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Im Gespräch: Philipp Gloeckler

"Boykotte sind mir zu linksradikal"



FRAGE: Herr Gloeckler, Sie sind 25 und Mitbegründer eines nachhaltigen Modelabels. Nebenbei bringen Sie Menschen zum Shoppen - aus Protest. Das hört sich merkwürdig an.

ANTWORT: Ich bringe Menschen dazu, ihre Lebensmitteleinkäufe gemeinsam in einem Laden zu erledigen. Der soll durch das Event ökologischer werden. Beim "Carrotmob" soll aber niemand mehr kaufen, als er eigentlich braucht.FRAGE:

In Berlin-Kreuzberg haben Sie letzte Woche den ersten "Carrotmob" Deutschlands organisiert. Was war da los?

ANTWORT: Es war großartig. Über 400 Menschen haben gemeinsam in einem kleinen Laden, dem Spätshop "Multikulti", eingekauft. Der Pächter hatte vorher versprochen, einen Teil der Einnahmen für Umweltmaßnahmen zu verwenden. Wir haben fast 30 Ladenbesitzer in Kreuzberg gefragt - der Besitzer dieses Spätshops wollte mit 35 Prozent den größten Teil in einen Umbau reinvestieren.

FRAGE: Wie kamen Sie auf eine solche Idee?

Den allerersten "Carrotmob" gab es letztes Jahr in San Francisco. Ich war begeistert und habe in Berlin Leute gesucht, die mitmachen. Die habe ich leicht gefunden - zurzeit sind wir zu siebt.

Was genau steckt hinter der Aktion?

ANTWORT: Sie soll Verbrauchern zeigen, dass sie mit jedem Euro etwas bewegen können, wenn sie strategisch konsumieren. Also suchen wir einen Ladenbesitzer, der bereit ist, etwas zu verändern. Dann rufen wir in Radio und Internet zum Masseneinkauf auf. Das bringt viel mehr, als unökologische Unternehmen zu bestrafen. Boykotte sind mir zu linksradikal. Wir motivieren sie lieber mit Umsatz.

ANTWORT: FRAGE: Vierhundert Menschen gleichzeitig in einem kleinen Laden - da gab es sicher eine lange Schlange an der Kasse.

Viele Leute mussten schon vor der Tür eine Stunde warten. Aber es gab Musik, das ganze hatte Eventcharakter. Der Spätkauf hat in drei Stunden 2000 Euro eingenommen, so viel wie sonst in drei bis vier Tagen. 700 Euro gibt der Pächter jetzt für die Umstellung auf einen grünen Stromanbieter und neue Lampen aus.

FRAGE: Sind Sie sicher, dass er keine leeren Versprechungen gemacht hat?

Ja, wir haben ihm gemeinsam mit einem Energieberater geholfen, den Laden zu renovieren. Wir haben zum Beispiel neue Lampen und Wärmeschutzfolien angebracht. FRAGE:

Was bedeutet der Name "Carrotmob"?

Der steht für Zuckerbrot und Peitsche - das heißt in Amerika "carrot and stick". Die Karotte steht für die Belohnung, die Unternehmen bekommen, die bereit sind, sich zu ändern. Und "mob" steht für die spontane Massenversammlung.

FRAGE: Planen Sie weitere Aktionen?

ANTWORT: Wir haben schon Nachahmer in Deutschland, die ähnliche Aktionen starten wollen. Und wir selbst überlegen gerade, wie wir in Berlin auch größere Unternehmen verändern können.

Die Fragen stellte Jana Sinram.

Text: F.A.Z.