25:27 gegen Dänemark

Gegen den Europameister gescheitert

Von Rainer Seele, Zadar

Ein bitterer Abend: Sebastian Preiss

Ein bitterer Abend: Sebastian Preiss

28. Januar 2009 Es war von großem Stolz die Rede, aber auch von großem Ärger, die deutschen Handballspieler schwankten zwischen den Gefühlen. Sie glaubten in Zadar, sich selbst ein großes Kompliment machen zu können, schließlich hatten sie sich sehr achtbar gegen Dänemark geschlagen. Mit der 25:27-Niederlage gegen Dänemark hatte der Weltmeister von 2007 allerdings praktisch jede Hoffnung auf den Einzug in das Halbfinale der Weltmeisterschaft in Kroatien eingebüßt. Die letzte Hoffnung zerstob in den Schlusssekunden der Partie zwischen Polen und Norwegen. Mit ihrem Treffer zum 31:30 zog die polnische Mannschaft an den Deutschen vorbei (siehe: Handball-WM: im Halbfinale) - ein Unentschieden zwischen den Konkurrenten hätte die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand doch noch ins Halbfinale gebracht, das am Freitag stattfindet. Nun spielt sie am Donnerstag gegen Ungarn um Platz fünf.

Brand war trotzdem hochzufrieden mit dem Auftreten der deutschen Nationalmannschaft, sie hatte sich trotz der personellen Schwierigkeiten sehr couragiert gezeigt. Und sie hätten sogar gewinnen können, behaupteten die Deutschen - wenn zwei Rumänen auf der Höhe gewesen wären. Dabei handelte es sich wieder um die Schiedsrichter, mit denen die Deutschen in Zadar schon einmal hart ins Gericht gegangen waren.

Gegen Dänemark der beste deutsche Rückraumspieler: Lars Kaufmann (r.) wird von Sebastian Preiss getröstet
Gegen Dänemark der beste deutsche Rückraumspieler: Lars Kaufmann (r.) wird von Sebastian Preiss getröstet

„Ich muss als Trainer sehr vorsichtig sein“

Diesmal klagten sie wieder vehement über die Referees, von denen sie sich krass benachteiligt gefühlt hatten im letzten Spiel der WM-Hauptrunde. Bundestrainer Brand hielt sich diesmal mit kritischen Äußerungen ein bisschen zurück, offensichtlich war er nach seinem jüngsten Wutausbruch doch vom Internationalen Handballverband (IHF) gemaßregelt worden. „Ich muss als Trainer sehr vorsichtig sein“, sagte er nach der Partie. Der Gummersbacher nannte dann trotzdem ein Beispiel dafür, dass sein Team im spannungsgeladenen Duell mit den Dänen nicht immer korrekt behandelt worden sei.

So hatte der amerikanische IHF-Verantwortliche Christer Ahl eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Deutschland ausgesprochen, weil deutsche Spieler auf einen angeschlagenen Kollegen hingewiesen hatten. „Da kann man sich ein Bild davon machen, was stattgefunden hat“, sagte Brand. Er möchte, ließ der Gummersbacher noch wissen, zu „gegebener Zeit“ eine Diskussion über dieses heikle Thema anstoßen. Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), hätte sich am Dienstag schlichtweg mehr Fairness gewünscht.

Mit dieser Mannschaft will Brand bis Olympia 2012 arbeiten

Bredemeier erwähnte in diesem Zusammenhang zwar den Schiedsrichter-Skandal im Handball in Asien, sagte aber einschränkend, dass diese Dimension in Zadar nicht erreicht worden sei. Die Deutschen kreideten den beiden Rumänen, die über die Regel zu achten hatten, nicht zuletzt an, sich selbst uneins gewesen zu sein. Ihre Entscheidungen, lamentierte der Hamburger Torhüter Johannes Bitter, werde er wohl in zehn Jahren noch nicht nachvollziehen können.

Ein Abend also, der bittere Spurenelemente trug, den die Deutschen natürlich auch als eine sportliche Enttäuschung empfanden. Obwohl ein sich wandelndes Team in Kroatien deutlich gemacht hatte, dass es über beträchtliche Fähigkeiten verfügt - auch wenn es nach verheißungsvollem Beginn schließlich in der Hauptrunde zu keinem einzigen Sieg gereicht hatte. Brand ist gleichwohl davon überzeugt, dass sein neuer, sein verjüngter Kader Perspektive besitzt. Er sprach dieser Tage bereits davon, mit dieser Handball-Gemeinschaft bis Olympia 2012 arbeiten zu können.

EM und Olympia 2008, WM 2009: dänische Rückschläge

Tormann Bitter behauptete, den Blick auf das Aktuelle gerichtet, dass Deutschland den besseren, den schöneren Handball als die Dänen gespielt hätte. Auf alle Fälle hatten die willensstarken Deutschen - obwohl das Team auch den Ausfall von Spielmacher Michael Kraus hatte verkraften müssen - dem Europameister lange erhebliche Probleme bereitet, „mit großem Herzen“, wie Pascal Hens sagte. Der Hamburger war trotz einer Muskelverhärtung im Oberschenkel zunächst zwar eingesetzt worden, offenbar hatte er sich dabei aber übernommen. Hens musste jedenfalls nach einiger Zeit auf die Bank zurückkehren, für ihn sprang im linken Rückraum der Lemgoer Lars Kaufmann ein.

Er ist ein sehr wuchtiger Handballspieler, die Dänen bekamen das mehrere Male zu spüren. Kaufmann warf immerhin sechs Tore, erfolgreicher war nur der Lemgoer Kreisläufer Sebastian Preiss mit sieben Treffern. An den Dänen waren die Deutschen bei der Europameisterschaft 2008 in Norwegen im Halbfinale gescheitert, bei den Olympischen Spielen in Peking hatten sie in der Vorrunde ihre Meister in den Skandinaviern gefunden. Auf kroatischem Boden setzte sich diese Reihe der Rückschläge zwar fort. Doch die deutschen Handballspieler hatten diesmal guten Grund, auch Genugtuung zu offenbaren. Auch wenn dieses Empfinden beim Abschied von Zadar zunächst von ganz anderen Emotionen überlagert worden war.

Deutscher Frust, dänischer Jubel
Deutscher Frust, dänischer Jubel

Deutschland - Dänemark 25:27 (14:14)
Deutschland: Bitter (HSV Hamburg), Heinevetter (SC Magdeburg) - Hens (HSV Hamburg) 1, Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Klein (THW Kiel) 2, Müller (TV Großwallstadt), Strobel (TBV Lemgo) 3, Preiß (TBV Lemgo) 7, Glandorf (HSG Nordhorn) 3, Jansen (HSV Hamburg) 2, Schöne (Frisch Auf Göppingen), Kaufmann (TBV Lemgo) 6, Schröder (HSV Hamburg) 1
Dänemark: Hvidt - Mogensen 2, Boesen 1, Jörgensen, Jensen 1, Christiansen 2, Bruun Jörgensen 1, Eggert 3, Spellerberg 1, Knudsen 4, Hansen 4, Lindberg 6, Nielsen 2
Schiedsrichter: Din/Dinu (Rumänien)
Zuschauer: 3000
Strafminuten: 12 / 8



Text: FAZ.NET mit sid
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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