02. Februar 2009 Es sind Tage der großen Gefühle, der großen Worte und wohl auch des großen Geldes. Und all das hat mit Frankreich zu tun, mit Handball, mit dem Welthandballer“ Nikola Karabatic, mit der französischen Gipfelerstürmung in Kroatien. Frankreich ist die Konstante des internationalen Handballs, in Zagreb ist dies wieder deutlich geworden.
Und die Nation weiß nur zu gut, wie sie ihren Stars zu huldigen hat. Jedenfalls gratulierte Präsident Nicolas Sarkozy umgehend nach dem 24:19 über die Kroaten im Finale der Weltmeisterschaft, und die französischen Zeitungen bedachten die Nationalmannschaft, die in Peking bereits Olympiasieger geworden war, mit reichlich Pathos. Der Mount Everest nach dem Olymp“, so beschrieb der Figaro“ die französische Großtat in Zagreb.
Omeyer und Dinart herausragend
Das Blatt versuchte auch die Spannung einzufangen, die in diesem Endspiel lange geherrscht hatte – ehe die Franzosen ihre Überlegenheit gegen die Kroaten ausspielten, die schließlich vor allem mit den dänischen Schiedsrichtern haderten. Die Referees wurden als Banditen“ und Mafiosi“ beschimpft. Es ging“, so der Figaro“, Schlag auf Schlag in der höllischen Arena von Zagreb.“
Natürlich ließe sich auf Seiten der Sieger Thierry Omeyer vom THW Kiel besonders hervorheben, der zum besten Torhüter des Championats gewählt wurde. Selbstredend könnte man in spezieller Weise auch Didier Dinart würdigen, der wieder einmal das Zentrum des französischen Bollwerks bildete. Ein Kerl wie ein Baum, der Zerstörer schlechthin in der Deckung Frankreichs. Schließlich aber führt der Weg doch wieder schnell zu Karabatic, der seinen Anteil am französischen Triumph in Zagreb hatte, obwohl ihm im Finale nur“ zwei Tore gelungen waren.
Karabatic möchte Kiel unbedingt verlassen
Aber Karabatic ist derzeit so oder so im Gespräch. Er und seine Kollegen hatten am Sonntag sportlich Geschichte geschrieben, jedenfalls sahen die Franzosen das selbst so, Karabatic aber scheint nun auch in anderer Hinsicht in eine neue Dimension vorzustoßen: Angeblich bahnt sich – mit ihm als zentraler Figur – der erste Millionendeal im Handball an. Karabatic würde, man weiß das, sehr gerne den THW Kiel verlassen und nach Mannheim zu den Rhein-Neckar-Löwen wechseln.
Weil er dort vom kommenden Sommer an wieder mit seinem ehemaligen Trainer Zvonimir Serdarusic zusammenarbeiten könnte, weil der gemeinsame Weg, wie der Franzose unlängst behauptete, noch unvollendet sei. Der spektakuläre Transfer soll bald vollzogen werden, nach Medienberichten vom Wochenende geht es nur noch um die Ablösesumme für Karabatic.
Das Hause Hopp soll kräftig mithelfen
Der Franzose steht beim THW Kiel noch bis 2012 unter Vertrag, allerdings scheint das die wirtschaftlich offenbar gut aufgestellten Löwen nicht sonderlich zu stören. Jedenfalls ist davon die Rede, dass die Nordbadener den Kielern für Karabatic 1,5 Millionen Euro zu zahlen bereit seien, der französische Handballprofi selbst soll als Handgeld“ schätzungsweise 500.000 Euro erhalten. Über diese Summen wird im Norden Deutschlands spekuliert. Und auch darüber, dass die dänische Kasi-Group, die als Hauptsponsor bei den Löwen eingestiegen ist, vielleicht gar nicht die wirtschaftliche Potenz besitze, um einen solchen Handel zu bewerkstelligen – und dass deswegen das Hause Hopp kräftig helfe.
Jesper Nielsen, Chef der Kasi-Group und inzwischen auch Gesellschafter bei den Rhein-Neckar-Löwen, soll in Sachen Karabatic gegenüber einem dänischen Fernsehsender auf alle Fälle schon Vollzug gemeldet haben. Karabatic wird ab dem 1. Juli für die Löwen spielen. Er ist die Korsettstange in unserem Projekt, der weltbeste Handball-Klub zu werden.“ Mit Karabatic soll auch gleich der Slowene Vid Kavticnik vom THW Kiel verpflichtet werden, der Nordhorner Holger Glandorf würde angeblich ebenfalls sehr gut in das Mannheimer Konzept passen – diese Personalie ist jedoch mit Fragen behaftet.
Zu viel Material kann Probleme aufwerfen
Der Isländer Olafur Stefansson zumindest, Linkshänder wie Glandorf, hat bereits einen Kontrakt in Mannheim unterschrieben. Ein Verein also auf großer Einkaufstour: eine äußerst spannende, aber womöglich auch riskante Angelegenheit, schließlich geht es auch darum, ein passendes Teamgefüge zu schaffen. Eine deutsche Kraft der Löwen hatte unlängst bereits kritisch darauf hingewiesen, dass zu viel Material“ durchaus gewisse Probleme aufwerfen könnte.
Karabatic dürfte das vorerst kaum berühren: Der Rückraumspieler möchte Kiel unbedingt verlassen. Weil er über die Kieler Funktionäre, die ihn mit der Trennung von Serdarusic überrumpelt haben sollen, sehr verärgert ist. Die Chefs haben ihr Wort nicht gehalten“, klagte er unlängst. Am Sonntagabend allerdings sagte Karabatic nichts über seine nahe Zukunft. Aus gutem Grund: Es war ja in erster Linie ein bewegender französischer Abend. Mit Männern in Champagnerlaune.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, REUTERS