16. Dezember 2009
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WestLB

Investmentbanker sind Frühaufsteher

Von Margarete Hucht



20. Juni 2005 
Auf dem Weg zum Investmentbanker: Während der 18 Monate seines Traineeprogramms „Equities" bei der WestLB in Düsseldorf bekommt Mark Höpfner Einblick in alle zum Bereich „Equity Markets" gehörenden Unternehmensfelder der Bank. Der FAZ-Hochschulanzeiger begleitet ihn dabei.

Zuletzt konnte Mark Höpfner die hektische Luft im Handelsraum atmen, wo Aktien und Derivate für Großkunden der WestLB gehandelt werden. Seit kurzem ist er nun bei der WestAM eingesetzt, einer Tochter der WestLB, die Portfolios in einer Vielzahl von Asse-Klassen vor allem für institutionelle Kunden managt.

Investmentbanker sind Frühaufsteher, jedenfalls im Kundengeschäft. „Bevor um neun die Börse in Frankfurt eröffnet wird, sind viele Entscheidungen schon getroffen", sagt Mark Höpfner. „Oft kommen die Unternehmensnachrichten über die Newswire über Nacht, denn viele Aktiengesellschaften geben ihre Informationen erst nach Börsenschluß heraus, um zu verhindern, daß unüberlegte Investitionsentscheidungen den Markt kurzfristig beeinflussen", sagt der 30jährige Trainee der WestLB. Drei Monate hat Mark Höpfner im „Trading" und anderen handelsnahen Bereichen der WestLB gearbeitet. Seine erste Amtshandlung am Morgen im „Sales Trading": Die Kunden per E-Mail mit den frischen, börsenrelevanten Daten zu versorgen. „Dann, zwischen 7.45 und 8.00 Uhr laufen die Telefone heiß", erzählt er. „Jeden Tag sorgen bestimmte Nachrichten für Diskussionsstoff, die Kernfrage dabei lautet: Werden sie den Aktienkurs beeinflussen?" Viele Kunden wollen vor Börsenbeginn das Gefühl der Sales-Mitarbeiter abfragen. Und in der Regel rufen sie dazu mehrere Banken an. „Wir stehen im ständigen Wettbewerb", erzählt Mark Höpfner. In den ersten zwei Stunden pendele sich unter den professionellen Händlern die „Tagesstimmung" ein, die die weiteren Stunden des Handels präge. Von Mark Höpfner und seinen Kollegen erwarten die Kunden, daß er Gerüchte von tatsächlichen Entwicklungen unterscheiden und den Einfluß von Stimmungen und Fakten auf den Aktienmarkt abwägen kann. „Mein Feld ist die faire Bewertung einer Aktie nach fundamentalen Kriterien unter Berücksichtigung des aktuellen Marktsentiments", sagt er.

„Zwischen 7.45 und 8.00 Uhr laufen die Telefone heiß.“

Dabei kommt ihm zu Gute, daß er vor seiner Trainee-Station im „Trading" auch einige Monate im „Aktien Research" gearbeitet hat - in der Welt der Analysten. „Die Arbeit der Analysten ist ein wichtiger Faktor für das Geschäft", sagt Höpfner. „Irgendwo müssen auch im Investmentbanking die Aufträge herkommen. Der Wettbewerb geht zu einem guten Teil über die Qualität der Analysen, die die Kollegen im Sales-Bereich an ihre Kunden vermarkten." Auf dieser Basis entständen Aufträge - zumeist von erheblichem Volumen - die dann von den Händlern der WestLB, die ebenfalls wie die anderen handelsnahen Bereiche im Handelsraum sitzen, ausgeführt würden. Die WestLB arbeitet im Großkundengeschäft. „Unsere Kunden sind nicht Privatkunden, sondern institutionelle Anleger. Auf beiden Seiten sitzen also Profis, die von uns hochqualifizierte Leistungen erwarten", sagt Höpfner. „Dazu gehören die Manager großer Publikumsfonds genauso wie die Verantwortlichen für Spezialfonds, wie sie beispielsweise für Unternehmen, Kommunen und Pensionsfonds aufgelegt werden." Dabei arbeitet die WestLB auch eng mit den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sowie anderen Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe, etwa der Deka Bank, zusammen. Mehr als ein Dutzend Mitarbeiter sitzen an den Telefonen im Aktien-Sales der WestLB. „Diese informieren ihre Kunden, nehmen Aufträge entgegen und leiten sie an die Händler weiter", sagt Höpfner. Doch Sales sei viel mehr als das. „Es gibt zwei Mitarbeitertypen: Die einen sind Generalisten. Sie haben meistens über Jahre gewachsene Beziehungen zu Fondmanagern, ein breit gestreutes Wissen und immer den Gesamtmarkt im Blick. Dann gibt es die Spezialisten, die auf bestimmte Branchen fokussiert sind und somit die Ansprechpartner für Spezialfragen sind." Aber auch die Analysten, die die fundamentale Bewertung der Unternehmen vornehmen, haben teils Sales-Funktion. „Sie telefonieren auch direkt mit ausgewählten Kunden. Oft reisen sie zum Kunden oder machen Veranstaltungen, bei denen sie beispielsweise Trends in bestimmten Branchen präsentieren." Sales-Mitarbeiter haben also eher eine Vermittlerfunktion, „aber gerade das macht dieses Bereich sehr interessant", sagt Höpfner, der vor seinem BWL-Studium zunächst eine Ausbildung bei der Sparkasse Siegen gemacht hat.

„Schon als Azubi habe ich gern Kundengespräche geführt. Bei den Geschäften, die jetzt zum Job gehören, geht es zwar um ganz andere Summen." Doch die menschliche Seite der Kundenbeziehung - den Kontakt aufzubauen und zu pflegen - fasziniere ihn nach wie vor sehr. Für ihn persönlich sei es „sehr spannend", herauszufinden, was das Gegenüber wünsche und denke. Höpfner meint, der soziale Faktor sei gerade im Investmentbanking nicht hoch genug einzuschätzen. „Man braucht ein großes Kontaktnetz, um Entwicklungen und Trends nicht nur hautnah miterleben, sondern auch bestmöglich einschätzen zu können." Dabei spielten harte Fakten genauso wie die Chemie zwischen Menschen eine Rolle. „Investmentbanking ist ein people's business." In diesem Sinne schätze er das Traineeprogramm „Equities" der WestLB sehr hoch ein. „In 18 Monaten lerne ich fast alle Mitarbeiter des Bereichs kennen. Gut zwei Drittel von ihnen bin ich bisher schon begegnet." Übertrieben förmlich gehe es in diesem teils hektischen Business nicht zu. „Es gibt viele Kundenbeziehungen auf Duz-Basis", sagt der Trainee. Das sei ein entspannteres Arbeiten. „Man steht in Kontakt, schnappt viel auf. Wer weiß was, wann, wozu?". Und es werde sehr vernetzt gearbeitet. Der Trainee gibt ein Beispiel: „Wenn ein Fondsmanager, der 400.000 Telekom-Aktien kaufen oder verkaufen möchte, dies auf einen Schlag tun würde, dann könnte das den Aktienkurs schon deutlich nach oben oder unten drücken." Insofern arbeiteten auch die Händler „über viele Ecken". Zum einen könne man die Order nach und nach und auf unterschiedlichen Wegen in den Markt geben, sei es über den elektronischen Xetra-Handel oder die Präsenzbörsen. Zum anderen könnten aber auch Banken beziehungsweise Broker außerbörslich über eigene Kontakte Aktien an- und verkaufen, ohne daß dies den Börsenkurs direkt beeinflusse.

„Man braucht ein großes Kontaktnetz, um Entwicklungen und Trends bestmöglich einschätzen zu können.“

„Auf diese Weise werden manchmal riesige Aktienblöcke gehandelt, der Kurs wird aber davon nicht tangiert." Dazu müsse man allerdings wissen, wer gerade was vorhabe. Nachdem Mark Höpfner drei Monate im Trading, Sales und Sales Trading Erfahrungen sammeln konnte, absolvierte er seine vierte Trainee-Station im Bereich Derivate. Auch hier gibt es - analog zum Aktienbereich - Händler und Sales-Mitarbeiter, die in diesem Fall aber auf Derivate spezialisiert sind. „In den ersten Wochen wurde ich von den Kollegen in den Handel und die Funktionsweise von Optionen und Futures eingeführt und konnte mir somit einen guten Eindruck darüber verschaffen, was es heißt, als Derivatehändler zu arbeiten", sagt Höpfner. Derivate würden von den Kunden zu verschiedenen Zwecken eingesetzt. Einerseits zu Spekulationszwecken, andererseits zur Absicherung von vorhandenen Wertpapierbeständen. „Salopp gesagt, geht es darum, einzelne Positionen im Portfolio gegen Verluste abzusichern, sozusagen einen Airbag einzubauen", sagt der Trainee. Beispielsweise könne man durch den Kauf eines Put-Optionsscheins auf eine Aktie einen Bestand an Aktien gegen Kursverluste absichern, da der Put im Falle sinkender Aktienkurse an Wert gewinne und so den Verlust des zugrunde liegenden Wertpapiers ausgleiche. „Als Derivatehändler muß man um die Ecke denken können - teilweise unter starkem Zeitdruck." Das sei eine ziemlich komplizierte, aber „superinteressante Welt", sagt Höpfner. Die Aufregung stecke nicht zuletzt im Risiko. „Falsche Entscheidungen können sehr, sehr teuer werden."

Neben dem Handel und dem Vertrieb von Derivaten ist die WestLB auch stark im Geschäft mit sogenannten strukturierten Produkten vertreten. Strukturierte Produkte sind Anlageprodukte für Privatkunden. Den Teilbereich, in dem diese Produkte entwickelt werden, wird der Trainee noch kennenlernen können, nachdem er seine fünfte Station bei der WestAM absolviert hat. Erst vor kurzem hat er diese begonnen. Die WestAM steht für den Bereich Asset Management - auf Deutsch: das Anlagemanagement. Die WestAM, eine Tochter der WestLB, verwaltet und steuert große Anlageportefeuilles nach Risiko- und Ertragsgesichtspunkten. Insgesamt betreut das Unternehmen Anlagen mit einem Wert von rund 60 Milliarden Euro. Für Mark Höpfner bringt der Trainee-Job noch einmal eine ganz andere Erfahrung mit sich: „In meiner derzeitigen Trainee-Station bei der WestAM bin ich sozusagen auf der anderen Seite des Telefons gelandet", sagt er. „Nun gehöre ich selbst zu denjenigen, die zu einem bestimmten Thema einen Analysten-Kommentar oder eine Studie anfordern." Doch um eine eigene, profunde Aktienbewertung komme man als Asset Manager dennoch nicht herum. Die Asset Manager bei der WestAM „sind eine Mischung aus Analyst und Fondsmanager und jeweils spezialisiert auf bestimmte Branchen", sagt Höpfner. „Ich selbst arbeite hauptsächlich mit dem für Banken und Finanzdienstleister zuständigen Kollegen zusammen, der rund 30 Unternehmen im Fokus hat." Zurzeit ist Mark Höpfner mit dem Aufbau von Bewertungsmodellen und Datenbanken beschäftigt. Seine Aufgabe: Daten zusammenzufassen und aus der Menge der Informationen und Kennzahlen die entscheidenden herauszufiltern. Eine schwierige Aufgabe, die ihm aber eines nochmals klar gemacht hat: „Sicher ist, daß ich im professionellen Börsen-Poker noch viele Jahre aktiv mitmischen will."

Die Hochschulabsolventen der allgemeinen Wirtschaftswissenschaften (BWL, VWL), der Wirtschaftsmathematik und der Wirtschaftsinformatik mit sehr gutem Studienabschluß, Auslandserfahrung, Erfahrungen durch Praktika oder Projekte, außeruniversitärem Engagement, Teamfähigkeit. Etwa 50 bis 60 Absolventen sollen in diesem Jahr eingestellt werden. Neben Funktionswechseln und Wechseln in andere Geschäftsbereiche sind auch Auslandseinsätze in den weltweiten Niederlassungen und Vertretungen möglich. Die Häufigkeit richtet sich nach dem Bedarf. Für Einsteiger bietet die WestLB drei Traineeprogramme an. Sie haben die Ausrichtungen Equity Markets, Credit Risk Management oder Accounting & Controlling. Ein Traineeprogramm dauert 15 bis 18 Monate und umfaßt vier bis fünf Stationen.

Kontakt: WestLB AG
Herzogstraße 15
40217 Düsseldorf
jobs@westlb.de
www.westlb.de/jobforum

Text: Hochschulanzeiger Nr. 79, 2005