01. Februar 2009 Eigentlich sollte Hassan Moustafa sein Amt niederlegen. Das jedenfalls wünscht sich der Schweizer Peter Mühlematter, der Generalsekretär des Internationalen Handballverbandes (IHF). Er hat das Gebaren des ägyptischen IHF-Präsidenten auch während der Weltmeisterschaft in Kroatien hart kritisiert. Er glaubt, dass Moustafa dem internationalen Handball nicht gut tut.
Am Samstag nun geriet Mühlematter selbst in die Schusslinie. Weil er Moustafa und auch den spanischen IHF-Schatzmeister Miguel Roca scharf attackiert hatte, wurde er vom IHF-Rat zum Rücktritt aufgefordert. Doch der Berner Mühlematter, der den Ruf des Handballs beschädigt haben soll, bleibt standhaft. Er lehnte das Gesuch des IHF-Rats in Zagreb schlichtweg ab. Dieses Gremium hat im übrigen sowohl Moustafa als auch Roca das Vertrauen ausgesprochen.
Inzwischen ist Roca Moustafas Vertrauter
Mühlematter fordert selbstredend weiterhin die Ablösung von Moustafa. Ich hatte nicht die Chance, alle Fakten auf den Tisch zu legen. Es gibt Beweise, die ich gar nicht in die Sitzung einbringen durfte. Aber ich mache weiter“, sagte der Schweizer. Moustafa war bereits im September 2007 wegen des Verdachts finanzieller Unregelmäßigkeiten zur Demission gedrängt worden. Doch der Ägypter überstand den kleinen Sturm.
Damals zählte Roca noch zu den Widersachern von Moustafa; inzwischen ist er einer seiner engsten Vertrauten. Auch wegen seines autoritären Führungsstils und seiner Haltung im Anti-Doping-Kampf ist der IHF-Präsident ins Gerede gekommen. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Basel wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung“ gegen den Weltverband.
Mühlematter will weitermachen
Mühlematter will seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen und weitere Unterlagen sammeln, um gegen Moustafa vorgehen zu können. Man kann den Eindruck haben, dass ich allein kämpfe. Aber so allein bin ich gar nicht“, behauptete der Schweizer. An den IHF-Rat richtete er sich mit den Worten: Ich habe die Pflicht und die Verantwortung, Ihnen reinen Wein einzuschenken.“
Der IHF-Rat, dem nach dem umstrittenen Ausschluss des Ozeanien-Vertreters Vernon Winitana (Neuseeland) 15 Mitglieder angehören, ist das höchste Beschlussgremium des Verbandes zwischen den Kongressen. Auf der vorangegangenen Tagung im Oktober vorigen Jahres in Herzogenaurach waren unter anderem die Männer-WM 2011 an Schweden und der Wahlkongress im Juni 2009 an Ägypten vergeben worden.
Strombach könne sich arrangieren, sagt er
Dort stellt sich Moustafa als einziger Kandidat zur Wiederwahl für das Präsidentenamt. Ich habe nichts gegen eine weitere Amtszeit von Moustafa, aber ich habe noch viel weniger etwas gegen eine demokratische Wahl mit mehreren Kandidaten“, sagte unlängst Ulrich Strombach, der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB).
Strombach ließ indes keinen Zweifel daran, dass der DHB zu dem umstrittenen Moustafa hält. Wenn mir einer einen konkreten Vorwurf gegen ihn nennt, bin ich der erste, der aufsteht“, sagte der Jurist aus Gummersbach. Bisher höre ich nur Allgemeinplätze.“ Er könne sich auf alle Fälle mit der jetzigen Situation arrangieren, behauptete Strombach. Man dürfe den armen Moustafa“ nicht in eine Position drängen, die er nicht verdient hat“. Strombach glaubt, mit dem Ägypter grundsätzlich gut zurechtzukommen und durchaus auch Einfluss auf ihn zu haben.
Die Basler Staatsanwälte ermitteln
Die Basler Behörden wollen derweil den Verbleib von Zuschüssen in Höhe von 1,6 Millionen Schweizer Franken aufklären, die die IHF 1999 an den WM-Ausrichter Ägypten gezahlt hat. In diesem Zusammenhang hieß es, dass Teile des Geldes auf einem US-Dollar-Konto einer kleinen Genossenschaftsbank in Straßburg, einer Filiale der Credit Mutuel“ zu finden waren.
Ob und wann das Geld an das Organisationskomitee in Ägypten geflossen ist, soll nun nach einer Anzeige gegen Organe der IHF“ von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. OK-Chef für die erste Handball-Weltmeisterschaft in Afrika sowie Präsident des ägyptischen Handball-Verbandes war seinerzeit in Personalunion der jetzige IHF-Chef Moustafa.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa