Von Matthias Wyssuwa
11. Dezember 2008 Da war zum Beispiel das Sommerloch: Aus dem Nichts und auch wieder zurück katapultierte das Klumsche Modelcasting Gina-Lisa. Ein Mädchen mit losem Mundwerk und - na ja. Hängen geblieben ist vielleicht ihr Satz Zack die Bohne. Eine Formel, als Begrüßung wie auch als Beleidigung verwendbar, die ihr zum Markenzeichen wurde. Für anhaltendes Interesse sorgte dann das, was auch Paris Hilton schon zu Ruhm verhalf: die Verbreitung - gegen ihren Willen, natürlich - eines angeblichen privaten Sexfilms im Internet.
Es soll Zeiten gegeben haben, da maß sich Prominenz an der Anzahl der Poster, die das Magazin Bravo druckte. Der Aufstieg war mühsam, Aufmerksamkeit wurde nur von ausgewählten Medien verteilt - und wieder entzogen. Lange muss das her sein. Seit Jahren schon wird Prominenz nämlich auf dem Wühltisch verkauft, der sich Internet nennt. Jeder kann sich anpreisen, der einen Computer bedienen kann. Der Nutzer darf dann entscheiden, was er wissen, sehen, hören will.
Die Aufmerksamkeit ist meist nur von kurzer Dauer
Doch so schnell das Interesse zu bedienen ist, so schnell vergeht es wieder. Heute steigen Sternchen nicht nur rasant, sie verglühen auch oft, bevor sie zum Jahresrückblick bei Jauch auf dem Sofa Platz nehmen. Chronograph der Kurzfristigkeit ist die Suchstatistik von Google. Karrieren beginnen und enden in der Suchleiste der Suchmaschine. Die Top-Ten der am meisten in Deutschland auf Google gesuchten Personen erzählt die Geschichte von deren Aufstieg und Fall in 2008 - die ersten acht, unter ihnen wirklich Gina-Lisa, haben wir oben abgebildet.
All die kurzweilige Verteilung von Aufmerksamkeit zwingt längst dazu, die Skala der A-, B- und C-Promis um das D zu erweitern - für Ed Hardy, der auf Platz sechs gelangte. Nun heißt der gesuchte (und auf dem Foto abgebildete) Ed Hardy eigentlich Christian Audigier. Dem gehört ein Modelabel, das wiederum nach Ed Hardy, einem Tätowierer, benannt ist und das dessen Motive auf alles druckt, was nicht bei zehn auf den Bäumen ist. Und da der Herr Audigier jeden, der seinen Shop in L.A. besucht und einen Kameramann dabeihat, mit seinen Produkten eindeckt, hat auch er es zu so etwas wie Ruhm gebracht. Fernsehen sei Dank. Ein tragischer Anlass spülte hingegen Heath Ledger in die Google-Top-Ten. Sein Drogentod im Januar brachte dem Schauspieler kurze Aufmerksamkeit. Ein leichtes Zwischenhoch erreichte er im Sommer, als sein letzter Film in die deutschen Kinos kam. Danach kam das Nichts.
Skandale können auch langweilen
Die Einzigen, die ein Dauerabonnement in der Top-Ten abgeschlossen haben, sind Madonna und Britney Spears. Und während Erstere ihren Google-Höhepunkt in der Zeit erreichte, da sich die Gerüchte über die Trennung von ihrem Mann verdichteten, hat Britney Spears bewiesen, dass nicht nur Skandale Aufmerksamkeit erregen. Sie sammelte 2008 weder Klagen noch Ehemänner, sondern Musikpreise und kann sich über Platz eins in der Top-Ten freuen. Zudem beweist die Aufmerksamkeitskurve bei Amy Winehouse, dass Skandale auch langweilen können. Das weiß auch der Rapper Bushido und schreibt in seiner Freizeit lieber Bücher. Seine Biographie stürmte die Bestsellerlisten und die Google-Suchleisten.
Wie ein Fels in der Brandung der Nichtigkeiten steht stark und schwarz - Barack Obama, der Einzige in den Top-Ten, der weder Musiker, Schauspieler oder Modemensch ist. Nein, er ist Politiker, und sein Name war gerade in jenen Tagen am meisten nachgefragt, als er sich den Einzug ins Weiße Haus sicherte. Das brachte ihn auf Platz drei in der Google-Liste. Doch ist er nicht der alleinige Google-Gewinner der amerikanischen Wahl. In der internationalen Best-of-Liste thront auf Platz eins Sarah Palin, die Hockey-Mom aus Alaska. Obama schafft es dort nur auf Platz sechs.
Text: F.A.Z.