegeben hat. So schnell kann man vom Weisen zum politischen Nichts werden; na ja wenigstens nach meiner unmaßgeblichen winzigen Meinung. Dabei spielen Parteizugehörigkeiten keine Rolle. Eine Steigerung ins Negative habe ich schon mehrfach von Steinmeier lesen und ein bißchen kommentieren dürfen. Was sind das nur für Leute, die Deutschland regieren und Letzterer auch noch mit dem Anspruch der Kanzler der Deutschen werden zu wollen. Wir sind nicht nur in einem wirtschaftlichen Abschwung, sondern in einer progredienten Dekadenz im Materiellen UND Ideellen. Ob Schäuble die Radikalität der Chinesen klammheimlich beneidet? Seine weitgehend mißglückten Rundumschläge im "Sicherheitsbereich" sind auf doch auf eine noch relativ gut funktionierende parlamentarische Kontrolle zurückzuführen. Vor ernsthaftem Terror wird er uns so oder so nicht schützen können.

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04. August 2008 20:17

Wie erbärmlich

Margrit Steer (Margrit-Steer)

Der Mann ist mehr und mehr untragbar. Das Interwiev besteht nur aus Allgmeinplätzen und Widersprüchen in sich. "Ja sie können ihre Meinung äußer - sollten doch aber nicht" Menschenrechte, die wir doch immr überall so anprangern, werden schnell zur Seite gelegt, wenn sie nicht so opportun sind und grad nicht ins Tagesgeschehen passen. Schäuble wird immer mehr zu einer Gefahr für unser eigenes Land und untragbar in seiner Verharmlosung was China betrifft.

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04. August 2008 14:42

Edle Seelen

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Die Heuchelei der edelen deutschen Seelen ist unerträglich. Natürlich hat China Defizite in Sachen Menschenrechte und wir müssen uns eingestehen, dass es wohl noch ein paar Jahre braucht. Während sich unser edlen Seelen über die Menschenrechtsverletzungen in China empören, werden die Menschenrechtsverletzungen auf deutschem Boden (keine 20 Jahre her!) weiterhin totgeschwiegen, verharmlost, die Nachfolgepartei dieses Diktatur sogar als Steigbügelhalter für den Einzug in eine Landesregierung akzeptiert. Mehr Heuchelei geht nicht!

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03. August 2008 18:06

Schäuble hat recht

Ralf Kowollik (InterNETkobold)

Die deutschen Journalisten kommen nach China und merken, dass (a) China eine Diktatur ist, und (b) dass es in China keine Meinungsfreiheit gibt. Welch eine Entdeckung! Aber, mit Verlaub, das wussten wir alles schon vorher, nicht wahr? Es ist dies auch nicht das erste Mal, dass eine Olympiade unter den Bedingungen einer Diktatur stattfindet. Schäuble hat recht, wenn er daran erinnert, dass wir Deutschen in dieser Beziehung kein ungeschriebenes Blatt sind. Mir ist nicht bekannt, dass die ausländischen Staaten massenhaft zum Boykott aufriefen, als 1936 die Olympischen Spiele mitten in Nazideutschland stattfanden, und die Spiele von den Nazis schamlos für ihre propagandistischen Zwecke ausgenutzt wurden. Ich selbst freue mich bereits auf die Olympiade 2008 in Peking! Die Chinesen haben bei der Errichtung der olympischen Infrastruktur Großartiges geleistet - wobei in diesem Zusammenhang daran erinnert sei, dass China nach wie vor ein Schwellenland, also faktisch noch ein Entwicklungsland ist. Auch in dieser Beziehung hat Schäuble recht, wenn er Respekt vor der Leistung der chinesischen Gastgeber anmahnt.

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03. August 2008 17:03

Die FAZ ist wirklich was ganz besonderes!!

Peter Graf (Peter_Graf)

Da wird sich beschwert das die bösen Chinesen Peking in ein potemkisches Dorf verwandeln, indem sie Fabriken schließen, die KFZ Nutzung reglementieren etc. Das ist wirklich zum Lachen! Würden die Chinesen selbige Maßnahmen nicht ergreifen, hätten wir doch ein paar Tage später dieselben FAZ Schreiberlinge am rumnölen, wie dreckig und verschmutzt doch alles sei in Peking. Ich denke für die Chinesische Führung gilt bei diesen Spielen ohnehin das Motto "Wie mans macht, man machts falsch!" Zu Herrn Schäuble kann ich nur sagen: Hervorragend! Kühl, analytisch die Situation beschrieben und die richtigen Schlüsse gezogen. Frei jeder schwärmerischen Gefühlsduselei für Menschenrechte und Tibet, wie man sie leider bei so vielen Politikern aus der zweiten Reihe und auch bei vielen Journalisten vorfindet.

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03. August 2008 16:32

Schäubles Abstieg in die Bedeutungslosigkeit

Marc Monet (MarcMonet)

Die Argumentationen von Herrn Schäuble sind in der Tat erschreckend und glänzen durch opportunistische Gehaltlosigkeit. Ein paar Beispiele: (1) China darf die Spiele nicht missbrauchen, aber wir Deutschen dürfen Missbrauch nicht ohne weiteres zur Sprache bringen, (2) Sportler dürfen ihre Meinung sagen, sollen aber auch ihr jahreslanges Training nicht mit entsprechender Meinungsäußerung gefährden, (3) Wir sollen Respekt vor den Bemühungen Chinas haben, aber es ist nicht notwendig das Deutschlands höchstes politisches Amt (Frau Merkel) den Spielen beiwohnt. (4) Herr Schäuble ist ein Fan der Leichtathletik, war bis vor kurzem aber bekannt als ein Fan des Radsports (zu glauben es gibt weniger Doping in ersterer Disziplin, als auch den meisten anderen Sportarten, ist naiv populistisch). Natürlich ist die Welt selten schwarz oder weiß und eine differenzierte Analyse ist in der Regel begrüßenswert. Allerdings darf man von einem Innenminister eine klare Meinung erwarten. Herr Schäuble scheint von dem befremdlichen politischen Vorsichtsgedanken besessen zu sein, niemanden auf die Füße treten zu wollen. Aber derjenige, der aufhört sich eine Meinung zu bilden, hört auf Bedeutung zu haben und eine Führungspersönlichkeit zu sein.

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03. August 2008 15:47

Big Schäuble again

Peter Mobber (Bronzino)

Wolfgang Schäuble. Schon vor 30 Jahren beschäftigte er sich mit leistungsfördernden Substanzen im Sport. Als Chef der Opposition im Sportausschuss des Bundestages regte er 1977 an, dass den deutschen Athleten Anabolika verabreicht werden sollten – obwohl die Dopingsubstanzen international längst verboten waren. Zitat Schäuble: „Wir wollen solche Mittel nur sehr eingeschränkt und …unter ärztlicher Verantwortung einsetzen…weil es offenbar Disziplinen gibt, in denen heute ohne den Einsatz dieser Mittel der leistungssportliche Wettbewerb in der Weltkonkurrenz nicht mehr mitgehalten werden kann.“ Quelle: http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_4772130.html Das unserem obersten "Datenschützer" die Chinesen mit ihrer Firewall gefallen, daran besteht kein Zweifel. Ich frage mich nur wie lange die Deutschen sich diesen Menschen noch als Innenminister antun wollen.

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03. August 2008 14:54

Abenteuerlich

Andreas Grey (Arbitrage74)

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man kritische Worte von Herrn Schäuble nicht hört, solange man ihm nur ein ausreichendes Kontingent an Sitzplatzkarten zur Verfügung stellt. Wir Deutschen dürfen also über China nicht urteilen, weil wir uns im Jahr 1936 abscheulich verhalten haben. Dieser Logik folgend sollten wir jegliche Kritik an den Mugabes dieser Welt sofort einstellen und für immer schweigen. Humoristische Züge hat auch der Hinweis, dass die Chinesen den Kampf gegen Doping sehr ernst nehmen. Dass dies selbstverständlich nicht der Fall ist, wird spätestens dann ofkundig, wenn wir die chinesischen Schwimmerinnen und Kugelstosserinnen bestaunen dürfen. Die dürfen auch diesmal über ein Bauarbeiterkreuz verfügen, dass jeden Vorarbeiter von Hochtief in Erfurcht erblassen lässt. Im Gegensatz zu Herrn Schäuble fehlt mir schliesslich der Respekt vor der Entwicklung Chinas. Was soll man von einer Regierung halten, die 1 Billionen US-Dollar in Unternehmen weltweit investiert, aber nicht die notwendigen Mittel aufbringt, um die obdachlose Bevölkerung nach dem Erdbeben in Frühjahr mit Zelten zu versorgen. Dafür waren wir Deutschen gut genug. Schliesslich haben wir seit 1936 ja noch einiges gut zu machen.

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03. August 2008 13:05

Wir sollten den Respekt vor Diktaturen verlernt haben!

Michael Menzel (Galenos)

Schäubles Hinweis auf eine vermeintliche Kollektivschuld der heutigen Deutschen und das satanische Diktat Hitlers vor 72 Jahren ist eine Unverschämtheit indem er uns damit das Recht auf Verurteilung der Unmenschlichkeit des Chinesischen Regimes abspricht und relativiert. Sind wir also noch immer nicht nicht so weit entnazifiziert, entschuldet und reif, Menschenrechtsverletzungen in Ländern der Welt anprangern zu dürfen? Wir sollten keinen Respekt haben vor "Chinas Entwicklung" - was immer Schäuble mit diesem verschwommenen, nichts sagenden Geschwurbel meint - wenn wir die Entwicklung einer despotischen Oligarchie betrachten. Selbstverständlich müssen wir DIE MENSCHEN dieses ungeheuer großen Volkes "respektieren", besser noch im christlichen Sinne, lieben wie uns selbst und als Unsresgleichen ansehen. Aber deren Unterdrücker müssen wir NICHT lieben, sondern schonungslos Unrecht da anprangern, wo wir es erkennen. Schäuble hätte besser zu diesem Punkt geschwiegen und nicht wie auch Steinmeier eine Soße des Appeasements darüber gegossen. Si tacuisses..., Herr Schäuble!

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03. August 2008 11:24

Respekt ja - die Frage ist wovor.

Benedikt Gresser (Benediktus)

Dass die chinesische Bevölkerung Großartiges geleistet hat, geduldig erträgt und schwere Belastungen überstanden hat, hat den größten Respekt verdient. Sie ist China. Die momentane Führung muß erst noch beweisen, ihrer Verantwortung gerecht werden zu können.

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