17. Dezember 2009
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A.T. Kearney

Berater für den Medienmarkt

Von Andreas Kunkel



Alexander Strunck schätzt an seinem Beruf vor allem, daß es keine vorgefertigten Lösungen gibt.
07. Juni 2004 
Die Unternehmensberater von A.T. Kearney bewegen sich auf Augenhöhe mit dem weltweiten Top-Management. Anders wäre eine strategische Beratung globaler Unternehmen nicht denkbar. Für Alexander Strunck gehören die Verschiedenartigkeit und Komplexität der Aufgaben von A.T. Kearney zu einem Vorzug, auf den er nicht mehr verzichten möchte.

"Guten Abend meine Damen und Herren." Freundlich lächelt der Herr auf dem Bildschirm während er den Spielfilm ansagt. Was nun folgt, ist für die meisten Zuschauer schlichtes Abschalten von Alltag und Beruf - einfach ausspannen. Dr. Alexander Strunck fällt das nicht immer so leicht. Zu seinem Beruf als Unternehmensberater gehören hochkomplexe Dienstleistungen für die weltweite Medienbranche. Für ihn, der seit Sommer vergangenen Jahres für A.T. Kearney arbeitet, geht es dabei weniger um die Inhalte von Filmen, Zeitungen, Magazinen oder Internetangeboten, sondern um Unternehmen, die Medien machen. Um deren wirtschaftliche Bedeutung, geplante Allianzen, Zu- oder Verkäufe von Teilbereichen oder um die Optimierung von Firmengeflechten. "Die Kompetenzbereiche Medien und Entertainment, aber auch Telekommunikation sind zwei von über einem Dutzend Sektoren, auf denen A.T. Kearney besondere Service- und Industriekompetenzen besitzt", erklärt er. "Für mich waren gerade diese Gebiete ein besonderer Grund, für diese Unternehmensberatung arbeiten zu wollen."

Der 28jährige hatte in Münster Diplomkaufmann studiert, war Fellow an der Harvard University und hat an der Universität St. Gallen zum Thema Medien und Technologie promoviert. Berufliche Eindrücke hatte er bereits durch Praktika bei der Bertelsmann AG und Roland Berger gesammelt und er war Associate bei der Dresdner Bank. "Vor allem aber wegen meiner Erfahrungen durch die Promotion wurde mein Interesse für Analysen und konzeptionelle Arbeit verstärkt. Auch wollte ich auf dem Gebiet Medien und Wirtschaft Verantwortung übernehmen", erklärt er. Deshalb habe er sich bei Unternehmensberatungen beworben und bei A.T. Kearney, einem der weltweit größten Top-Management-Beratungsunternehmen, das für ihn ideale Aufgabenfeld gefunden. Zunächst im Bereich Medien, aber ein späterer Wechsel in andere Bereiche, wie Anlagen- oder Maschinenbau, Automotive, Energie- und Versorgungswirtschaft, Luft- und Raumfahrt, Öffentlicher Sektor oder auch Pharma und Gesundheitswesen ist bei A.T. Kearney nicht ausgeschlossen.

„Letztlich zählt das Gesamtbild, die 'einfache' Antwort auf die Frage 'Lohnt es sich?'“

Seit dem Sommer letzten Jahres ist Alexander Strunck bei dem Beratungsunternehmen. Vier Schulungen hat er hier bereits absolviert. "Neben klassischem Präsentations- und Kommunikations-Coaching vor allem intensives Praxistraining", sagt er.

Doch längst ist Alexander Strunck auch in laufende Großprojekte involviert. "Wir bewerten eine Allianz im Medienbereich aus finanziell-strategischer Sicht", erklärt er. Details dürfen derzeit zwar nicht öffentlich gemacht werden, nur soviel kann er sagen: "Letztlich geht es um internationale Medienunternehmen, für die wir die Frage zu beantworten haben, ob eine enge Zusammenarbeit oder gar Fusion im Hinblick auf die Zukunft des Marktes eine lohnende Strategie ist und wirtschaftliche Vorteile bringt. Zumindest für unseren Kunden - idealerweise auch für alle beteiligten Unternehmen." Das vierköpfigen Team, in dem er mitarbeitet, müsse den Auftrag auf einzelne Module und Komponenten herunterbrechen, um diese miteinander in Korrelation zu bringen und später in Analysemodelle einbauen zu können. Eine der Aufgaben, an denen Alexander Strunck arbeitet, ist, "für alle beteiligten Bereiche durch intensive Gespräche oder Workshops zu evaluieren, wo die Vorteile, Bedenken und Probleme liegen und wo sich nach einer möglichen Allianz neue Strukturen ergeben könnten". Das heißt zunächst müssen Ansprechpartner gefunden und bereits bestehende Arbeitsgruppen koordiniert werden, neue Wokshops werden initiiert und müssen moderiert werden. Parallel zu den Gesprächen recherchiert Alexander Strunck Fakten, etwa zu benötigten Kosten- und Strukturdaten. Dann bewertet er alle Informationen und filtert das Notwendige heraus. "Dabei geht es nicht nur um den Status quo, sondern auch um die Frage, wie sich eine mögliche Allianz in Zukunft positionieren kann", erklärt er. Märkte änderten sich und besonders schnell Medienmärkte. Spätestens an diesem Punkt muß er die Situation der Medienunternehmen weltweit genau kennen, um bei den Überlegungen und Kalkulationen die Entwicklung des Marktes soweit wie möglich einschätzen zu können. "Ein Vorteil der weltweiten, fast 80jährigen Arbeit von A.T. Kearney ist, daß wir in der Regel nicht zum ersten Mal mit den Global Playern auf dem Medienmarkt zusammenarbeiten. Wir verfügen also über einen Pool von Informationen und Wissen über die Konzerne", erklärt er.

Den nächsten Schritt nennt Alexander Strunck das "Firmen", und meint damit die Phase der Selektion und Bewertung. Auch müssen unter Umständen noch weitere Details erarbeitet werden. "Ein Problem könnte beispielsweise sein, daß mein Gesprächspartner einzelne Kosten nicht quantifizieren konnte", erklärt er. Also müsse beispielsweise ein ähnlicher Bereich gefunden werden, in dem ein vergleichbares Produkt oder ein entsprechender Service existiert und dessen Entwicklungsdaten und Effekte zumindest teilweise übertragbar sind. Alexander Strunck nutzt dafür interne Datenbanken oder externe Informationsquellen wie das Internet ebenso wie die interne Informations-Unit von A.T. Kearney, die den Beratern vor Ort mit Recherchen zuarbeitet. "Letztlich arbeiten wir bei A.T. Kearney immer wieder an hochkomplexen Puzzles und fügen die Einzelteile zu einer Strategie zusammen", sagt Strunck. Was aber letztlich zähle, sei das Gesamtbild. Die "einfache" Antwort auf die Frage: "Lohnt es sich?"

"Ich denke, daß ich mir auch für meine Karriere diese Frage lang genug gestellt habe", sagt er. Denn häufiges Reisen durch ganz Europa, ein teils übervoller Terminkalender, eine vergleichsweise hohe Arbeitsbelastung von bis zu 70 Stunden in der Woche und eine hohe Verantwortung sind bei einer Managementberatung wie A.T. Kearney die Regel. Das aber schreckt Alexander Strunck nicht - im Gegenteil: "Das Schöne bei der Arbeit als Unternehmensberater ist, daß es nie vorgefertigte Lösungen geben kann und jedes Problem neue Gesichtspunkte mit sich bringt: Das ist ein Luxus, auf den ich nicht mehr verzichten will."

Text: Hochschulanzeiger Nr. 73, 2004
Bildmaterial: Privat