15. April 2008 Die französische Olympia-Polizei hat einen feigen Anschlag auf die Pekinger Spiele vereitelt. Frankreichs Olympiateilnehmer wollten doch tatsächlich zur Eröffnungsfeier Plaketten auf der Brust tragen mit dem Slogan: Für eine bessere Welt“. Welch eine ungeheuerliche, geradezu infame Idee! Doch der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Frankreichs, Henri Sérandour, war wachsam: Er verhängte, Gott sei Dank, ein Verbot.
In der Tat, wäre das durchgegangen, hätte ja für jede andere Sache“ – so Sérandour – auf der Kleidung geworben werden können, etwa für die harmonische Entwicklung der Menschheit, eine friedliche Gesellschaft, gegenseitiges Verständnis oder den Schutz der menschlichen Würde. Am Ende hätte sich noch jemand sichtbar gegen jede Art der Diskriminierung gewandt. Das geht natürlich alles überhaupt nicht, für diese Klarstellung muss man Sérandour auf ewig dankbar sein.
Sérandour: Wegen Korruption verurteilt
Dass es sich bei harmonische Entwicklung der Menschheit“, eine friedliche Gesellschaft“, gegenseitiges Verständnis“, Schutz der menschlichen Würde“ und gegen jede Form der Diskriminierung“ um in der Präambel der Olympischen Charta genannte Begriffe aus den sechs Grundprinzipien des Olympismus handelt, tut rein gar nichts zur Sache. Werbung bleibt Werbung! (Wofür werben eigentlich noch mal die fünf olympischen Ringe?)
Ja, Sérandour kennt sich aus mit Grundprinzipien, dafür kämpft er mit großer Leidenschaft und Klarheit. Pierre de Coubertin, der Mitbegründer der modernen Olympischen Spiele, wäre bestimmt stolz auf diesen Landsmann. Leider hat Sérandour das Internationale Olympische Komitee (IOC) wegen Erreichens der Altersgrenze wieder verlassen müssen, und er wird dummerweise auch mindestens fünf Jahre lang keine Rolle in irgendeiner IOC-Kommission spielen können.
Ärgerliche Sache, Schwamm drüber
Denn die IOC-Exekutive sprach auf Empfehlung der Ethik-Kommission gegen ihn Ende 2007 eine entsprechende Sperre aus. Sérandour war zuvor wegen Korruption zu einer Geldbuße und zu einer Bewährungshaftstrafe verurteilt worden (wegen der Vergabe von Aufträgen an eine Firma, in der seine Frau, die ehemalige Spitzenschwimmerin Catherine Poirot, beschäftigt war).
Ärgerliche Sache. Schwamm drüber. Mit seiner neuen Prinzipientreue empfiehlt sich Sérandour dringend wieder für olympische Aufgaben. Wie wäre es denn mit einem Platz in der Ethik-Kommission?
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP