Die Spiele waren perfekt organisiert

Ein überzogener Nationalismus war während der Olympischen Spiele nicht zu spüren, nur selten gab es unfreundliche Töne. Im Glanz des Erfolges braucht sich Chinas Nationalismus nicht zu behaupten. Doch besteht die Gefahr, dass die antiwestlichen Töne wieder lauter werden. Von Petra Kolonko, Peking

Lesermeinungen zum Beitrag

01. September 2008 23:15
Herr Sell, Herr Goebel, spricht  
Gabor von Zoltan (Putinras)

etwas wesentlich Wichtigeres an, wie jene Krankenversicherung, von deren echtem Nutzen wir tatsächlich nichts wissen können (also ganz im Sinne Ihrer Vorhaltungen ;-). Er spricht die Umweltprobleme an, die China produziert und die ein Mass angenommen haben, für welches - zum Beispiel - eigens die Skala möglicher Verschmutzungsgrade von Fliessgewässern um eine zuvor unbekannte Stufe erhöht werden musste. Selbst wenn man also ihren Gedankengängen folgen wollte (was ich keinesfalls tue), dass alles, was in China passiere, halt einfach Innenpolitik sei und uns nichts angehe - worunter dann logischerweise auch sämtliche Rechtsstandards bis hin zur klaren Trennung der drei Gewalten fällt! - , ist die Umweltfrage in dieser klein und immer schmutziger gewordenen Welt kein Problem, das einfach an einer Grenze (sei es die eines Staates oder jene eines beschränkten Vorstellungsvermögens) halt machen wird. Es trifft alle: Die arroganten "Besserwessis" wie auch die ernsthaft Besorgten, die überzeugten Weggucker oder plumpen Amibasher bis hin zu den fleissigsten Peking-Bejublern. Ganz abgesehen davon, dass der "Wallmart-Effekt" schon seit Jahren zu greifen anfängt... Was sich aber ganz offensichtlich gemütlichst verdrängen lässt.

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01. September 2008 15:00
China im Glanz des Erfolges und "Krankenversicherung"  
Karl Wilhelm Goebel (kwg1a)

Es fällt mir und sicherlich anderen Lesern auch, sehr schwer nachzuvollziehen, was die Message des Beitrages von Stefan Sell v. 30.8.08 sagen will. Berührt werden darin ausschließlich innerstaatliche Regelungen oder meint er, dass sich Europäer besserwisserisch mit Fragen befassen sollten ,ob und wenn ja, welcher Krankenversicherungstyp in China ein- oder fortgeführt werden soll? Herr Sell, Sie haben das Ursprungsthema leider voll verfehlt.

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30. August 2008 11:29
@ sven smash (lightningQ):  
Stefan Sell (Serrax)

Wir werden sehen, was diese "Krankenversicherung" wirklich bedeutet. Wenn es sich dabei nur um einen Gutschein für zwei Tabletten Aspirin handelt, ist sie nichts wert. Ansonsten halte ich die staatlich tolerierte massive Umweltverschmutzung - und Umweltzerstörung für erheblich schädlicher, als das mit einer Mini-Krankenversicherung kompensiert werden könnte. Übrigens hat schon Bismarck versucht mit sozialen Trostpflastern die Gegner zu besänftigen - erfolglos. Es bleibt dabei: Wirtschaftliche Erfolge ohne Fortschritt bei den Menschenrechten ist belanglos.

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30. August 2008 07:23
Toleranz gegenüber China?  
Karl Wilhelm Goebel (kwg1a)

Westeuropäer sind seit Jahrzehnten mit TUI & Co auf Entdeckungsreisen. Wir schlendern über Basare, sind vielleicht sogar arrogant gegenüber dortigen Einheimischen und leben im Ausland i. d. Regel in einem abgeschotteten Areal. Der erbärmliche Nahrungsmittelaustausch auf dem dortigen Markt dient als Video- oder bunte Fotokulisse. Von lauwarmen Mitleid begleitet. Verbandelt sind wir deshalb aber nicht im Entferntesten. Die wahren Verhältnisse lernen wir ohnehin nie kennen. Die "Anderen" sind unsere Dienslteister. Kaum einer von denen würde unsere Kulturinhalte übernehmen wollen. Für die dortigen Geschäftemacher sind wir mehr oder weniger willige Konsumidioten. Auch gegenüber China sollten wir uns Besserwisserisches abgewöhnen, keine aufklärerischen Sinnsprüche oder amerikanische Demokratieverständnisse verbreiten, denn wir sind keine Missionare, wollen das, wenn wir klug sind, auch nicht werden. Und deren Innenpolitik geht uns erst einmal nichts an. Wenn wir helfen wollen, sollen, müssen, wäre es intolerant oder kindisch, nach der Einstellung der Hilfeempfänger zu fragen. Kulturen verbreiten und verändern sich völlig anders, in der Regel nicht...und erst recht nicht über die BILD - Zeitung oder andere Boulevard"ismen".

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29. August 2008 10:32
I see your point, Herr Goebel  
Gabor von Zoltan (Putinras)

Obwohl ich mich natürlich etwas scheue. Denn ich möchte nicht glauben, dass damit einfach erlärt werden könnte und sollte, dass "wir" halt einfach "weiter" seien, als die "Gelben". Lassen Sie mich den Gedanken aber trotzdem weiterführen: Im Gegensatz zu Rom oder Athen, sind wir einfach viel enger verbandelt mit China. Zwischen der Seidenstrasse und dem Datenhighway besteht bereits ein Riesenunterschied. Zwischen Karawanenkamelen und riesigen Containerschiffen erst recht. Im Gegensatz zu den Wirtschaftsverflechtungen des römischen Reiches ist es ja nicht so, dass wir von fernen Ländern - welche die Römer selbst niemals betraten und somit auch nur einen lächerlich marginalen soziokulturellen Austausch bewirken konnten! - Dinge importieren, die es bei uns einfach gar nicht gibt; also z.B. Seide oder Weihrauch. Wir importieren ausschliesslich Güter, die wir hier genau so gut, wenn nicht besser produzieren könnten. Bloss nicht so billig. Und das wiederum nicht, weil wir hier diesen anderen gesellschaftlichen Konsens gefunden hatten, der uns nun verloren zu gehen droht: Wandel durch Handel! - Aber in die vollkomen falsche Richtung, die weder uns noch den chinesischen Arbeitnehmern zu gönnen ist. Wir MÜSSEN auf Rechts-Standards bestehen!

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28. August 2008 19:53
Immer wieder Begriffe, die nicht passen  
Karl Wilhelm Goebel (kwg1a)

Mein Vorredner vergisst die europäische Zeit vor der französichen Revolution, in der Gewalt, Bevormundung, Rechtlosigkeit und Menschenverachtung, gerade vom selbstherrlichen Adel ausgehend, üblich und verbreitet waren. Von Bürgern im Jahre 2008 zu sprechen, wenn man die Bewohner der 1,3 Milliarden großen Population "Chinesen" meint, verrät den Geist von 1789 oder den von Rom oder Athen... Die kannten immerhin "Barbaren". Also nochmals: Was wollen Sie mit (nur hier!) wohlklingenden Worthülsen in einer völlig anderen Kultur? Demokratische Errungenschaften sind für China (noch) unverständlich. Und, wie hätten unsere absolotistischen Herrscher seinerzeit wohl reagiert wenn damals die "Gelben" gekommen wären um ihnen vorzuhalten, wie sie mit dem Volke umzugehen haben? Und, noch hübscher: sonst bekämen sie keine Seidenstoffe mehr... Alles zu seiner Zeit, alles in seiner Zeit. Billige Vor- /Urteile, gerade über beklagenswerte Zustände in anderen Kulturen, können keinen Millimeter weiter führen. Steinmeier könnte vielleicht mit der Führung anregend diskutieren... Wenn er für Chinesen in diesen Fragen, und nur darin, kompetent ist. Ich habe da ein paar Zweifel.

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28. August 2008 15:37
Ihre Definition von "Bevormundung" wäre spannend, Smash  
Gabor von Zoltan (Putinras)

"Sie brauchen keine Bevormundung von dem Westen" - Nein. Ganz gewiss nicht. Es kann allerdings schlecht "Bevormundung" genannt werden, wenn bloss im Westen über Themen berichtet werden darf, welche die chinesischen Bürger zwar direkt betreffen, daheim aber auf keinen Fall ausgesprochen werden können. Oder es geht ab hinter schwedische Gardinen (siehe Dissidenten, die einfach bloss auf Rechte von Chinesen aufmerksam zu machen versuchten). Jene Chinesen, welche die Willkür ihres Regimes trifft, sind sehr froh darüber, wenn zumindest im Westen über sie berichtet wird. Ist für diese Situation das Wort "Bevormundung" gerechtfertigt? Durch den Westen gar?! Der chinesische Staat verhindert doch mit Willküranordnungen bis hin zu nackter Gewalt gegenüber den eigenen Bürgern, dass auch nur über Unstimmigkeiten berichtet werden könnte. Er schaltet bewusst - und absichtlich über die Köpfe der Betroffenen hinweg! - die Möglichkeit aus, dass sich die chinesische Öffentlichkeit mit bestehenden Problemen selbst auseinander setzen kann und verhindert damit jede Selbstregulierung. DIESES Vorgehen nennt man zu Recht "Bevormundung". Gerade das dem Westen vorzuwerfen, wäre lächerlich... Wenn es nicht so brutal menschenverachtend wäre!

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28. August 2008 11:57
@all China Kretiker  
sven smash (lightningQ)

Kritik ohne fundierte Hintergrundwissen auszuüben ist einfach, zumal Kritik an China zurzeit sehr In ist. Aber es stellt sich auch die Frage, wie die chinesischen Bürger, die ja in diesem Land leben über ihr eigenes Land denken. Sie brauchen keine Bevormundung von dem Westen, das über ihre all so schlimme Menschrechtslage beklagt und sie kaum zu Wort kommen lassen. Es wird einfach über ihren Köpfen hinweg über sie diskutiert. Das ist, wie ich finde auch eine Diskrementerung!

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28. August 2008 11:47
@Stefan Sell (Serrax)  
sven smash (lightningQ)

Dass die 700 Millionen Bauer eine Krankenversicherung vom Staat bekommen haben, dass eine schwere Krankheit nicht gleich dem Ruin bzw. Abrutsch in einen Schuldenberg bedeutet, dass man auch in so einem Fall genug Reis auf den Tisch bekommt, dass die Menschen auch in den ungelegensten Gegenden allmählich eine Stromversorgung bekommen zählt für Sie also nicht zu den Erfolgen in Sachen Menschenrechte?

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28. August 2008 10:15
Irgendwo schon.  
Gabor von Zoltan (Putinras)

Wäre es ev. auch humorig, wenn Sie als nächstes behaupten würden, Sie kennen einen Mann, der als Bauernjunge zu Sklavenarbeit in Ziegeleien gezwungen wurde, statt Lohn nur Schläge und Hunger erlitt, aber angeblich gar keinen Sinn für Arbeiterrechte habe? Wollen Sie uns ev. weis machen, dass die enteigneten Menschen der Staudammprojekte, denen Heim und Herd gegen leere oder wertlose Kompensationsversprechen abgenommen wurden, eigentlich gar keine Rechtsstaatlichkeit wünschen... Weil die sowieso nur westlich dekadent ist? Wollen Sie uns vielleicht ausführen, dass Sie z.B. eine Tibeterin kennen, deren Famlienangehörige (ebenso wie der Panchen-Lama als 6jähriger) einfach verschwunden sind, nachdem z.B. ein Bild des Dalai Lamas bei ihnen gefunden wurde, sie aber die Idee der Menschenrechte als blödsinniges Hirngespinst französischer Aufklärung ablehnt? Humorig ist das falsche Wort; okay! Absurd trifft es aber ganz gut. Und frivol ist es auf jeden Fall. Trotzdem wäre es schön, Sie würden etwas mehr Energie dafür verwenden, was es für den EINZELNEN heisst (oder halt auch nur heissen kann) in einem Willkürregime zu leben. Die Argumente der Profiteure zu übernehmen, hilft weder Ihnen noch mir und den Bewohnern Chinas schon gar nicht!

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27. August 2008 19:18
Aufregende Kritiken an China  
Karl Wilhelm Goebel (kwg1a)

Wir diskutierenden Europäer blicken historisch auf die Kulturen der Griechen, der Römer, auf Rethoriker zurück, doch schon Karthago war eine dem Senat unpassende Welt...Und dann durchliefen wir noch die Aufklärung... Was soll erreicht werden, wenn wir heute, 2008, "die Chinesen" mit unseren Worthülsen zuschmeißen? Ich zitiere aus den Beiträgen: "Bürger" - "Menschenrechte" - "Toleranz" -- "Rechtsstaat" - "Willkür"- "Selbstregulierung" Fragen wir doch einmal, welches Menschenbild der Chinese von sich hat und für sich reklamiert. Fragen wir, wie Chinesen mit den (überhaupt bekannten?) Inhalten der zitierten Begriffe ohne Not umgehen. (Perspektive "von unten" und "Perspektive von oben"...) Ich kenne eine Chinesin, die im Tischtennis (Staatsinternat) zur Studentenweltmeisteirn herangezogen wurde. Morgens bekam sie ein Glas Wasser, wenn sie gut geleistet hatte, anstelle des Wassers: Kuhmilch. Sie ist (heute ca. 40 Jahre) erstaunt, wenn wir darüber staunen... Ist das humorig?

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27. August 2008 19:12
@ Sascha Schulz (sculz13):  
Stefan Sell (Serrax)

Danke für Deinen aufschlussreichen Kommentar. Da Du mich darin ebenfalls Duzt - diese Verhalten bei mir aber anprangerst - kann ich Dich leider nicht ernst nehmen. Und Toleranz für die Verherrlichung und Verharmlosung der DDR und die bringe ich gleich gar nicht auf. Für Isolationismus und Selbsthass habe ich ebensowenig Verständnis. Genau so beeindrucken mich die wirtschaftlichen Erfolge Chinas nicht, da sich an der Menschenrechtssituation nichts verbessert hat.

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27. August 2008 15:25
Herr Goebels Widerspruch ist doch zu humorig:  
Gabor von Zoltan (Putinras)

"Was haben die Chinesen mit der Kultur der Griechen, des Abendlandes und der so jungen amerikanischen Kapitalisten-Kultur zu tun?" Auch der zweite Teil dieser absurden Aussage (Stichwort: entrechtete Arbeitssklaven) wäre mit Leichtigkeit zu zerpflücken. Aber angesichts der Komik beschränke ich mich auf den ersten Teil.... Wo kommt die olympische Idee, die China so obsessiv für sich zu instrumentalisieren versuchte, gleich noch mal her?

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27. August 2008 13:43
@Smash... Aber, aber...  
Gabor von Zoltan (Putinras)

Klingt mir ein Bisschen zu sehr nach dem immer wieder bemühten "Autobahn"-Argument (als Beispiel dafür, was der gute Adolf doch auch Positives getan habe). Ich möchte die erwähnten Errungenschaften nicht in Abrede stellen (obwohl wir uns trotzdem vergegenwärtigen sollten, dass in einem Land, das keine freie Presse kennt, die Behauptung, dass nirgends mehr gehungert würde, überhaupt nicht zu überprüfen ist). Und ich würde meine Haltung sogar ernsthaft einer Prüfung unterziehen, wenn mir jemand ernsthaft einen Zusammenhang darlegen könnte, wieso diese Fortschritte nun einmal nur umsetzbar seien, wenn man tibetische Flüchtlinge, Frauen, Kinder, Alte, vor den Augen westlicher Bergsteiger weiterhin einfach abknallt wie die Hasen. Da dies nun einmal schlecht möglich ist, kann man doch den Kritikern nicht vorwerfen, dass sie darauf hinweisen, was in China schief läuft... Wenn das Regime dies den Chinesen selber nicht ermöglicht - und sich damit eben auch der Möglichkeiten zur Selbstregulierung beraubt! Die von Ihnen angesprochen Verbesserungen wären doch unter einer Regierung, die ihre Bürger nicht mit Willkürmassnahmen regiert, nicht schlechter, sondern in einem Rechtsstaat sogar besser - nämlich tatsächlich einklagbar - umzusetzen!

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27. August 2008 11:18
Stefan Sell  
Sascha Schulz (sculz13)

Hallo Stefan. Wie alt bist Du eigentlich, dass Du Dir erlaubst hier jeden ungefragt zu dudsen? Ein bisschen mehr Respekt wäre in Deinem Fall wohl angebracht. Aber wie Du schon kommentiert hast, Niemand ist perfekt, auch wir machen Fehler

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